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Automarkt: Zeit zum Abschiednehmen - die Limousine stirbt

Man kennt sie aus zahllosen Hollywood-Streifen, deutschen Krimiserien, dem Pariser Innenstadtverkehr oder der eigenen Hauseinfahrt: klassische Limousinen. Doch die Autofahrer in aller Welt haben keine Lust mehr auf die klassischen Limousinen.

Mercedes 560 SEL Baureihe W 126

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In alten Filmen kann man sich schnell auch in die alten Autos verlieben. Vor allem in die aus den USA. Ein atemraubendes Design, das keinen Wert auf Nützlichkeit legte, viel Platz im Innenraum das zeichnete die Limousinen dieser Zeit aus. 

Doch das ist endgültig vorbei. Jahrzehntelang waren Limousinen die Nummer eins. Wer es sich leisten konnte, stieg in eine Limousine und belächelte Kombi- oder Kompaktwagenfahrer. Doch nun walzt die SUV-Welle die Viertürer mir Kofferraum in Grund und Boden. Ohne SUV-Look geht gar nichts mehr. Das fängt an bei Miniautos an, die sich als Geländefahrzeug aufrüschen, geht weiter über ange-SUV-te Familienwagen und hört bei Modellen auf, die so groß sind wie ein kleiner LKW

Selbst die auffälligeren Varianten der Limousine ob nun Coupé, Shooting Brake oder lang gezogenes Schrägheck können dem Geländelook nichts entgegensetzen.

Die Freude an Kombis war ohnehin nur in wenigen Ländern ausgeprägt, dort hält sie sich aber zäh. In den anderen Ländern wurden die Kombis von multifunktionalen Crossovern verdrängt, die ein vergleichbares Platzangebot bieten, das aber gepaart mit der höheren Sitzposition und meist nur simulierten Offroad-Qualitäten. 

Und die Hersteller reagieren. Das Drei-Box-Design (Motorhaube – Fahrgastzelle – Kofferraum) wird vom Markt genommen. Gerade bei Massenherstellern sind Limousinen nur noch Nebenprodukte. Anders sieht es noch aus, wenn das Logo eines Premiumherstellers auf Motorhaube prangt. Ein Siebener BMW, eine Mercedes E-Klasse oder ein Audi A4 verkaufen sich nach wie vor exzellent. Aber einst mit Limousinen sehr erfolgreiche Marken wie Fiat, Toyota, Honda, Mazda oder Peugeot müssen inzwischen darum kämpfen, Volumenmodelle wie eine Tipo Limousine, einen 508 oder einen Avensis überhaupt zu verkaufen. 

Im Alltag haben die Cross-over-Mischungen gleich drei Segmente beiseite geräumt. Limousine, Kombi und auch den Minivan. Heute hat kaum jemand einen Zweifel daran, dass der VW T-Roc der kommende Golf sein wird, der BMW X3 dem normalen 3er das Wasser abgraben wird und der Mercedes GLA viel begehrenswerter ist, als die normale A-Klasse? 

Toyota grübelt, ob es nicht klüger wäre, den erfolglosen Avensis einzustellen. General Motors steht wie andere US-Autobauer ratlos vor der Frage, wie man mit dem Ende der Limousine umgehen kann. Im Limousinen-Land USA steh Chevrolet Impala, Ford Fusion / Taurus und demnächst auch der Chrysler 300 zur Disposition. Die Zahlen lügen nicht: Bei den großen US-Limousinen fiel die Zahl von 442.000 Neufahrzeugen im Jahre 2010 auf zuletzt gerade noch 261.924 Einheiten und dies auch nur durch gigantische Rabatte. 

Und das ist nicht genug Unbill für die klassische Auto-Form: In spätestens 10 bis 15 Jahren werden sich autonom fahrende Autos etablieren. Ob sie - wie manche Studien nahelegen – aussehen werden wie ein rollendes Gurkenglas, sei dahingestellt. Aber ohne Lenkrad und Fahrer werden sie gewiss nicht der Limousine ähneln.

Der klassische Autotyp mag noch zwar noch ein wenig rollen, aber eigentlich ist es ein dead man walking.

Kra mit Pressinform / pressinform
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