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Rechtsstreit: Nissan gegen Nissan

Ein Mann investiert zwei Millionen Dollar, riskiert seine Ehe, seine Karriere. Warum? Es geht ihm ums Prinzip. Um seinen Namen. Sein Name ist Nissan, Uzi Nissan. Seit über sieben Jahren prozessiert der 55-Jährige gegen den japanischen Autokonzern Nissan.

Von Michael Streck

An diesem Morgen ist es ruhig in Uzi Nissans kleinem Computergeschäft. Es ist seit Jahren ruhig in diesem Laden. Also hat Uzi Nissan, 55, genügend Zeit, um Aufkleber einzutüten und postfertig zu machen. Auf denen steht in fetter roter Schrift, die US-Flagge als Hintergrund: "Kein Nissan Wagen mehr für mich" oder alternativ "Dies ist mein letzter Nissan." An diesem Morgen in Raleigh, North Carolina, tütet Uzi Nissan 25 Sticker ein, Durchschnitt. Er hat sonst nicht viel zu tun. Das Telefon klingelt selten, auf seinem Schreibtisch liegen kaum noch Akten. Und Kunden? Keiner.

Uzi, groß, Glatze und Schnäuzer, plumpst in einen Sessel und eröffnet das Gespräch mit dem Satz: "Ich bin ruiniert." Sodann beginnt er seine Geschichte zu erzählen. Sie handelt von Stolz und Sturheit. Sie handelt von einem kleinen Geschäftsmann, der sich mit der Großindustrie anlegt. Von einem Ein-Mann-Betrieb gegen einen Giganten mit 183.000 Beschäftigten. Von Nissan gegen Nissan. Von Nissan Computer gegen Nissan Motor. Sie handelt von einer Idee und dem Internet. Von Geduld, Gerichten - und Geld natürlich.

Es begann mit einer Autowerkstatt

Uzi Nissan kam 1976 von Israel nach Amerika mit dem Traum, den alle Immigranten haben: Karriere zu machen. Er gründete 1980 eine kleine Autowerkstatt, die er "Nissan Foreign Cars" nannte und mit seinem Bruder betrieb. Das ging ein paar Jahre gut, aber Anfang der 90-er sattelte er um. Es war die Zeit, als die Computerbranche zu brummen begann, und Uzi machte nunmehr in Computer, Hardware und Software, und die Geschäfte gingen gut. 1991 ließ er den Markennamen "Nissan Computer Corp." registrieren, und 1994 sicherte er sich für lächerliche 150 Dollar die Internet-Adresse Nissan.com. Dieser Schritt - er ahnte es damals noch nicht - würde sein Leben von Grund auf verändern.

Im Jahr darauf bekam er einen Brief des japanischen Autoriesen. Es hieß, sie seien besorgt über die Domain "Nissan.com". Aber Uzi ignorierte das. "Nissan", sagt er, "ist ein weit verbreiteter, biblischer Name. Im Hebräischen steht er für den siebten Monat des Jahres, im Arabischen bedeutet Nissan April. Ich bin stolz auf diesen Namen. Mein Großvater trug ihn, mein Vater trug ihn, und ich trage ihn mit Ehre." Das ist sein Standardspruch.

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Werbung wurde zum Verhängnis

Uzi ließ sich sogar die Domain Nissan.net sichern, als er ins Provider-Business einstieg, die Geschäfte gingen immer noch gut. So gut, dass er im Sommer 1999 einen System-Administrator einstellte, und der fragte: "Uzi, warum stellst du keine Anzeigen auf die Seite?" Alsbald hatten sie Anzeigen auf ihrer Webseite, und einige davon verwiesen auf Autofirmen, Ersatzteile, Reifen - das Übliche. Uzi hatte sich nichts dabei gedacht. Sie sollten zum Verhängnis werden.

Im Oktober 1999 meldete sich der Nissan-Manager Merrill Davis. Er flog nach Raleigh, traf sich mit Uzi, der damals noch in einem sehr feinen Büro in einer sehr feinen Gegend residierte. Davis wollte Nissans Internet-Domain kaufen, und Uzi lehnte ab mit seinem Standardspruch: "Es ist mein Name, ich trage ihn mit Ehren. Ich will nicht."

Nissan verklagt ihn auf 10 Millionen Dollar Schadenersatz

Die Nissan-Leute ließen nicht locker. Davis reiste im Dezember abermals nach Raleigh, "Nenn mir einen Preis", sagte er. Und Uzi sagte: "Nein." Davis insistierte: "Einen Preis!" So ging das hin und her, und nach zwei Stunden - das ist Uzi Nissans Version - sprach er: "Okay, 15 Millionen, verstehst du jetzt? Ich will nicht verkaufen." Uzi behauptet, das sei natürlich eine Fantasiesumme gewesen, aber kaum hatte er sie ausgesprochen, verließ Davis den Raum und telefonierte mit seinen Beratern in der Zentrale. Als er nach ein paar Minuten das Büro wieder betrat, lief schon die Klageschrift durch Uzis Fax, 86 Seiten - Merrill Davis hatte sie schon vor seiner Abreise unterschrieben. Streitwert: zehn Millionen Schadenersatz.

Das war am 10. Dezember 1999. Und seit diesem Tag befehden sich Uzi Nissan und Motor Nissan vor Gericht. Die Richter glaubten Uzi, dass er kein "Cybersquatter" sei, also keiner, der sich den Web-Namen nur deshalb gesichert habe, um irgendwann Nissan Motor zu melken. Die Richter befanden aber auch, dass Uzi auf seinen Seiten eben "autobezogene Links" hatte und damit dem Autohersteller geschadet habe. Seit nunmehr sieben Jahren läuft das Verfahren. Acht mal standen sich die Parteien vor Gericht gegenüber, ein paar Mal trafen sie sich zu "Mediations", Schlichtungsverhandlungen. Nicht ein Mal kamen sie sich nahe. Eine Petition ging sogar hinauf bis zum Obersten Gerichtshof der USA.

Ein hoher Preis für seinen Stolz

Für Uzi ist es eine Frage der Ehre und des Stolzes, für Nissan Motor ist es eine Frage der Reputation und des Image. Dazwischen ist Niemandsland. Uzi hat einen hohen Preis für seinen Stolz bezahlt. Er sitzt in seinem Büro, es ist still, kein Telefon, keine Kundschaft. Er hat im Laufe der Jahre mehr als zwei Millionen in den Fall investiert, Hypotheken aufgenommen, sich verschuldet. Er hat täglich bis zu acht Stunden an diesem Fall gearbeitet, darüber ist seine Ehe zerbrochen. Aber er sagt trotzig: "Sie wollen mich ruinieren. Gut. Aber ich bin immer noch da."

Er hätte alles sehr viel leichter haben können, er hätte klein bei geben können, er hätte von Nissan Motor vielleicht sogar Geld bekommen. Aber darum ging es irgendwann nicht mehr. "Uzi", sagt sein Anwalt Neil Greenstein, "ist ein Mann von Prinzipien", und dass das die Nissan-Leute womöglich unterschätzt hätten.

Fans schicken aufmunternde emails

Zuweilen gefällt sich Uzi Nissan sogar in der Rolle des Davids. Er bekommt jeden Tag 30 bis 35 aufmunternde E-mails und wird auf seiner Website mit mehr als 10.000 Einträgen gefeiert. Uzi ist der Held der kleinen Leute, er kämpft stellvertretend ihren Kampf gegen die Großen und die Mächtigen und das Kapital. "Gib nicht auf!", rufen sie ihm zu. Sie schreiben aus der ganzen Welt, aus dem Libanon, England, Syrien und sogar aus dem Irak.

Der US-Soldat Alan Rhaburn mailt Bush-konform: "Jede Aktion gegen die Nissan-Familie wäre kein Unterschied zu den feindlichen Handlungen Saddam Husseins gegen seine Nachbarn." Und nur selten schlägt Uzi, geboren in Jerusalem, Antisemitismus entgegen - "Der Jude sollte den Namen zurückgeben. Wen interessiert schon eine kleine Computerfirma?" Uzi Nissan lässt auch solche Einträge auf der Seite, "Freiheit des Wortes", denn er glaubt immer noch an Amerika. Sitzt in seinem Büro und sagt: "Ich will nur mein Leben zurück, das ist alles." Wahrscheinlich ist es dafür zu spät. In ein paar Wochen ist der nächste Gerichtstermin im Fall Nissan gegen Nissan. Der Kampf geht weiter. Ob Uzi will oder nicht.

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