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Peking Motor Show 2012: Goldene Felgen, fauchende Drachen

China ist der größte Wachstumsmarkt der Welt. Europas Autobauer übertrumpfen sich auf der Peking Motor Show mit Studien und Traumwagen - angepasst an den chinesischen Geschmack.

Von Gernot Kramper

Die Peking Motor Show, die in der nächsten Woche ihre Tore öffnet, galt noch vor wenigen Jahren als Regionalmesse und zählt inzwischen zu den weltweiten Top-Attraktionen des Autojahres. Alle Hersteller wollen in China mit faszinierenden Studien, nagelneuen Modellen und exklusiven Sondereditionen punkten.

Bescheidenheit gilt in China nicht als Zierde. Wer bemerkt werden will, muss in Peking auftrumpfen. Selbst Ferrari verbeugt sich vor dem chinesischen Geschmack. Die Italiener verkaufen seit 20 Jahren Autos in China und feiern das mit einer auf 20 Exemplare limitierten Sonderserie des 458 Italia. Auf der Motorhaube des in "Marco Polo Rot" lackierten Renners prangt ein goldener Drachen, Felgen und Zierelemente glänzen in sattem Gold.

In Europa würden derartige Verschönerungen als Tuner-Trash gelten, doch Europas Autobauer sind auf China angewiesen. Auch wenn das Wirtschaftswachstum unter den Erwartungen liegt, betrug es im ersten Quartal 2012 immer noch 8,1 Prozent. Anders als in Europa können die Autohersteller in China mit einem langfristigen Wachstum und einer großen, konsumbegeisterten Käuferschicht rechnen.

Besonderen Glanz verbreiten Ausstellungsstücke wie der i8 Spyder von BMW. Der offene Hybridsportler entspricht im Interieur schon weitgehend dem Serienmodell. Mit einer Systemleistung von 354 PS dank Benzin- und Elektromotor spurtet die Münchner Flunder in fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei Mercedes sorgt der CLA für Aufsehen. So wichtig ist der chinesische Markt, dass diese Studie eines bezahlbaren Traumcoupés zuerst in Fernost gezeigt wird. Der größte Eyecatcher kommt jedoch aus Italien: Lamborghini enthüllt in Peking seine lang erwartete SUV-Studie. Und auch Citroën stellt einen Autotraum ins Rampenlicht, die Studie "Numéro 9" mit Plug-In-Hybridantrieb. Der Wagen könnte als DS9 die Serienreife erlangen und Citroën wieder in der Oberklasse vertreten. Zunächst soll die Studie den Start der DS-Reihe in China medienwirksam begleiten.

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Unspektakulärer, aber wichtiger im Verkauf sind die Langversionen bekannter Serienmodelle für das Chauffeursland China. Selbst der dynamische BMW 3er wird 11 Zentimeter gestreckt. Massenmodelle wie der VW Lavida, dessen zweite Generation in Peking vorgestellt wird, sind in Europa unbekannt. Die Fahrzeuge der chinesischen Hersteller rollen ohnehin mehr oder minder ausschließlich im Reich der Mitte auf die Straße.

Aber auch hier sind die Zeiten dreister Kopien, die es allerdings immer noch gibt, längst vorbei. BYD zum Beispiel zeigt laut chinesischer Medienberichte die Hybridstudie Qin. Haima Auto rollt die Coupé-Limousine Yao ins Rampenlicht. Bei Chery steht das TX SUV Concept im Mittelpunkt, ein kompakter Geländewagen. Chery ist einer von Chinas größten Autobauern und einer der wenigen Exporteure.

Die einst so heiße Liebe der chinesischen Regierung für Elektromobilität ist im letzten Jahr deutlich abgekühlt. Hohe Kosten und geplatzte Terminpläne machten die Planer in Peking nervös. Wenigstens Daimler liegt im Zeitplan. Nach langer Vorbereitung bringen die Stuutgarter gemeinsam mit dem chinesischen Auto- und Batteriehersteller BYD die Elektro-Marke Denza auf den Weg. Der erste deutsch-chinesische Stromer wird auf der Automesse in Peking enthüllt. Das Serienmodell soll 2013 erscheinen.

Gernot Kramper mit Press/Inform

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