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Konkurrenz im Premiumgeschäft: China greift Europas Autobauer an

Bisher galten chinesische Autos als billig, hässlich und unsicher. Das soll sich ändern: Mit westlicher Hilfe wollen chinesische Hersteller einen Pkw nach europäischen Standards entwickeln.

Von Margret Hucko, Heimo Fischer und Christiane Kühl

China will mit ausländischer Hilfe die Pkw-Branche aufmischen. Der chinesische Hersteller Chery hat sich zum Bau hochwertiger Autos mit Israel Corp., einem der größten Industriekonglomerate Israels, zusammengeschlossen. Entwickelt werden die Fahrzeuge nach FTD-Informationen vom österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. 2012 soll die Produktion von drei Modellen in China anlaufen. Die Autos in der Größe eines Skoda Octavia sollen auch nach Europa exportiert werden.

Mit der neuen China-Premiummarke könnte erstmals ein ernst zu nehmender Rivale für westliche Autobauer entstehen. Bislang waren Hersteller aus der Volksrepublik als Billigproduzenten verschrien, deren Autos teils desaströse Ergebnisse in Sicherheitstests erzielten. Die neuen Fahrzeuge würden in allen Anforderungen "nach westlichem Standard" gebaut, hieß es nun. Sie treten nicht nur in Europa gegen etablierte Hersteller an. Vor allem in China könnten sie den Konzernen das Geschäft streitig machen - in deren wichtigstem Wachstumsmarkt. Die Etablierung einer Premium-Automarke könnte so auch als politischer Erfolg gefeiert und ausgeschlachtet werden: Chinas Parteiführung betrachtet die Automobilbranche als Schlüsselindustrie. Bislang kommen alle dort erfolgreichen Qualitätsanbieter wie Audi, BMW oder Buick aus dem Ausland.

Marke soll Qoros heißen

Offiziell wollte sich das Joint Venture CQAC, in dem Israel Corp. unter dem Namen Quantum agiert, nicht zu Details des Projekts äußern. "Wir sind noch dabei, die Bekanntgabe unserer Marke zu planen", sagte ein Firmensprecher. Dies geschehe voraussichtlich im November. Nach FTD-Informationen wird die Marke Qoros heißen. CQAC hat sich allerdings mehrere Namen sichern lassen.

Israel Corp. beziffert das Investitionsvolumen auf 900 Mio. Dollar. Insgesamt wird das Joint Venture mit 1,5 Mrd. Dollar bewertet. Gewöhnlich liegen Entwicklungskosten für neue Autos im dreistelligen Millionenbereich. Die Produktionskapazität der Fabrik gibt ein Schild am Baugelände in Changshu nahe Schanghai mit 500.000 Wagen jährlich an. Israel Corp. spricht von 150.000. "Das ist aber zu niedrig", sagte ein Insider.

Die Israelis haben Erfahrung in der Branche: Der Konzern hält fast ein Drittel an Better Place, einem groß angelegten Projekt zur Elektromobilität des Ex-SAP-Managers Shai Agassi. Ein Schwerpunkt von Qoros sollen daher alternative Antriebe sein.

Ursprünglich sollte Chery Bauteile für die Pkw liefern. Wegen Zweifeln an deren Qualität tritt der Konzern mittlerweile nur noch als Investor auf. Chery-Vertreter sitzen im CQAC-Aufsichtsrat, spielen operativ aber keine Rolle. Das Management besteht aus Veteranen der europäischen Autoindustrie, darunter Ex-Manager und -Chefdesigner von VW, BMW und Volvo. Zwei Limousinenmodelle sind bereits fertig entwickelt. Schätzungen zufolge könnten sie zwischen 11.000 und 15.000 Euro kosten und etwa Skoda oder VW Konkurrenz machen. Offen ist, wie die Autos vertrieben und vermarktet werden. Fest steht einzig, dass der Name Chery im öffentlichen Auftritt nicht vorkommen soll.

Chery ist seit acht Jahren Chinas größter Autoexporteur. International ist die Bedeutung gering. Ab 2013 will man in Brasilien bis zu 170.000 Autos jährlich bauen. Für Europa sieht die auf China spezialisierte Unternehmensberatung JSC nur geringe Chancen: "Das wird eher ein Randaspekt bleiben", sagte Beraterin Nicole Steiger.

FTD
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Von:

Margret Hucko und Heimo Fischer