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"Hopped-Up": Der Friseur, die Autos und der Rock 'n' Roll

Wenn Mädels den Pony föhnen, Männer die Jeans aufkrempeln und die Motoren aufheulen, liegen Energie und Schweiß in der Luft.

David Biene, Fotograf aus Berlin, bekam beim Friseur zusätzlich zu der neuen Frisur gleich noch ein neues Lebensgefühl verpasst: Auf der Suche nach der speziellen und puren Energie, die nur Rock´n Roll in ihm auslösen konnte, fand er den Weg in den Friseursalon von Gill Schulze.

Gill, der Besitzer, ist Rockabilly und das nicht erst seit gestern. Neben Omis aus der Nachbarschaft, die sich die Dauerwelle richten lassen, sitzen immer ein paar Fiftiesjünger in Gills Laden herum. Hier bekam David die Informationen über die von ihm heiß verehrte Hot Rod Szene: Wo starten die Rennen, wo kauft man Fifties Klamotten, wo wohnen die Schrauber? Wo ist der Mittelpunkt der Szene?

In seinem Buch "Hopped-Up" hat der 30 jährige Fotograf diese Szene auf 235 Seiten in wunderschönen und atmosphärischen Schwarz/Weiß-Bildern verewigt. Die Fotos entstanden nicht, wie gern in der Hot-Rod-Customize-Szene, in der Garagen rund um die Salzseen in , Biene hat sich acht Jahre lang ausschließlich in Europa herumgetrieben.

Landeplatz statt Salzsee

Auf dem alten russischen Flughäfen Finsterwalde fand seine Initiation in die Schrauberwelt statt. Einmal im Jahr brausen die um-geschraubten Autos und Motorräder aus den 30ern, 40ern und den Roaring Fifties über die ehemaligen Start-und Landebahnen der Antonows. Begleitet von dem Sound, der das Herz eines Schrauberfreaks höher schlagen lässt und der auf 2 CD´s dem Buch beigepackt ist. Motorenlärm und Rock´n Roll. Und rund um Sound und Autos haufenweise Menschen, die den Lifestyle leben und verkörpern.

Seine erste Ausstellung mit den Fotos aus Finsterwalde gestaltete der clevere Szenefotograph in diesem Sinne: In der beeindruckenden Kulisse der Berliner Kulturruine "Tacheles" veranstaltete er im November 2002 die Installation "Hot Rod Race" An den Wänden hingen die Bilder und aus den Lautsprechern dröhnten die Maschinen und Sounds.

Für das ambitionierte Buchprojekt "Hopped up" ging der Fotograf, der sonst Szenegrößen wie Tomte oder Motorenfreund Lemmy Kilmister von Motörhead vor die Linse kriegt, durch europäische Garagen und Wohnzimmer. Auch Gill Schulze, der mit der Lizenz zur Lebensveränderung, darf aus seinem Leben, von seinem Loft und seinen Autos erzählen. "Painter" Rico aus Berlin, Birgit und Tony, Autosammler aus Braunschweig, Autoclubgründer Anna und Terry aus Norfolk, UK, Godi Drechsler, Musiker und Sammler aus Inning in Bayern, Gustav Widegren, Shopbesitzer für Hot Rod Zubehör in Mönchsdeggingen und viele Freunde der Szene erzählen von ihrem Leben, ihren Autos und Leidenschaften.

Musik und Autos

Autos und Musik werden in der Szene zu einer untrennbaren Einheit, viele der Autofreunde spielen nebenbei oder auch hauptberuflich Bass oder Gitarre, treten in Bands auf oder leben gar von ihrer Musik. Musik, dass heißt purer, selbstgemachter und analoger Rock´n Roll.

Aus den heißen Wüsten Spaniens bis hoch in den Norden nach Schweden verschlug es David Biene und seine ebenfalls analoge Kamera. Fotos von einer "Weekender Beach Party" in Spanien wechseln mit "Head Banging" Festivals in Deutschland oder "Rockabilly Raves" in Groß Britannien. Partys, Autorennen, Konzerte: Biene und seine Kamera stehen immer mittendrin, die Fotos kommen "voll aus dem Leben". Er beobachtet nicht, er ist ein Teil der Szene, der Party. Einer der Freunde.

Und einer, der auch die Mädels vor der Linse gut aussehen lässt. Die Spanierinnen glühen dunkeläugig, die Britinnen kommen kess daher, die Schwedinnen erstrahlen blond und die German Frolleins sehen so aktiv aus, als hätten sie allein das Wirtschaftswunder vollbracht. Die Liebe zum Rock´n Roll, zu den Autos, zu dem Lebensgefühl ist eben mit Styling verbunden.

Marina Kramper
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