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Holzkirchen Nord: Willkommen auf Deutschlands miesester Autobahntankstelle

Toiletten verschmutzt, Wucherpreise im Shop: Die Autobahntankstelle Holzkirchen Nord bei München ist laut ADAC die schlechteste Deutschlands. stern.de hat die Anlage unter die Lupe genommen.

Von Malte Arnsperger

Die angeblich dreckigste Autobahntoilette Deutschlands empfängt ihre Besucher mit fröhlichem Vogelgezwitscher aus Lautsprecherboxen. Unterbrochen wird das Piepsen hin und wieder von einer Stimme, die fast unhörbar leise etwas von "Willkommen" und "Wohlfühlen" säuselt. Eine ältere Frau steht vor dem Drehkreuz, kramt in ihrer Hose und befördert ein 50-Cent-Stück heraus. Reicht nicht, Notdurft verrichten kostet hier 70 Cent. Die Klofrau eilt zu Hilfe und lässt sie augenzwinkernd passieren. Kundenfreundlichkeit ist an der Raststelle Holzkirchen Nord in diesen Tagen ganz besonders wichtig. Die Anlage an der A 8 südlich von München ist laut aktuellem ADAC-Test die mieseste Autobahntankstelle Deutschlands. Vor allem hohe Preise und verschmutzte Toiletten haben die ADAC-Prüfer gerügt.

Ostermontag 10.30 Uhr. Klofrau Galina Woit stützt sich auf ihren blauen Wischmob und beobachtet den steten Strom von Menschen, der sich durch die Drehkreuze zu den Toiletten zwängt. Ja, natürlich hat sie von dem vernichtenden Urteil des ADAC gehört. Ihre Kollegin, mit der sie sich wochenweise beim Putzen abwechselt, hat ihr es erzählt. "Ich habe keine Ahnung, warum es nicht sauber war bei dem Test", sagt die gebürtige Russin, die seit knapp einem Jahr in Holzkirchen arbeitet. "Vielleicht war an dem Tag sehr viel los, als die Leute vom ADAC da waren." Die kleine Frau zuckt die Schultern und fügt hinzu: "So wie heute wahrscheinlich auch."

WC mit Schweißgeruch

Rund 50 Meter von Woits Arbeitsplatz entfernt brausen die Autos über die dreispurige Autobahn 8 Salzburg - München. Der befürchtete Stau ist aber noch ausgeblieben. Zum Glück für Maria Thomas (alle Namen von Kunden geändert) und ihre Tochter Lena, die gerade die Toilette verlassen. Sie legen auf ihrem Weg aus den Osterferien im österreichischen Mayerhofen zurück nach Thüringen einen kurzen Pinkel-Zwischenstopp ein. "Ich habe mich drinnen nicht umgeschaut", sagt Maria Thomas. "Aber es stinkt." Ihre Tochter nickt: "Ja, es riecht nach Schweiß. Ich bin da echt pingelig." Den beiden ist Sauberkeit auf der Tankstellentoilette sehr wichtig. "Nur deshalb fährt man doch hier raus und geht nicht auf ein Dixiklo", sagt Maria Thomas.

Einige Minuten später strebt eine junge Frau den Toiletten entgegen. Sie bleibt nur wenige Sekunden, dann kommt sie kopfschüttelnd wieder raus. "70 Cent kostet das. So viel zahle ich nicht", sagt sie und fährt davon. Die kostenpflichtigen WCs waren auch den ADAC-Prüfern ein Dorn im Auge.

Wenige Meter neben dem Toiletteneingang – auch hierfür gab es Minuspunkte vom ADAC wegen der spärlichen Nachtbeleuchtung – öffnen sich die gläsernen Schiebetüren zum Tankstellenshop. Zu hohe Preise, dazu keine Warnweste, keine Taschentücher, keine Windeln, lautet das Urteil der Tester. Aus der Zentrale des Tankstellenbetreibers, der Bonner Tank und Rast GmbH, heißt es: "Die Kritik des ADAC nehmen wir sehr ernst und werden die Ergebnisse im Detail gemeinsam mit unseren Pächtern bewerten. Wenn es Mängel gibt, die in unserem Einflussbereich liegen, werden wir an Verbesserungen arbeiten."

Der stellvertretende Tankstellenleiter Bruno Tepper darf den Test nicht kommentieren. Aber bereitwillig zeigt er in den Regalen die Warnwesten (7,95 Euro) und die Taschentücher (1,80 Euro). Dann kriecht Tepper hinter die Kasse und hält eine offene Windelpackung in die Höhe. "Windeln verkaufen wir nicht. Denn wir haben ja keinen Wickelraum. Aber wer trotzdem eine braucht, bekommt sie umsonst von uns."

Teures Shopping-Vergnügen

Umsonst gibt es sonst aber außer warmer Worte nichts. Der kleine Kaffee aus dem Automaten einer bekannten Marke kostet 2,20 Euro, der große 3,20. Für eine Packung Chips werden 3,40 Euro fällig, für Schokolade 2,25 Euro, ein Liter Öl kostet bis zu 26,99 Euro. Familie Ruppert aus der Nähe von Frankfurt verlässt den Shop. Die beiden Kinder Manuel und Eva lecken genüsslich an ihrem Eis, während Vater Thomas und Mutter Sabine ihren Kaffee schlürfen. 14 Euro habe er für das Eis, den Kaffee, drei Croissants und ein Kuchenstück ausgegeben, sagt Thomas Ruppert. "Das ist schon ok. Ich kann das einigermaßen vergleichen, und die Preise sind überall in Deutschland etwa gleich." Seine Frau Sabine ist nicht so zufrieden. Die Toiletten seien zwar "pikobello" sauber gewesen. Aber: "Man kann da drinnen am Automaten einen Vibrator kaufen, aber nicht das, was Frauen in bestimmten Wochen wirklich brauchen. Und hier im Tankshop ist es mir zu teuer. Das stört mich schon."

Mittlerweile haben Tankstellenchef Bruno Tepper und sein Team ein ganz anderes Problem. Das computergestützte Zapfsäulensystem ist ausgefallen. Immer wieder müssen die Mitarbeiter bei den Autofahrern, die gerade den Tankschlauch in ihr Auto geschoben haben, um Verständnis werben. Die meisten fahren sofort weiter, viele mit Frust: "Kein Wunder, das ist ja die schlechteste Tankstelle", murrt ein Mann aus Berlin. Die Tankstellenmitarbeiter empfangen ständig neu einfahrende Autos und schicken sie weiter. Einer sagt: "Seit über drei Jahren arbeite ich hier, noch nie ist so etwas passiert. Und ausgerechnet an einem Tag wie heute passiert es. Unglaublich."

Rabenschwarzer Tag

Den drei Herren, die rauchend vor dem Tankstellshop stehen, können diese Probleme egal sein. Siegfried, 54, Romi, 42, und Sanjin, 42, sind Lastwagenfahrer für eine italienische Firma. Auf ihrem Weg nach Finnland sind sie in Holzkirchen hängengeblieben, wegen des Lkw-Fahrverbost müssen sie sich seit Karfreitag auf der Raststelle die Zeit vertreiben. Romi, ein wuchtiger Kroate mit kurzen Haaren, ist sauer: "Die Toiletten und die Duschen sind zwar sauber. Aber sie sind viel zu teuer. Ich habe alleine dafür schon zehn Euro ausgegeben." Und sein deutscher Kollege Siegfried schimpft: "Die Preise fürs Essen sind auf allen deutschen Raststätten viel zu hoch. Das ist nicht nur hier so." Einen Nachmittag müssen die Brummifahrer noch rumbringen. Siegfried grinst: "Wir laufen seit drei Tagen hin und her, ruhen uns aus und schauen den Frauen hinterher." Das wäre an jeder Raststätte das gleiche.

Ähnlich fällt auch das Fazit des Besuchs in Holzkirchen Nord aus: Ein leuchtendes Vorbild für Sauberkeit, Service und Preise ist die Tankstelle nicht, aber die ADAC-Prüfer scheinen bei ihren Tests Galina Woit, Bruno Tepper und die anderen Mitarbeiter ausgerechnet an einem rabenschwarzen Tag erwischt zu haben.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.