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LA Auto Show 2008: Ready to shop!

Wer auf der Los Angeles Auto Show ein zurückhaltendes Verhalten der Konsumenten erwartet hatte, wird enttäuscht. Während die Automobilhersteller von Endzeit reden, denken "car crazy" Amerikaner nur an eins - ein neues Auto!

Von Helmut Werb

Amerikaner sind ein optimistisches Volk. Drei Millionen unverkaufte Automobile stehen auf amerikanischen Halden bei den Händlern. Millionen von Jobs stehen auf dem Spiel. Die Hafenmanager von New Jersey und Los Angeles suchen fast verzweifelt nach Stauraum in der Wüste von Las Vegas für Tausende von Autos, die Händler in Los Angeles und New York in besseren Zeiten bestellt hatten und nun nicht abnehmen wollen - oder können. Doch das Publikum auf der Los Angeles Auto Show mag nicht mehr warten auf die besseren Zeiten. Sondern sie wollen ihre Autos jetzt kaufen.

"Ich schaue mich nach einem SUV um für meine Frau", sagt Thomas Carter, ein Postler aus Pasadena, und steuerte Minuten nach der Öffnung der Tore auf den Ford-Stand, um sich in einen glitzernden Edge zu setzen. Am liebsten würde er ja einen Porsche Cayenne kaufen, lächelt Herr Carter und ist nur sparsam in der Ironie, der jedoch würde sein Budget deutlich sprengen. "Immerhin sind wir mitten in der Krise." Welche Krise?

Frohsinn bis zum Untergang

"Pathological optimistic" seien ihre Landsleute, kommentierte Jackie Jouret, eine amerikanische Auto-Journalistin und eine anerkannte Analystin des US-Automarktes, am heftig frequentierten Stand von BMW den "unheilbaren Optimismus" der hiesigen Konsumenten, die allem Krisengerede zum Trotz Lust zum fahrbaren Untersatz zeigen.

Während in den Vorstandsetagen der US-Autokonzerne um die eigene Zahlungsfähigkeit gezittert wird, macht sich das zahlende Publikum im sonnigen Kalifornien offensichtlich weniger Sorgen und freut sich vielmehr auf die nächste Modell-Generationen, die auf der wichtigsten Auto-Show des amerikanischen Kontinents eher vorsichtig vorgestellt werden. Überraschend großer Andrang herrscht zum Beispiel auf dem Cadillac-Stand, wo Mick Barnhill und sein Freund Carl Cox die neuen Luxusmodelle des gebeutelten General Motors Konzerns wohlwollend betrachten. Er fände den "Bailout" (die in der Luft hängende Nothilfe der US-Regierung für die Autohersteller) für den falschen Schritt. "Da soll der Steuerzahler für die Gewerkschaftsforderungen den Kopf hinhalten", schimpft Barnhill, selber im Ruhestand und Toyota Camry fahrend, und - ja, klar! - er könne sich sehr wohl vorstellen, demnächst einen der Caddies anzuschaffen. "Gerade jetzt kann man beim Autokauf ein gutes Schnäppchen machen", nickt er auf die Frage nach dem vielbeschworenen Doppelschlag von Finanz- und Autokrise. Und nein, er mache sich keine Sorgen, einen Kredit zu bekommen. Das ginge schon alles.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Frank Moreno, Lastwagenfahrer aus dem recht düsteren Industrie-Vorort Fontana, und seine Frau Patricia, würden gar einen Dodge Ram kaufen - mit einem 5,7 Liter großen Hemi-Motor -, denn er fände den gigantischen Laster für "…einen großartigen Wagen!", obwohl die Details des Trucks auf der etwas unterbelichteten Fläche der Dodge- und Chrsyler-Modelle nicht ganz so toll in Erscheinung treten. Die Krise des kranken US-Herstellers? "Das ist doch die Schuld der Chefs, die sich Millionen-schwere Boni zahlen und mit Privatjets durch die Gegend fliegen!" Die Autos hingegen, die seien gut und jemanden, der das riesige Ding reparieren würde, gäbe es Dodge nicht mehr, sei kein Problem für ihn. Worauf Frau Moreno voller Vorfreude nickt.

Stromantrieb gefragt

Etwas geläuterter gibt sich hingegen gibt sich Frederic Foerst, ein Flugzeug-Ingenieur aus Lompoc, einem Ort zwei Stunden nördlich von Los Angeles. Herr Foerst, unterwegs mit seinen zwei kleinen Kindern, sieht sich in zwei, drei Jahren in einem Elektro-Mobil. "Ich würde mir sogar sofort einen Chevrolet Volt kaufen", sagt er und sieht bewundernd auf das lange versprochene Wunderauto des GM-Konzerns. "Mein Arbeitgeber will mir sogar eine Ladestation auf den Werksparkplatz montieren." Auch einen der Batterie getriebenen Mini E’s könne er sich vorstellen. Die Pläne der kommenden Obama-Regierung, den US-Autobauern unter die Arme zu greifen, sieht er positiv, allerdings nur solange sie mit Auflagen verbunden sind. "So was muss an Bedingungen geknüpft werden wie bessere Verbrauchswerte, bessere Lohnbedingungen für die Arbeiter und an finanzielle Zurückhaltung bei der Besoldung der Chefetagen."

Gutes Autos auch ohne Detroit

Auch Michael Mazo aus Orange County hat seine Kaufgewohnheiten der neuen Lage angepasst. "Ich komme jedes Jahr auf die Autoshow", sagt er, während er einen Volkswagen Touareg eingehend inspiziert. "Den würde ich gerne mit einem der neuen Dieselmotoren kaufen." Und auch er, Mitarbeiter eines Automobilclubs ähnlich dem deutschen ADAC, sieht die Auto- und Kreditkrise eher gelassen. Er würde die kranke "Großen Drei" der US-Hersteller untergehen lassen. "Es wird immer gute Autos geben."

Wenn man nach dem ersten Tag der für die Zukunft des US-Automarktes so wichtigen Ausstellung schon ein erstes Fazit ziehen kann, dann kann der baldige Aufschwung wohl nicht früh genug kommen. Die optimistischen, von keiner Krise zu erschütternden amerikanischen Konsumenten wären durchaus schon zum Shoppen bereit.

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