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Staugefahr in den Urlaubswochen Brummi-Bashing vom Minister

Sommerferien und Baustellen – das Chaos auf den Autobahnen ist programmiert. Bundesverkehrminister Peter Ramsauer gibt den Brummi-Fahrern die Schuld am Mega-Stau. Das ist nichts als Stammtischgerede, die Versäumnisse liegen woanders.
Ein Kommentar von Gernot Kramper

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wärmt im Sommerloch eines seiner Lieblingsthemen auf: die nervigen "Elefantenrennen". So werden die quälend langsamen Überholvorgänge von Lkw genannt. Auf dieses Ärgernis soll die Polizei in den Sommermonaten bei Kontrollen ein besonderes Augenmerk haben, so will es der Minister. Sein Vorstoß war so vorhersehbar wie sinnlos und wird nicht einen einzigen Stau verhindern.

Vielleicht könnte ein generelles Überholverbot für Lkw helfen, vielleicht würde auch ein generelles Tempolimit in den Sommermonaten die Staugefahr verringern - von beiden Maßnahmen will Ramsauer nichts wissen. Doch solange kein Überholverbot für Brummis existiert, werden Kontrollen keinen Effekt haben. Einfach, weil es kaum Elefantenrennen gibt, die gegen das Gesetz verstoßen. Wenn ein Brummi drei 10 km/h langsamere Lastzüge in einem Zug am Hang überholt, dauert das für die Wartenden quälend langsam, ist rechtlich aber kaum zu bestanden.

Ablenken von Versäumnissen

Das weiß der Verkehrsminister natürlich auch, aber offenbar ist es zu verlockend, auf einen bewährten Sündenbock einzuprügeln. Ein Kopfnicken an den Stammtischen wird der Minister erreichen, aber kaum mehr. Durch Fahrverbote am Sonntag und auf vielen Hauptverkehrsstrecken auch am Samstag sind ohnehin weniger Lkw als sonst unterwegs. Eine spürbare Entlastung wird dennoch nicht eintreten, die fehlenden Lkw werden in der Ferienzeit durch eine Armada von Bussen, Wohnmobilen und Wohnwagengespannen mehr als ausgeglichen. Wirklich fürchten muss man sich in der Ferienzeit nicht vor den Brummis, sondern vor Rasern und vor den Überholmanövern von Wohnwagengespannen. Wohnmobile und Wohnwagen liefern sich in diesen Tagen ihre eigenen Schneckenrennen und bergen ein höheres Gefahrenpotenzial als Lkw, weil den Freizeitfahrern die Routine am Steuer fehlt.

Ungelöste Probleme des Güterverkehrs

Statt altbekannte Schuldzuweisungen von sich zu geben, sollte der Minister seine Hausaufgaben machen. Richtig ist, dass man auf Baumaßnahmen im Sommer nicht verzichten kann. Aber warum dauern sie in Deutschland länger als in anderen Ländern? Wenn die Behinderungen schon sein müssen, sollte auch mit Hochdruck gearbeitet werden. Dabei beweist schon der Augenschein: Das Gegenteil ist der Fall. Nachts und am Wochenende wird in Deutschland nur in Ausnahmefällen gearbeitet.

Den gleichzeitigen Ferienbeginn in Bayern und Nordrhein-Westfalen hätte die Politik ohnehin leicht verhindern können. Schwerer wiegt aber die Frage, wie es mit dem stetig zunehmenden Güterverkehr weitergehen soll. Der Güterverkehr wächst rasant. Der Ausbau von Bahntrassen und Autostraßen kommt nicht hinterher. Solange die freie Fahrt der Güter das höchste aller Güter im Wertekanon der EU bleibt, wird man sich an einen permanenten Verkehrsinfarkt gewöhnen müssen.


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