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Mobilität im Alter: Lenken bis zum letzten Atemzug

In der Werbung kommen Autos immer noch gern sportiv, jugendlich und sexy daher. Im Hinterkopf haben die Marktstrategen aber längst eine ganz andere Zielgruppe: Kunden von 60 an aufwärts.

Von Walter Hasselbring

Wer vom "Safer Sex" zum "Silver Sex" übergegangen ist, erwartet auch beim Auto kleinere Hilfen. Die Zubehörlisten in den Autokatalogen sind daher voller - meist aufpreispflichtiger - Hilfsmittel, die zunächst chic und hip wirken. Erst beim zweiten Blick fällt auf, dass sie vor allem für ältere Automobilisten entwickelt wurden: Einparkhilfen, weil das Kopfdrehen schwer fällt, oder Spurhalter, weil die Konzentrationsfähigkeit abnimmt.

Und die Statistik spricht dafür, dass die Strategie der Marketingabteilungen richtig liegt. In den meisten Industrieländern wird ab 2030 jeder vierte Einwohner älter als 65 Jahre alt sein. Bis 2050 wird der Anteil der über 80jährigen an der Bevölkerung von heute vier auf gut 12 Prozent ansteigen. In Deutschland soll der Anteil der 80jährigen dann sogar bei 18 Prozent liegen. Dass breite Altersspektrum zeigt, dass "Alt nicht gleich Alt" ist. Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe, denn was der 60jährige noch mühelos und gut kann, ist für den 80jährigen ein großes Problem. Sicher ist nur, dass diese Gruppe wächst und auch, dass sie über immer mehr Kaufkraft verfügt.

Nicht vom Steuer weichen

Sicher ist ebenso, dass die Alten fahren wollen, fahren werden und auch fahren sollen! Momentan werden nämlich die ersten Generationen alt, die mit 18 ihren Führerschein gemacht haben und die ihr Leben lang Auto gefahren sind. Für sie ist das Automobil noch so bedeutsam, wie am ersten Tag nach der Fahrprüfung- vor allem gilt das für das eigene Fahrzeug. Bei früheren Rentnergenerationen war das eigene Auto noch nicht selbstverständlich. "Bei den älteren Männern ist diese Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten", sagt Professor Bernhard Schlag von der Technischen Universität in Dresden," unter den älteren Frauen wird die PKW-Verfügbarkeit in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich steigen, denn sie haben mit dem Fahren erst viel später angefangen als die Männer!"

Spezielles Zubehör

Die Industrie hört auf die Signale. Ältere Menschen haben spezielle Anforderungen an ein Auto. Wie die Bedürfnisse dieser stetig wachsenden Kundengruppe aussehen, untersucht unter anderem der Hersteller Ford. Von den neuen Erkenntnissen in dessen Aachener Forschungszentrum könnten in Zukunft aber auch junge Fahrer profitieren. Denn wenn Senioren mit einem Fahrzeug problemlos klar kommen, gelingt es Jüngeren umso besser.

Die Ergebnisse der seit Jahren laufenden Untersuchungen werden teilweise schon in aktuellen Modellen der Marke eingesetzt. Für den Van Ford S-Max etwa ist das Bediensystem "Convers+" gegen 450 Euro Aufpreis erhältlich, das sich gleich auf mehreren Wegen steuern lässt. Es erkennt Sprachbefehle, kann aber auch über das Multifunktionslenkrad, klassische Drehknöpfe an der Mittelkonsole oder mit Hilfe eines berührungsempfindlichen Bildschirms bedient werden. So soll jeder Fahrer die Steuerungslogik wählen können, mit der er am besten zurecht kommt. Zudem wurden Schriftgröße, Farben und Kontraste der Bildschirmdarstellung in Hinblick auf gute Erkennbarkeit optimiert.

Bitte nicht so anstrengend

Bei der Ergonomie wurden Erfahrungen gesammelt. So darf der Kniewinkel eines Passagiers beim Aussteigen nicht unter 90 Grad fallen, da sonst der nötige Kraftaufwand für das Hochwuchten des Körpers enorm zunimmt. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Bedienkräfte; so lässt sich eine von einem jungen Fahrer stark angezogene Handbremse von Älteren unter Umständen nicht mehr lösen. Abhilfe schaffen kann hier die bei vielen Herstellern angebotene elektrische Parkbremse, die sich auf Knopfdruck löst.

Rentner-Baureihen

Eigentlich müsste für die meisten Senioren ein Kleinwagen ausreichen (keine Kinder, wenig Jahresleistung), aber bei den wohlhabenden Senioren stehen bei der Kaufentscheidung Bequemlichkeit und Sicherheit vorne an. Seit langem ist bekannt, dass sich der Siegeszug von Bauformen wie Mini-Van und SUV nicht zuletzt der bequemen Sitzposition für Senioren verdankt. Anstatt sich mühsam aus dem Sportsitz zu hieven, kann man sich elegant vom Sessel gleiten lassen.

Nur noch Rentner am Steuer. Was für viele Jüngere möglicherweise eine Horrorvorstellung ist, könnte gesamtgesellschaftlich zum Segen werden. Denn, dass Pensionäre ihre während des Arbeitslebens aufgeschobenen Träume vom Reisen und Entdecken ausleben, "hat durchweg positive Auswirkungen auf den Verlauf des Alterungsprozesses. Und dass Aktivitäten die Zufriedenheit fördern, steht außer Frage", ist sich der Verkehrspsychologe Professor Schlag sicher.

Das Verkehrschaos verursachen die Jungen

Obwohl beispielsweise in München jedes zweite Unfallopfer über 65 ist und die meisten selber den Unfall verursacht haben, sind die älteren Herrschaften in der deutschen Verkehrsunfall- Gesamtbilanz beileibe nicht die auffälligste Gruppe. Das ist nach wie vor die der 18 bis 20 jährigen bei der pro 100.000 Einwohner 18,4 Personen tödlich verunglücken. Bei den Senioren sind es 7,3. Doch schon seit Jahren verläuft die Entwicklung für die Senioren ungünstiger als für andere Altersgruppen. "Viele Mankos im sensorischen oder kognitiven Bereich gleichen Ältere durch ihre Erfahrung oder durch vorsichtigeres Fahren aus", meint Professor Schlag und fügt hinzu:" Im Alter hilft auch das so genanntes "experience paradox". Mehr Übung führt bezogen auf die Fahrleistung zu einem geringeren Risiko!"

Verkehrswissenschaftler fordern unter anderem eine Anpassung der Verkehrswege, der Verkehrsregelungen und der Geschwindigkeiten an die Belange der Senioren. Über kurz oder lang wird man aber auch - nach Meinung der Experten - an regelmäßigen Eignungsprüfungen denken müssen. Die kommen dann aber im Rahmen der Gleichbehandlung auf alle Autofahrer zu nicht nur auf die Senioren.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.