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China-Importeure: Basteln an einem Traum

Auf dem Genfer Auto Salon stellen auch zwei chinesische Hersteller aus - einer heißt BYD für "build your dreams". Und wieder einmal stellt sich Europa die Frage, wann die Chinesen Ernst machen. Ankündigungen aus dem Reich der Mitte gab es bislang viele, zugelassene Autos nur wenige.

Von Jens Dralle

Im Jahre drei nach dem ersten Auftritt eines chinesischen Fahrzeugherstellers bei einer europäischen Messe hat sich die europäische Autolandschaft noch immer nicht großartig verändert. Brilliance hieß die Marke, die 2005 auf der AMI in Leipzig ihre hochfliegenden Pläne vorstellte. Doch von 5000 Autos pro Jahr für Europa sind nach Importeurs-Wechsel und schlechten Crashtestergebnissen nur rund 50 verkaufte Limousinen ausschließlich in Deutschland im vergangenen Jahr übrig geblieben. Inzwischen ließen sich auch andere Autobauer wie Chery und NAC, mittlerweile mit Rover-Käufer SAIC verschmolzen, in Europa blicken. Importeure wie China Automobile Deutschland oder LWMC haben theoretisch mit dem Vertrieb begonnen. Praktisch sieht man bis auf die erwähnten Brilliance, einigen Landwinds in Benelux und ein paar CEO - als BMW X5-Kopie in die Schlagzeilen geraten - in Italien keine chinesischen Autos auf westeuropäischen Straßen.

Schwäche im Heimatmarkt

Nun feiert BYD sein Europa-Debüt in Genf. Doch ob das etwas an der Marktbedeutung für chinesische Pkw ändern wird, ist fraglich. Der Grund: Die Chinesen können derzeit noch nicht einmal auf ihrem Heimatmarkt reüssieren. Gerade einmal ein Viertel der Verkäufe von knapp acht Millionen Fahrzeugen (2007) entfallen auf chinesische Marken. Davon machen nur drei Marken über 17 Prozent aus - Chery, Geely und Tiajin Xiali. Allerdings gibt es in dem riesigen Land noch über 100 weitere Autohersteller in China, die per Lizenz der Regierung zur Autoproduktion zugelassen wurden. Offizielle Stellen in Peking haben vergangenes Jahr verlauten lassen, dass man gerne drei oder vier große Auto-Gruppen sehen würde, die ihre Produkte auch weltweit erfolgreich verkaufen können. Ein erster Schritt: Die Übernahme von Nanjing durch den Staatskonzern SAIC. Als netter Nebeneffekt ergibt sich daraus, dass nun auch die Marken MG und Rover wieder vereint sind. Doch zunächst muss sich auch der Großkonzern als eigener Hersteller und nicht ausschließlich als Jointventure-Produzent profilieren. Letzteres Geschäftsfeld ist derzeit die Stärke der Chinesen. So wurden in China im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Autos gebaut. Bis 2012 soll die Produktion laut den Analysten von J.D. Power auf rund 12,5 Millionen Einheiten steigen. Ähnlich prognostizieren die Experten die Entwicklung bei den Fahrzeugverkäufen. Selbst wenn in Deutschland und Europa die Nachfrage nach China-Autos sprunghaft steigen würde, stellt sich die Frage nach der Verfügbarkeit.

Niveau zu niedrig

Hauptproblem für die Chinesen bleibt, dass derzeit keines der in Deutschland angebotenen Fahrzeuge den Ansprüchen der Käufer genügen kann. "Die Chinesen haben sich selbst überschätzt", heißt es bei einem Unternehmen, dass für einige Hersteller, auch aus China, Motoren entwickelt. Dabei geht es nicht darum, Autos zu bauen, bei denen sich das Schiebedach öffnet, wenn der Lieblingsradiosender eingeschaltet wird oder die über eine Ambiente-Beleuchtung in LED-Technik verfügen. Doch selbst dem Wunsch nach einfachen, preiswerten Autos mit einem Minimum an Qualität, zeitgemäßem Design und vor allem Sicherheit können die Chinesen derzeit nicht nachkommen. Das Segment selbst bietet allerdings ein großes Potenzial, denn es wird von den Koreanern langsam aber sicher verlassen. Ein Trend, den auch europäische und amerikanische Konzerne erkannt haben, wie die Beispiele Dacia und Chevrolet zeigen.

Händler verschreckt

Doch um erfolgreich neue Marken in Europa zu etablieren, braucht es nicht nur gute Produkte. Dass entsprechende Fahrzeuge entwickelt werden, steht außer Frage. Erste Modelle dürften auf der nächsten IAA 2009 zu sehen sein. Um diese zu vermarkten, braucht es aber auch seriöse Importeure, die ein solides Vertriebsnetz aufbauen. Bislang hat dies ansatzweise nur Brilliance-Generalimporteur HSO Motors geschafft. Die Entwicklung gestaltet sich aber auch hier zäh, denn Händler lassen sich nur mit konkurrenzfähigen Produkten überzeugen. Der desolate Crashtest ließ viele potenzielle Vertriebspartner vorsichtig werden. Denn um ein Auto zu verkaufen, das in einem Segment antritt, dass in Deutschland absolut keine Rolle spielt, braucht es mehr als nur einen halbwegs günstigen Preis. Zudem musste HSO-Chef Hans-Ulrich Sachs jüngst zugestehen, dass der für dieses Jahr angekündigte Golf-Konkurrent BS2 vielleicht doch erst Anfang 2009 zu kaufen sein wird. Immerhin kann Sachs einige Händler mit Namen benennen.

Eine Auskunft, die China Automobile Deutschland schuldig bleibt, wenngleich Geschäftsführer Karl Schlössl versichert, dass seine Autos zu kaufen seien. Die Handelsgruppe AVAG hält sich momentan noch ganz bedeckt, obwohl mit Jürgen Voss ein Manager eingekauft wurde, der schon Marken wie Hyundai oder Honda in Deutschland bekannt gemacht hat. Das Augsburger Unternehmen gilt als aussichtsreicher Kandidat, einen Importeursvertrag mit Geely zu schließen. Momentan herrscht also eher eine Art Goldgräber-Stimmung unter geschäftstüchtigen Autoverkäufern. Doch dass chinesische Hersteller die Markenvielfalt der deutschen Autolandschaft bereichern werden, steht außer Frage. Nur beim Zeitpunkt haben sich sowohl die Chinesen selbst als auch Europas Auto-Experten verschätzt. Daran wird das Debüt von BYD, ein Akronym für "build your dreams", auf dem Genfer Salon kaum etwas ändern - vorerst.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.