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Chicago: Die Website für den leeren Tank

Fahren bis zum Geht-Nicht-mehr? Auch dafür gibt’s eine Website im Zeitalter des www2. stern.de Autor Helmut Werb klickte sich ein. Er hatte eh nichts anderes vor. Sein Tank war leer.

Von Helmut Werb

Eine Website für alle Risikofreudigen, die ihren Tank bis zum letzten Tropfen leerfahren wollen? Die auch noch den allerletzten Meter aus dem Tropfen teuersten Benzins rausquetschen wollen - oder müssen? In Zeiten, in denen Spritpreise Höhen erreichen, die bis dato nur teuersten Schaumweinen vorbehalten waren, vielleicht nachvollziehbar, aber sowas kann trotzdem nur jemandem einfallen, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, sollte man meinen. Doch Vorsicht: "Wir hatten schon über drei Millionen Hits auf unserem Server", strahlt Justin Davis, ein 24jähriger Web-Developer in Ann Arbor, einem kleinen Nest in der Nähe von Chicago, der die Webseite "Tank on Empty" vor einem Jahr ins Leben gerufen hatte.

Die Idee ist recht einfach - und unglücklicherweise kann wohl jeder leidgeprüfte Automobilist seinen Online-Senf dazu geben: wenn das kleine grüne, gelbe oder orange-farbene Warnlicht aufleuchtet, das uns fiskalisch arg gebeutetelte Autofahrer zur nächstliegenden Schlachtbank, oops, Entschuldigung, Tankstelle locken soll, ziehen wir uns alle warm an und fahren, bis die Karre final stehen bleibt. Dann notieren wir den Kilometerstand und klicken uns ein und geben die entsprechende Entfernung bis zum Aus ein. Dabei kommen dann nicht nur interessante, wenn auch nur bedingt brauchbare Informationen rüber, sondern man amüsiert sich gerne über denkwürdige Anekdoten von gestrandeten Müttern, Technologie-Naivlingen und anderen simplen Idioten, die entweder mit den Grundbegriffen des Verbrennungsmotors nichts anfangen können, die Idee eines blinkenden Warnlichts nicht verstehen - oder denjenigen, die es ganz einfach mal wissen wollten.

Erfahrungen vergleichen

"Wir wollten es ganz einfach mal wissen", erklärt Davis auf die Frage nach dem, sorry, leicht hirnverbrannten Konzept hinter www.tankonempty.com. "Wir waren auf einem Roadtrip von Michigan nach New York, als das Warnlicht aufleuchtete. Wir fragten uns alle (waren wir nicht alle schon mal in dieser Situation?, Anm. des Autors), wie lange wir den noch hätten, ohne uns auf den Strassendienst verlassen zu müssen. Also entschlossen wir uns, ein Internetforum ins Leben zu rufen, wo wir Erfahrungen vergleichen können."

In der Zwischenzeit stehen auf der Website recht umfangreiche Daten über die Restmöglichkeiten der meisten gängigen Automodelle, und wer will kann die Information zum Energie-politischen VaBanque-Spiel nutzen. Treibstoffkonsumenten mit ausgeprägterem Sinn für Transportsicherheit ergötzen sich lieber an den Erlebnisberichten der oben schon angeführten Verbraucher-Typen.

Nervige Ehefrauen und knausrige Studiosus

Da ist die Anekdote des geplagten Ehemanns, dessen Frau ihn regelmässig mit der Bitte anruft, sie zu retten, weil sie mal wieder ohne Benzin stehen geblieben sei. "Egal, ob ich gerade mitten in der Arbeit bin oder nicht", klagt der gute Mann und fügt gleichzeitig liebevoll hinzu, "aber sie ist trotzdem eine tolle Frau und eine gute Mutter." Na dann. Oder die Geschichte jenes Briten, der steif und fest behauptet, seinem Uralt-Austin könne das Benzin einfach nicht ausgehen. Bis er von einem Mechaniker eines besseren belehrt wird.

Der studentische Lenker eines Vintage Ford Mustang lieferte das Gefährt immer mit leerem Tank an seinen Vater ab, bis der selber einmal liegenblieb. Was dem Geldsparen ein herbes Ende bereitet haben dürfte. Ein anderes Mal schaffte es der knausrige Studiosus nur noch rollend bis zur nächsten Tankstelle. Und natürlich ist das Überlassen eines leergefahrenen Untersatzes nicht allein die Domaine des männlichen Nachwuchses. Eine Tochter berichtet mit grossem Humor (von ihrer Seite jedenfalls), dass sie ihren BMW des öfteren garantiert Benzin-frei auf den Parkplatz ihrer Mutter stellte, damit diese blöd aus der Wäsche guckt, wenn sie nur mit Gasdämpfen im Tank stehenbleibt, und nicht das brave Kind.

Nutzbarkeit im Alltagsleben fraglich

Ob die "hard facts" Information (so Justin Davis), wie lange ein Auto ohne Futter kann, viel taugt im Alltagsleben, bleibt dahin gestellt, zumal die Endverbrauchswerte stark von Beladung, individueller Fahrweise und Verkehrsbedingungen abhängig sind. Aber die Lektüre von Justin Davis' Website kann zumindestens helfen, die Zeit amüsant zu verbringen, wenn der eigene Wagen mal wieder unbetankt vor der Türe stehen muss, weil man es versäumt hat, um mit dem Geld für die Miete und die Lebensmittel dreieinhalb Liter Benzin zu kaufen.

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Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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