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IAA Nutzfahrzeuge: Klima schützen, Bus benützen

Hohe Spritpreise bescheren ausgerechnet den Busherstellern einen Boom. Klimaverträglicher als im Reisebus kann man kaum ans Ziel kommen. In der Praxis unterbietet der Reisebus selbst die Bahn beim CO2-Ausstoß und beim Energieverbrauch um satte 50 Prozent.

Von Felix Bauer

Die ständig steigenden Spritpreise und die anhaltende Umweltdiskussion sorgen nach Ansicht von Experten schon bald für einen Boom bei Reisebussen und Busreisen. Diese Aussage mag zwar auf den ersten Blick widersprüchlich klingen. Vor dem Hintergrund der im Vergleich zu anderen Fahrzeugen besseren CO2-Bilanz des oft als Billig-Transportmittel verschrienen Busses gewinnt sie immer mehr an Gewicht. Ein Reisebus braucht mit seinen 30 bis 58 Passagieren rund 30 Liter Diesel auf 100 Kilometer, kommt also bei voller Besetzung mit relativ wenig CO2 pro Passagier aus.

Laut Ulrich Höpfner, Leiter des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu), ist der "Bus im Energieverbrauch etwas günstiger als die Bahn" und beide liegen mit großem Abstand vor Auto und Flugzeug. Während Bahn und Bus pro Sitzplatz und Kilometer rund 20 Gramm CO2 ausstoßen, kommt das Auto auf 50 Gramm, das Inlandsflugzeug auf etwa 100 Gramm. In der Praxis, so Höpfner, seien Reisebusse im Gegensatz zur Bahn aber sehr gut besetzt und stünden "im Schnitt beim CO2-Ausstoß und beim Energieverbrauch 50 Prozent besser da" als das Zugfahren.

Die Luxuswelle rollt

Kein Wunder, dass sich die großen Hersteller angesichts immer teurer werdenden Dieselpreise und strengerer Umweltnormen für die Zukunft eine entsprechende Nachfrage nach Bussen errechnet haben. So will sich der zum Münchner MAN-Konzern gehörende Bushersteller Neoplan laut MAN-Chef Anton Weinmann künftig vor allem auf die "Reisebuskompetenz konzentrieren". Gegenüber anderen Transportmitteln sieht Weinmann große Vorteile beim Bus und dort vor allem bei neuen, mit saubereren Motoren und hohem Komfort ausgestatteten Fahrzeugen. Das beginne bei den Einfahrtsverboten in bestimmte Städte für ältere und damit nicht so umweltfreundliche Fahrzeuge und setze sich fort über die immer luxuriösere Ausstattung. "Es wird eine immer stärkere Individualisierung im Reisebusbereich geben", ist Weinmann deshalb überzeugt. Um den Anspruch der noblen Klientel unter den Reiseunternehmern und dem "Trend zu Superluxusbussen" gerecht zu werden, haben die Busbauer von MAN deshalb den Start einer "Individual GmbH" ins Auge gefasst. Dort können sich Kunden dann Busse wie den Neoplan Starliner mit Holzfußboden, Zweier- und Vierersitzgruppen mit Tischen, einer Einbauküche und einer eigenen Garderobe ganz nach den persönlichen Wünschen ordern. Zuletzt ließ sich der FC Bayern München im Austausch gegen den alten Mercedes einen 480 PS starken Luxusbus mit Ledersitzen, 19 Zoll TFT-Bildschirmen und Bang und Olufsen-Anlage von MAN auf den Hof stellen. Die Bordküche ist mit Espresso und Eiswürfelmaschine ausgerüstet. "Es gibt keinen PKW, der so wunderschön ausgestattet werden kann, wie ein Bus", erklärt Weinmann.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Bus füllt die Lücken der Billigflieger

Auch Michael Göpfarth, Geschäftsführer bei Mercedes-Benz Omnibusse, sieht eine große Nachfrage nach den Produkten seines Unternehmens kommen. Es seien vor allen zwei Gründe, die ihn auf wachsende Umsätze hoffen ließen, erklärt er. So gebe es "den Trend, dass Busreisen deutlich attraktiver werden" und auch Fern- und Geschäftsreisen zwischen Städten die von den Billigfluglinien aufgrund der schwachen Auslastung nicht mehr bedient würden, nähmen zu. Die Kunden investierten in Komfort und Zuverlässigkeit. "Wir sehen das bereits am Auftragseingang, wenn auch noch nicht am Absatz, erläutert Göpfarth.

Einen wahren Nachfrageschub erwartet er wenn die Beschränkungen für Reiseunternehmen aufgehoben werden, denn der Trend zu luxuriösen Busreisen nehme deutlich zu. Nehme man eine Tour nach dem Motto "Im Fünf-Sterne-Plus Luxusbus fünf Tage durchs Piemont fahren und in Fünf-Sterne-Hotels übernachten", könne der Bus seine Vorteile wie den "Tür-zu-Tür-Transport" gegenüber anderen Verkehrsmitteln voll ausspielen. "So etwas ist nicht nur bei älteren Leuten interessant", sagt Göpfarth. "Das sind für die Veranstalter hochprofitable Angebote und sie kommen auch bei jüngeren Teilnehmern immer besser an." Werde der Bus dann noch mit einem exklusivem Catering, viel Platz zwischen den Sitzreihen und einem organisierten Gepäcktransport angeboten, könne kein anderes Verkehrsmittel mithalten.

Aber auch im Fernreiseverkehr sieht Göpfarth Zuwachsraten. "Für Billigflieger werden Strecken wie Hannover-Krakau immer weniger attraktiv", erklärt er. "Auf der Strecke Karlsruhe- Bukarest beispielsweise gibt es jetzt wieder Bus-Angebote", berichtet er. Zwar habe der Bus hier in der Flexibilität des Individual-Reisenden noch einen Nachteil gegenüber dem Pkw, mache das "aber über den Preis, den Komfort und die Tatsache, dass man erholt ankommt, weil man nicht selbst fahren muss" wieder wett.

Die reinen Billiganbieter, die dem Reisebus über Jahre hinweg sein schlechtes Image verschafft haben, sieht Göpfarth hingegen eher bedroht. "Die Preise werden sich bei steigenden Kraftstoffpreisen nicht halten lassen und zunehmend treten Fahrverbotszonen für Fahrzeug mit hohen Emissionen hinzu."

Effizenzpotenziale nutzen

Auch deshalb arbeiten die Bushersteller an neuen Antrieben, die die Wirtschaftlichkeit der Reisebusse auf lange Sicht sichern sollen. Zwar ist laut Göpfarth "der Diesel sicher auf 15 oder mehr Jahre hinaus das effizienteste Antriebsaggregat". Doch sei man daran, das System noch effizienter zu gestalten. Einsparungen von fünf Prozent erreiche Mercedes schon jetzt mit einem speziellen Busgetriebe "und auch über die Aerodynamik lässt sich viel erreichen". MAN-Chef Weinmann stößt ins gleiche Horn. Auf der IAA Nutzfahrzeuge verglich er die Form der künftigen Superluxusbusse der Münchner mit dem Rücken eines Delfins – einem der stromlinienförmigsten Körper in der Wasserwelt.

Zwar kommt bei dem steigenden Wunsch nach Luxus bedingt durch den höheren Elektronikanteil und die dabei verwendete Kabellage auch immer mehr Gewicht ins Fahrzeug. Doch lasse sich das durch neue Antriebstechniken und sparsamere Motoren schon bald überkompensieren. Während die Hybrid-Technik in Bussen laut Göpfarth eher für den Start- und Stopp-Verkehr in einer Großstadt in Frage komme, könne er sich eine Energierückgewinnung beim Bremsen im Reisebus durchaus vorstellen. Und auch eine Brennstoffzelle, die zuerst im Stadtbus kommt, könne bei entsprechender Infrastruktur auch in Reisebussen eingesetzt werden.

Das größte Potenzial sehen MAN und Daimler derzeit noch im Dieselmotor. Eine Einsparung von zehn bis 30 Prozent sei hier noch möglich, beispielsweise durch einen Nebenaggregatantrieb. "Die Zielsetzung muss sein, dass der Abstand, den der Bus als umweltfreundliches Transportmittel zu den anderen Teilnehmern hat, nicht geringer wird", sagt Göpfarth.

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