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Autokauf-Anreize in Frankreich: Cash für Sparer, Strafe für Schlucker

Ab 2009 werden in Deutschland alle Neuwagen von der Kfz-Steuer befreit. Autos mit viel Hubraum werden belohnt. Dass es auch anders geht, zeigen die Franzosen: Bargeld gibt es unabhängig von der Motorgröße nur für Sparsame.

Von Christoph M. Schwarzer

Die Dicksten kriegen am meisten. Das ist das Prinzip bei der Aussetzung der Kfz-Steuer, die von der Bundesregierung "Konjunkturprogramm" genannt wird. Weil der Fiskus immer noch den Hubraum als Bemessungsgrundlage wählt, bekommen Käufer von Autos mit großen Motoren ab 2009 auch den höchsten Zuschuss. Wenn es dann noch ein Diesel ist, für den statt 6,75 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum 15,44 Euro fällig werden, gibt es beim Spitzenreiter Audi Q7 V12 TDI immerhin 926 Euro vom Staat. In Frankreich müsste der Käufer dafür eine Strafe von 2.600 Euro abdrücken.

Unsere Nachbarn aus dem Land von Renault, Citroen und Peugeot haben nämlich auch ein Verkaufsprogramm für Autos aufgelegt. Der entscheidende Unterschied besteht in der Definition dessen, was als umweltfreundlich gilt: Während Bundeskanzlerin Merkel schlicht den gesetzmäßigen Mindeststandard, also die Abgasnormen Euro 4 und Euro 5, für förderungswürdig hält, geht Freund Sarkozy ein Stück weiter. Der will nicht nur Stickoxide und Russpartikel begrenzen, sondern auch das Klimagas Kohlendioxid. Und weil Verhaltensänderungen oft nur über den Geldbeutel gehen, hat er ein Bonus-Malus-System etabliert. Autos mit schlechten CO2-Werten und damit hohem Verbrauch müssen Strafen von bis zu 2.600 Euro zahlen. Besonders CO2-arme und damit spritsparende Autos spülen dem Käufer bis zu 5.000 Euro in die Tasche.

Kritik: Industrieprotektionismus

Kritiker werfen der gallischen Autonation vor, mit dieser Regelung ihre eigenen Hersteller einseitig zu bevorzugen. stern.de liegt allerdings die aktuelle Bonus-Malus-Tabelle von Renault vor, die eindeutig belegt, dass alle Hersteller ihr Fett wegkriegen. Im Vergleich zu Volkswagen, sind Clio, Mégane und Espace sogar schwach aufgestellt. Kein Auto bekommt mehr als 700 Euro aus dem Fördertopf. Der markeninterne Bestwert von 111 g CO2/km wird vom alten Clio Campus Diesel erreicht. Ein Polo BlueMotion unterschreitet die magische 100 Gramm-Marke dagegen genau so wie der im Sommer kommenden Golf aus der Sparreihe.

Ob Neuwageninteressenten sich wegen der einen oder der anderen Regelung zum Kauf bewegen lassen, ist ungewiss. Wer 15.000, 30.000 oder 60.000 Euro auf den Tisch legt, wird seine Entscheidung nicht von ein paar Hundertern abhängig machen. Vielleicht spielen emotionale Gründe, also die Belohnung an sich, aber auch eine Rolle. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen eindeutig sind, und das werden sie hierzulande erst mit Einführung der CO2-basierten Steuer, also frühestens 2011 sein. Bis dahin muss der Kunde raten, ob ein Wert von 138 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer gut, mittelmäßig oder schlecht ist. Vorerst sind Tankstellenpreis, Hubraum und Euronorm die Parameter. Für den Diesel weht der Wind plötzlich wieder ein bisschen von hinten.

Verzerrung zu Gunsten der Säufer

Wie schräg der deutsche Ansatz ist, zeigt der direkte Vergleich. Ein smart fortwo mit Start-Stopp-Automatik und einen Normverbrauch von 4,3 Litern sowie einem CO2-Ausstoß von 103 Gramm pro Kilometer wird vom deutschen Staat mit 67,50 bezuschusst. Das entspricht einem Jahr Steuerbefreiung, denn der smart schafft erst Euro 4 und nicht die ab 1. September 2009 vorgeschriebene Euro 5-Norm. Für die hätte er sich zwei Jahressteuern gespart. In Frankreich gibt es für den fortwo 1.000 Euro, weil er weniger als 105 g CO2/km emittiert. Genau so viel wie für einen Toyota Prius (104 g CO2/km), der in Deutschland nur mit einem Zehntel dieser Summe, nämlich mit 101 Euro, gefördert wird.

Geld gibt es in Frankreich für Autos mit weniger als 130 g CO2/km, und zwar 200 Euro. Für weniger als 120 g CO2/km bekommt ein Käufer 700 und für weniger als 105 g CO2/km sogar 1.000 Euro. Den Höchstsatz von 5.000 Euro gibt es für weniger als 60 g CO2/km, was zurzeit keiner schafft und mindestens einen Hybridantrieb nötig macht. In einem Mittelfeld von 130 bis 160 g CO2/km wird weder bestraft noch belohnt. Ab 161 g CO2/km gibt es den ebenfalls gestaffelten Malus, zuerst von 200 Euro. Ab 166 g CO2/km werden 750 Euro fällig, ab einem Wert von 201 steigt der Satz auf 1.600 Euro und in der Spitze bei über 250 g CO2/km auf 2.600 Euro. Diese Höchststrafe trifft etwa ein Prozent aller Neuzulassungen. Und damit die Entwicklungsabteilungen nicht einschlafen, werden die Daumenschrauben jährlich angezogen.

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