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Mille Miglia 2010: Traumreise mit Oldtimer

Die ersten Tage im Mai bedeuten für den nördlichen Teil Italiens jedes Jahr den Ausnahmezustand. Wenn die Mille Miglia durch Städte, Land- und Ortschaften dröhnt, wird das gestern zum heute.

Das Spalier wird immer enger und enger - genau wie bei der Tour de France. Fotoapparate blitzen, immer wieder und immer wieder; zehntausende stehen vor der Engelsburg in Rom und applaudieren als sich die Oldtimer den Weg zur Rampe bahnen. Rom hat viele Sehenswürdigkeiten und noch mehr Feste. Doch wenn die Mille Miglia Anfang Mai Halbzeit bei der legendären Rundtour feiert, dann ist halb Rom auf den Beinen. Noch spektakulärer sind die Durchfahrten durchs nächtliche Cento, das turbulente Bologna oder die klassischen Stationen wie Buonconvento, Parma oder Viterbo. Die Zuschauer grölen und applaudieren, als wäre gerade der nächste Papst gekürt worden. Hunderttausende von Italienern und fast genauso viele Mille-Miglia-Touristen kommen jedes Jahr an die Route, wenn eine Schar von 375 Oldtimerfans sich daran macht, eine Strecke von eintausend Meilen zurückzulegen.

Die Mille Miglia des Jahres 2010 bot Höhen und Tiefen, am zweiten Renntag vier Jahreszeiten von 23 Grad im Schatten bis zu drei Meter hohen Schnee nur eine knappe Stunde nördlich von Rom. Liegen gebliebene Lagondas, brüllende Bugattis und ein grandios schönes BMW 328 Mille Miglia Coupé, das exakt 70 Jahre nach dem großen Mille-Triumph von Huschke von Hanstein an gleicher Stelle wieder siegreich war. Bei der kleinen Reise um die Welt siegte einmal mehr Giuliano Cané. Der Ruhe und Beständigkeit der Mille-Miglia-Legende war einmal mehr durch nichts beizukommen. Der zurückhaltende Italiener gewann bei seinem 14. Auftritt zum 10. Mal. BMW machte den Erfolg komplett und stellte mit Enzo Ciravolo in einem BMW 328 von 1937 gleich noch Platz drei.

Durchschnittsgeschwindigkeit stark gestiegen

Dabei ist der sportliche Wert der Rennveranstaltung nachrangig. Wurde die Strecke von mehr als 1.600 Kilometern früher in Rekordzeiten von unter neun Stunden zurückgelegt, so ist die Mille seit der Neuauflage im Jahre 1977 das bekannteste Oldtimerrennen der Welt; ausgetragen an zweieinhalb Tagen. Doch die Beanspruchung von Mensch und Maschine ist enorm. Grund: es wird scharf gefahren. Die Polizei drückt die Tage alle Augen zu und so wird ebenso über die sanften Hügel der Toskana gedonnert wie durch die Außenbezirke von Rom oder hinauf den Passo della Futa. Motorradpolizisten sorgen für freie Fahrt und machen sogar die Gegenspur frei - animieren einen zum Beschleunigen und helfen beim Schneiden unvorsichtiger Verkehrsteilnehmer. So eine Veranstaltung wie die Mille Miglia kann es eben nur in einem Land geben - in Italien.

Das Teilnehmerfeld ist bunt: Promis, Rennfahrer, Väter mit ihren Söhnen, Frauenteams und Entwicklungschefs von Autoherstellern. Nach den zweieinhalb Tagen ist jeder, der es geschafft hat überglücklich. Was stört einen da, dass einem nachts von Motorenlärm und Fahrtwind die Ohren dröhnen. Die Teilnehmer kommen aus Europa, Asien, den USA und sogar Australien - schließlich darf die Mille Miglia in kaum einem automobilen Männertraum fehlen. Eine Oldtimerrallye wie die Mille Miglia gibt es weltweit nur einmal. Die mehr als 1.600 Kilometer quer durch Norditalien sind ein Großereignis, das mehr als nur die Automobilfans begeistert. Der Titel der diesjährigen Veranstaltung „eine kleine Reise um die Welt“ könnte passender kaum gewählt sein. Denn nachdem die schönsten Oldtimer der Welt zwei Wochen zuvor beim legendären Concorso d’Eleganza an der Villa d’Este am Comer See zu bestaunen waren, ist Italien einmal mehr das Zentrum der historischen Automobilwelt.

Grandiose Strecke für die Oldies

Jedes Jahr sind bei der Mille Miglia sind die schönsten Rennwagen der Jahre 1927 bis 1957 im Renntempo zu bewundern. Das ehemals wohl schwerste Autorennen der Welt ist bei seiner seit 1977 ausgetragenen Neuauflage nicht mehr ganz so tollkühn, als Huschke von Hanstein, Stirling Moss oder Juan Manuel Fangio, die rund 1.600 Kilometer durch Italien im Renntempo zurücklegten. Schnell gefahren wird bei der Mille Miglia noch immer. Zwar geht es in erster Linie um Gleichmäßigkeit und Durchhaltevermögen, doch die grandiose Strecke von Brescia nach Rom und zurück ist nach wie vor eine Beanspruchung für Mensch und betagte Maschinen.

In jedem Ort - in jeder Stadt das gleiche Bild: hundertausende von Fans am Straßenrand der Route brüllen und jubeln, was das Zeug hält. Schließlich gilt es leistungsstarke Viel-Zylinder aus den Anfängen der Automobilära zu übertönen. Wer glaubt, dass sich die Italiener allein für Alfa-Romeo, Maserati und Ferrari begeistern können, die den originalen Rennen bis 1957 den Stempel aufdrückten, irrt. Neben den schon wegen des 100. Firmengeburtstages wild umjubelten Alfa-Modellen, ist die kleine Armee von BMW 328 ein Star-Ensemble im Feld. Doch die Italiener lieben gerade auch die eigenen Marken. Wo sonst bekommt man Vorkriegsmodelle wie Lancia Lambda, Bugatti Typ 43, Alfa Romeo 6C oder einen Fiat 514 zu sehen? Im Renntempo vor der malerischen Umgebung erst wieder im nächsten Jahr - auf der Mille Miglia.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.