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Maybach Carat Exelero: Sonderschicht mit Tempo 351,54 km/h

Der Rekord der Konkurrenz ließ den Autobauer Maybach aufhorchen: Ein neuer VW-Sportwagen mit 400 Stundenkilometer Spitze? Kein Problem, finden die Stuttgarter und kontern mit einer zwar langsameren aber deutlich wuchtigeren "Staatskarosse".

Von Frank Janssen

Am Tag der Arbeit fuhr Klaus Ludwig Sonderschichten. Seinen ersten Job erledigte der Rennfahrer und Kommentator bereits bei Sonnenaufgang im süditalienischen Nardo. Auf dem kreisrunden Hochgeschwindigkeitskurs drehte er mit einem schwarzen, fast sechs Meter langen Maybach-Monstrum wenige, aber sehr schnelle Runden. Als Ludwig seine Fahrt gegen sieben Uhr morgens beendete, zeigten die Messinstrumente eine beeindruckende Zahl an: 351,54 Stundenkilometer.

Für Bernd Joachim Hoffmann, Chef des Reifenherstellers Fulda, war die hohe Geschwindigkeit allein jedoch gar nicht Zweck der von ihm angezettelten Aktion. "Einen Reifen zu bauen, der Tempo 400 aushält, ist nicht das Problem", sagt er. "Vor allem, wenn das Auto leicht ist." Klitzekleiner Seitenhieb auf den Konkurrenten Michelin, der einen Hochgeschwindigkeitsreifen für Bugatti entwickelt hat.

Die ersten Exemplare vom aberwitzig schnellen Sportwagen Veyron 16.4 werden im Herbst an betuchte Kunden übergeben. Der Maybach-Renner mit dem Namenszusatz Carat Exelero jedoch, sagt Hoffmann, bringt fast 2,7 Tonnen auf die Waage. "Das ist ja eine Staatskarosse. Die Kunst bei den Reifen besteht darin, hohe Tragfähigkeit und Speed zu kombinieren."

Dass Hoffmanns Partnerwahl für dieses Projekt auf Maybach fiel, hat gute Gründe: Bereits 1938 gab Fulda einen Wagen dieser Marke mit Stromlinienkarosse in Auftrag, um Reifen bei hoher Geschwindigkeit zu testen. Damals bedeutete das 200 km/h. Im Firmenarchiv entdeckte Hoffmann historische Unterlagen und wandte sich an den Stuttgarter Autobauer. Der gab schnell grünes Licht für das gemeinsame Projekt, denn die Autos der noblen Mercedes-Tochter können ein wenig Image-Politur gebrauchen - sie verkaufen sich nicht wie erhofft.

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Fulda-Chef Hoffmann macht keinen Hehl daraus, dass der schnelle Wagen Teil einer Marketing-Strategie ist, die diese Woche in Berlin präsentiert wird. Denn: "Wen interessiert schon der Reifen? Die Leute fahren über 200 km/h, aber kaum einer befasst sich damit." Die Kooperation zwischen Maybach und dem Reifenhersteller soll die beteiligten Firmen glänzen lassen.

Was weder in Stuttgart noch in Fulda bekannt war: Bereits am 19. April fand auf der Volkswagen-Versuchsstrecke in Ehra-Lessien bei Wolfsburg eine weitere rekordverdächtige Fahrt statt - auf Michelin-Reifen. Am Steuer eines Bugatti-Prototypen erreichte der Testpilot mehr als 400 km/h. Unter strenger Geheimhaltung, denn die Piste von VW ist extrem abgeschottet. Als jedoch die Nachricht vom schnellen Maybach durchsickerte, musste die Meldung von der eigenen Expressfahrt flugs unter die Leute. Jetzt steht es unentschieden: Der Bugatti ist schneller, aber mit auch etwas leichter als der Maybach. Fahren kann man das Tempo ohnehin nicht. Außer in Nardo. Oder in Ehra-Lessien.

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