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Pasadena Car Classics: Filmstars auf vier Rädern

Seit Babyboomers die automobilistische Nostalgie entdeckt haben, gibt's den örtlichen Concorso neben nahezu jeder Dorfdisko. Wenn aber das Pasadena Art Center of Design in Los Angeles einen ausruft, darf man schon etwas Besonderes erwarten, sagte sich Helmut Werb und fuhr gen Pasadena.

Von Helmut Werb

Zum siebten Mal fand in Pasadena/Kalifornien die "Art Center Car Classic" statt, dieses Jahr unter dem Motto "Dream Machines - Imagination Gone Wild", und trotz des abenteuerlichen Versprechens, die Vorstellungskraft der Besucher auf die Palme zu bringen, war es dann doch eher in bisschen typisch amerikanisches Barbeque, ein bisschen Elternabend in der Schule mit stolzem Vorzeigen, was die Kids denn so tun mit dem vielen Geld, das die Eltern für die Ausbildung zum Auto-Designer hinblättern müssen, mit Vorträgen, vor allem aber mit viel Showbusiness.

Wo bei den Edel-Concorsos in Carmel (oder in Italiens Villa d’Este) mit höchstpolierten Millionen-Karossen aus den wilden Zwanzigern und den nicht ganz so wilden Dreissigern geprahlt wird, bevorzugt im Armani-Tuch und den teuren Klunkern aus dem Familienerbe, waren die "Car Classics" auf dem Designer-Campus eher ein bisschen wie Klassentreffen in Shorts und bunten Hemdchen. Nicht Guccis oder Blahniks waren angesagt, sondern Sandalen und Clogs. Die legere Kluft jedoch hatte - zur freudigen Überraschung aller - keine Auswirkungen auf die Klasse der präsentierten Automobile. Ganz im Gegenteil.

Zwar gab es zwei schicke Rolls Royce, ein 1925 Phantom I Ärodynamic aus Los Angeles' renommierten Petersen Museum zum Beispiel, und ein prächtiges Delahaye Cabriolet 165 aus dem Jahr 1939. Aber daneben stand auf dem etwas bräunlichen Rasen auch ein Pontiac GTO "Monkee Mobile" des lokalen Auto-Aufmotzers George Barris, der den Karren für die Fernsehserie aus den sechziger Jahren hergerichtet hatte, der mit zwei Motoren ausgestattete "Twin Mill"-Nachbau eines Spielzeugautos und ein Lexus-Prototyp aus dem Film “Minority Report”. Oder auch der Gilda Streamline X, mit dem Rita Hayworth 1955 über die Leinwand kutschierte, der recht skurrile 1915 Van Bleck Spartan, den sich Car Customizer Gary Wales mit reichlich Bling zusammenschusterte, und gleich drei '32 Ford Roadsters.

"Ihr Amerikaner seid viel zu faul und nicht mehr hungrig genug!"

Das wahre Schmuckstück bildeten drei Alfa Romeo BATs aus den Jahren '53, '54 und '55. "In Südkalifornien werden Autos wie Filmstories erfunden", erklärte Harald Belker den Hang zum Show-Bizz, einer der Redner und legendärer Designer von Autos, die zu Filmstars wurden, "Car Designer haben hier eine enge Verbindung zur Filmindustrie." Er muss es wissen, seine Kreationen spielten in "Minority Report" mit, in "Spider Man" und "Batman & Robin".

Drängler wird von Polizei überrascht.

Das war Luigi Colani dann doch zu blöd. Die deutsche Design-Ikone, immerhin schon 79 Jahre alt und Ehrengast der Veranstaltung, schimpfte (unter dem Beifall seiner Zuhörer im Auditorium der Schule): "Ihr Amerikaner seid viel zu faul und nicht mehr hungrig genug! Ihr müsst aufwachen und gescheite Autos bauen." Sprachs und malte auf dem Podium lustige Designs seiner Trucks und Mini-Cars auf weisse Wände, die brav von Studenten hochgehalten wurden.

Ausserdem versprach er seinen Fans fürs nächste Jahr einen 24-Zylinder Supersportwagen in einer Limited Edition von genau einmal acht Stück und eine Super Corvette, die er zusammen mit Corvette-Tuner Callaway bauen will. “Dreihundertfünfzig Spitze”, donnerte er von der Bühne. Danach setzte er sich gemütlich unter einen Sonnenschirm und gab Autogramme wie ein Rockstar. Mick Jagger ist ja auch schon über Sechzig.

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