Innsbruck Augen auf und zu


Wenige Tage in Tirol reichen, um zu verstehen, dass es hier ganz besonders viele Gegensätze gibt. Die einen kommen nur im Winter - andere haben sich in den Innsbrucker Sommer verliebt. Sonne, Olympiaabfahrt, Einkaufsmeile und Schlemmerparadies - nur ein paar Kilometer von der italienischen Grenze entfernt.

Der Hüttenwirt nimmt es gelassen: "Es kann vorkommen, dass es sogar im Sommer schneit. Ist auch nicht so schlecht fürs Geschäft, denn bei der Kälte essen die Leute mehr. Und ändern kann man's eh nicht." Werner Krajnc hat die Kemater Alm gepachtet. Diese liegt auf 1673 Metern am Fuße der Kalkkögel im Senderstal, in der Nähe von Axams und Grinzens. Im Winter ist die geräumige Hütte Einkehr- und Übernachtungsziel von Rodlern und Skitouren-Gehern, im Sommer kommen Wanderer. Seit zehn Jahren macht der beredte und schlagfertige Chef des Hauses das mittlerweile; schlecht scheint es ihm damit nicht zu gehen. Die niedrige, robust ausgestattete Schankstube ist am Abend gut gefüllt. Nicht nur mit Touristen, sondern auch mit Einheimischen aus dem Tal. Auch die wissen offensichtlich seine Kas-, Speck- und Spinatknödel und den Kaiserschmarrn zu schätzen. Inzwischen ist der Schnee in Regen übergegangen. Der schlägt in Schauern gegen das kleine Fenster der mit einer modernen Zentralheizung bestückten Schlafstube im oberen Stockwerk, unablässig und monoton. So wird die einschläfernde Wirkung des einen oder anderen Obstlers noch verstärkt. Schließlich bleibt sogar das nächtliche Berggewitter weitgehend unbemerkt.

Der Nicolas Cage von Tirol

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Von der Almhütte ins Design-Hotel "The Penz", mitten in Innsbruck. Von Dominique Perrault entworfen, in die Rathausgalerien integriert, groß und dennoch luftig-transparent geformt mit dem vielen Glas und dunklen Holz, steht es seit nunmehr zwei Jahren da. Kühn, kühl, keineswegs klotzig. Dem Vernehmen nach gut frequentiert. Jung-Chef und Mitinhaber August Penz sieht ein bisschen aus wie Nicolas Cage, aber er redet tirolerisch. In der grandios bestückten Bar in der obersten Etage erzählt er von der Geschichte der Nobel-Herberge. Ganz besonders stolz ist er auf die umfängliche Sammlung ausgefallener Malz-Whiskys. Diese werden - oh Freude! - in eigens für dieses Getränk konzipierten, mundgeblasenen Gläsern kredenzt. In obligatorischer Begleitung eines weiteren Glases mit frischem Leitungswasser. Perfekt.

Lichtlose Erlebnisse

Am nächsten Tag wird man zur Abwechslung nicht von der grandiosen Bergwelt rund um den Innsbrucker Stadtkern gefordert. Man bleibt im Tal und erlebt die hiesige Welt einmal ganz anders. Im „Sinne“ ist absolut nichts zu sehen. Das ist der Vorstellungsraum eines ehemaligen Kinos mitten in der City. In dessen "lichtloser Erlebnisinstallation" werden wir auf eine Wanderung in vollkommener Schwärze geschickt. Die Eindrücke haben ihren Namen verdient. Der Weg ist schwer wie ein Aufstieg an der Axamer Lizum, trotz eines Führers. Es geht unter anderem über Wiesen, durch den Wald, über eine Brücke, in ein Boot. Alles im Kinoraum. Und am Schluss sogar in eine Kneipe. Mit Getränk. Leider nichts Flambiertes - es bleibt schwarz. Bis zum Ausgang. Der Guide hat mit alldem weniger Probleme: Er ist von Geburt an blind. Mein Gott, denkt sich der Besucher, wie gut, dass ich das nur für eine Stunde lang war. Fühlt so etwas wie neue Lebensfreude in sich. Und tiefe Dankbarkeit. So lernt man Innsbruck einmal ganz anders kennen.

(press-inform)


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