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Auf den Straßen von Peking: Adieu Drahtesel

Noch vor ein paar Jahren bevölkerten Pekings Straßen alte VW Passat, klapprige Drahtesel und eine handvoll schwarzer Luxuslimousinen. Doch der Verkehr in der Boom-City ist in den letzten Jahren explodiert. Die Olympioniken können sich auf einiges vorbereiten. Gestern, heute und morgen liegen selten so nah beieinander.

Tagsüber gibt es auf den Straßen von Peking mit dem Auto kaum ein Durchkommen. Taxifahrer und die unüberschaubar große Anzahl von Chauffeuren nimmt dies mit einer großen Lethargie hin. Die Touristen müssen sich an die verstopften Straßen erst einmal gewöhnen. Gerade Europäer empfinden die Stadt auch bei wiederholten Besuchen immer wieder als Mysterium. Die Stadt bleibt geheimnisvoll, doch interessanter wird sie von Tag zu Tag. Verstehen kann man sie nur schwer; doch wer in das unüberschaubare Leben eintauchen möchte, bekommt allenthalben Wegweiser und ein guter Reiseführer kann sowieso nicht schaden. Mit dem Auto geht es vorbei an hunderten von Großbaustellen. Sie lassen erahnen, was hier in den nächsten Jahren noch abgehen wird. Immerhin: Einiges ist beim alten geblieben. Die Verbotene Stadt ist da, wo sie immer schon war - im Herzen der City. Die unüberschaubaren Paläste haben mehr als 20 Kaisern eine Heimat geboten und das Volk geleitet. Auch heute hat die Verbotene Stadt kaum etwas von ihrem geheimnisvollen Charme verloren.

Doch man sollte am Abend kommen; denn tagsüber bekommt man in den Gartenanlagen mit, was Massentourismus heißt. Nur ein paar Meter entfernt gibt es in Qianmen weitere Sehenswürdigkeiten wie den knapp 40 Hektar großen Platz des himmlischen Friedens. Besonders das Mao-Zedong-Museum und das Museum der chinesischen Geschichte darf man nicht versäumen. Weiter südlich in Richtung Zhushikou trifft man auf Tiantan, den historischen Himmelstempel. Vieles in Peking ist Historie, doch China gilt als mit Abstand als der wichtigste Zukunftsmarkt in der weltweiten Automobilwirtschaft. Wurden im Jahre 1998 in China nicht mehr als 508.000 Pkw verkauft, so ist die Zahl im Jahre 2007 auf 5,3 Millionen PKW gestiegen. Eine solche Steigerung ist einmalig im Autogeschäft. Seit dem Jahr 2007 ist China der zweitgrößte Automarkt. Bis zum Jahre 2010 sollen es zehn Millionen Neuzulassungen jährlich sein.

Mercedes gilt als besonders exklusive Nobelmarke

Volkswagen ist in China seit vielen Jahren die unangefochtene Nummer eins; die Langversion des alten Passat und der aktuelle China-Passat namens Magotan gelten als beliebte Chauffeurfahrzeuge. Das meistverkaufte Fahrzeug ist der lokale Hersteller Chana mit seinem Crossover. Mit wenig Abstand folgen auf den Plätzen zwei und drei VW Jetta und VW Santana. Doch in einem Land, in dem ein Fahrrad umgerechnet gerade einmal zehn Euro kostet, geht es noch deutlich teurer als mit einem Mittelklasse-Volkswagen. Audi, Mercedes, BMW und Porsche haben sich ähnlich wie andere Luxusmarken längst in Szene gebracht. BMW entwickelte speziell für den chinesischen Massenmarkt die Langversion des 5ers - die gibt es nicht einmal auf dem Heimatmarkt Deutschland. Auch Audi bietet seinen A6 seit Jahren mit Erfolg an - natürlich als XL-Version. "Wir könnten eine lange E-Klasse gut gebrauchen", klagt Sunny Tan, Chefverkäufer des größten Mercedes-Händlers in Peking. Der Ruf blieb in Stuttgart nicht unerhört. "Es lohnt sich, über so ein Auto nachzudenken", erklärte jüngst Daimler-Vorstand Dr. Dieter Zetsche. Schließlich steht die neue Mercedes E-Klasse bereits vor der Tür. "Heute steht China in unserer Weltrangliste noch auf dem zehnten Platz", erklärt Zetsche. "Aber in fünf Jahren wird das Land wohl auf Platz drei sein."

Mercedes gilt in China als besonders exklusive Nobelmarke. Wer den obligatorischen Fondplatz in einem Mercedes genießen will, ist bis dato auf die übermächtige S-Klasse angewiesen. Nur in den USA werden weltweit noch mehr Luxusschiffe aus Sindelfingen verkauft; China liegt auf Platz zwei. Besonders beliebt: das Topmodell S 600 L mit mächtiger V12-Power. Auch der Sportableger AMG ist seit rund einem Jahr auf Chinas Automarkt vertreten - mit eindrucksvollem Erfolg. Innerhalb der letzten zwölf Monate wurden rund 400 Fahrzeuge verkauft. "Besonders beliebt ist der G 55 AMG, aber auch die AMG-Versionen von S- und E-Klasse laufen ausgezeichnet", erzählt Sunny Tan, "wir bekommen gar nicht so viele Autos, wie wir verkaufen könnten." Die Kunden gerne ein halbes Jahr, um ihr Traummobil zu bekommen. Die Ausstattung ist bei den europäischen Premiummarken vergleichbar und gleichermaßen komplett. Bei der Farbe gibt es keine Überraschungen: "Schwarz, schwarz und nochmals schwarz", ruft Sunny Tan fast stolz heraus, "allein ein SLK oder ein CLK werden auch einmal in einer anderen Farbe nachgefragt und einige AMG-Modelle sind silber."

Das höchste der chinesischen Volksgefühle

Chinesen lieben europäische Autos - besonders Luxuslimousinen. Immer wieder sieht man auf den Straßen von Peking auch die schwarzen Luxuslimousinen mit einer roten Finne auf der Motorhaube. Hongqui. Vor einem halben Jahrhundert lief in Changchun bei "First Automotive Works" das erste chinesische Auto namens "Rote Fahne" vom Band. Die Marke ist bis heute das höchste der chinesischen Volksgefühle. Parteiobere, Geschäftsleute und Politiker lassen sich nach wie vor in einem Modell Marke Rote Fahne chauffieren. Stolz tragen die zumeist schwarzen Luxuslimousinen eine rote Kunststofffinne auf der Motorhaube - die wird im Dunkeln illuminiert und gibt dem Publikum offenkundig zu verstehen: hier kommt jemand wirklich wichtiges. Unter dem ausladenden Blechkleid gab es in den letzten fünf Jahrzehnten Fahrzeuge verschiedenster Colour aus der ehemaligen UdSSR, den USA und selbst aus Deutschland. Das aktuelle Topmodell heißt HQ3 und basiert auf dem Toyota Crown Majesta. Der knapp fünf Meter lange Luxusliner ist eine komfortable und überaus patriotische Alternative zu Mercedes S-Klasse, 7er BMW und Audi A8. In jedem Fall bietet der HQ3 nicht souveräner Leistung mit sechs und acht Zylindern, sondern auch allen erdenklichen Luxus. Auf Wunsch ist der schwarze Prachtbolide auch als Panzerversion zu bekommen.

Unterhalb von europäischen Mittelklassemodellen wie 3er BMW, Mercedes C-Klasse und Audi A4 spielt sich in China nichts ab. Kleine und günstige Autos bieten heimische Hersteller wie Geely, Chery oder Brilliance zu genüge. Wer edle Modelle will, greift gleich zur deutschen, italienischen oder amerikanischen SUV oder Limousinen. Maserati, Ferrari, Bugatti und Porsche - keiner kann sich den chinesischen Megamarkt entgehen lassen. Beispiel Porsche: 80 Prozent aller Porsche-Modelle gehen auf das Konto des Cayenne. Ein Grund, weshalb der neue, 550 PS starke Cayenne Turbo S auf der Auto China seine Weltpremiere feierte. Das Tempolimit von 120 km/h ist den China für die Edelkundschaft übrigens kein Problem. Ein Strafpunktesystem gibt es trotz zahlreicher Geschwindigkeitskontrollen nicht und eine Tempoüberschreitung auf Tempo 200 kostet umgerechnet gerade einmal 20 Euro. "Das interessiert von unseren Kunden niemanden", so Sunny Tan, der auch schon Maybachs und SLR-Modelle an den Mann gebracht hat. Übrigens ist der Frauenanteil bei den kleineren Mercedes-Modellen SLK oder CLK fast 50 Prozent.

Der Sog der Olympischen Spiele

Alle Hersteller setzen auf den Sog der Olympischen Spiele in Peking; besonders die Platzhirsche Audi und Volkswagen. Mercedes stellte kurz vorher noch einen neuen Flaggship-Store an einer der Haupteinfallstraßen der Hauptstadt fertig. Dies wird der größte Händler auf dem asiatischen Markt. Hier sollen auf einer riesigen Verkaufsfläche mehr als 40 Neufahrzeuge ausgestellt werden. Pro Monat erwartet Mercedes-Benz of China mehr als 1.000 Besucher. Gebrauchtwagen sucht man bei Mercedes, Audi oder BMW übrigens vergeblich. Die Fahrzeuge werden zumeist innerhalb der Familie an die Kinder, Verwandte oder gute Freunde weitergegeben - als Geschenk.

Stefan Grundhoff / Susanne Kilimann; press-inform / press-inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.