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Neues VW-Werk in USA: Töff-Töff statt Choo Choo

Den Chattanooga Choo Choo kennt durch Glenn Millers Hit aus den 40ern fast jeder. Ansonsten hat die Stadt im Süden des US-Bundesstaates Tennessee wenig zu bieten. Ab 2011 produziert Volkswagen hier Autos. Die Rückkehr in eine alt bekannte neue Automobilwelt.

Am 15. Juli 2008 begann für Chattanooga ein neues Zeitalter. Keine Cover-Version des alten Glenn-Miller-Hits, der die Stadt wieder landesweit in die Schlagzeilen gespült hätte, und auch einer bekanntesten Söhne der Stadt, R&B-Sänger Usher, war nicht publikumswirksam in die Stadt am Ufer des Flusses Tennessee zurückgekehrt. Trotzdem war der Tag für Bürgermeister Ron Littlefield und die anderen rund 170.000 Einwohner der Stadt ein großer. Immer wieder war der automobile Choo Choo in den vergangenen Jahren an Chattanooga vorbeigerauscht ohne am Bahnhof zu halten. Mercedes und Toyota hatten mehrfach Interesse an einer Ansiedlung einer neuen Fabrik in der Region bekundet - und sich dann doch anders entschieden. Besonders bitter war es seit der Jahrtausendwende als Toyota zweimal kurz vor einem Vertragsabschluss stand, und sich bei den Produktionsentscheidungen für die Modelle Tundra und Highlander dann letztlich für andere Städte entschied.

Und auch am 16. Mai 2008 sah es alles andere als rosig aus. Eine Gesandtschaft von Volkswagen besuchte Chattanooga. Doch der Besuch, bei dem es um alles oder nichts gehen sollte, war vorbei bevor er überhaupt begonnen hatte. Ein paar grüne Hügel auf dem Gelände eines alten Munitionslagers, zwei Bahnlinien und zwei Autobahnkreuze waren den Produktionsverantwortlichen aus Wolfsburg unter der Leitung von Vorstand Dr. Jochem Heizmann einfach zu wenig, um den Daumen zu heben. Man setzte sich in den Flieger und zog unverrichteter Dinge gen Deutschland ab. Schien so, als würde die Eisenbahnstadt im traditionsreichen Süden der USA ihren verschmutzen Charme aus längst vergangenen Montanzeiten nie ablegen können. Doch noch eine Niederlage für Chattanooga wollte der umtriebige Gouverneur des Bundesstaates Tennessee, Phil Bredesen, nicht hinnehmen. Schließlich ging es um 2.000 Arbeitsplätze, einen neues Werk und ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Dollar. Den Finanzfluss wollte man nicht zu den Konkurrenten Huntsville oder Battlecreek abwandern sehen.

Der Anfang scheint gemacht

"Die haben am Tag nach dem Ortsermin damit angefangen, eine Fläche von über 1.300 Acres abzuholzen, damit man sich das Gewerbegebiet besser vorstellen konnte", erzählt Thilo Brockhaus, Bauleiter des VW-Werkes, "und das ohne jeden Auftrag. Einfach unglaublich." Einen Tag später rollten Dutzende von Baggern und schwerstes Baugerät an. Die hügelige Landschaft im Südosten von Chattanooga wurde abgeholzt und binnen kürzester Zeit dem Erdboden gleich gemacht. "Hier wurde sieben Tage die Woche, rund um die Uhr mit schwerem Gerät gearbeitet", berichtet Brockhaus, "so etwas habe ich noch nie erlebt." Nach zwei Monaten war alles bereit für die nächste Besichtigung. Damit Volkswagen sich in der Zwischenzeit nicht anderweitig mit einem der Konkurrenzstandorte verheiratete, schickten die Verantwortlichen von Stadt und County mehrfach in der Woche Zustandsberichte und Luftfotos nach Wolfsburg. Die spektakuläre Kamikaze-Aktion verfehlte ihren Sinn nicht. Am 15. Juli 2008 vermeldete die Zeitung "Chattanooga Times Free Press", dass VW sich zugunsten der Choo-Choo-Stadt entschieden hatte. Die ganze Region feierte und Bürgermeister Ron Littlefield konnte schon einmal den Champagner für seine zweite Amtszeit bereitstellen. Ein Telefonat in die deutsche Partnerstart Hamm ließ nicht lange auf sich warten.

"Wir sind natürlich nach wie vor froh und stolz, dass Volkswagen sich für Chattanooga entschieden hat", erzählt der 63jährige Mayor nicht ohne jeden Stolz. An der Wand hängt die Sonderausgabe der Chattanooga Times vom 15. Juli 2008. Auf dem rund 6,4 Quadratkilometer großen Areal werden Gebäude für Karosseriebau, Lackiererei, Montage sowie für die Verwaltung errichtet. Mit dem deutschen Großinvestor im Rücken soll sich in den nächsten Jahren am Tennessee River viel tun. Der Anfang scheint gemacht. "Derzeit liegt unsere Arbeitslosigkeit bei rund zehn Prozent", so Mayor Ron Littlefield, neben dessen Schreibtisch bereits ein roter Spielzeug-Beetle thront, "wir wollen sie in der nächsten Zeit gerne halbieren. Untersuchungen haben ergeben, dass uns das neue Werk zwischen 15.000 und 20.000 neue Arbeitsplätze in der ganzen Region bringt." Der Choo Choo scheint nach langen Jahren wieder Fahrt aufzunehmen.

An alte Erfolge anknüpfen

Volkswagen hat lange mit sich gehadert, ob man in den USA wieder investieren sollte. Das letzte Werk in Michigan wurde Ende der 80er geschlossen. Jetzt wollen die Niedersachsen den amerikanischen Markt wieder verstärkt in den Fokus rücken und mit dem neuen Werk nicht länger als Importeur gelten. Die Produktion der neuen Mittelklasse-Limousine, soll ab Frühjahr 2011 starten. VW rechnet mit einer jährlichen Kapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen. Rund jedes dritte Fahrzeug soll in Tennessee als Saubermann-Diesel vom Band laufen. Bis 2018 will man in den USA wieder mehr als 750.000 Fahrzeuge verkaufen und an alte Erfolge aus den 80er Jahren anknüpfen.

"Eine eigene Automobilproduktion made in America ist ein wichtiges Kernelement unserer Wachstumsstrategie auf dem US-Markt. Der US-Markt wird sich erholen und für diesen Moment ist Volkswagen gerüstet", so Volkswagen-Produktionsvorstand Dr. Jochem Heizmann, "mit unserem neuen Werk in Chattanooga setzen wir ein deutliches Zeichen für Volkswagen, für die Automobilindustrie und für den Bundesstaat Tennessee." Seit der Wolfsburger Entscheidung für Chattanooga dreht Volkswagen mächtig auf. Große Teil der neuen Lackierstraße stehen bereits als Bauleiter Thilo Brockhaus mit seinem schwarzen VW Touareg zu einer Inspektion der Baustelle aufbricht: "Ich habe vorher die Baustellen unserer Werke in Indien und Russland betreut. Aber so professionell war noch keiner. Wir haben hier eine Fünf-Sterne-Baustelle." Tag für Tag arbeiten rund 2.000 Arbeiter daran, die neue Produktionsanlage aufzubauen. Zäh gestaltet sich bislang allein die Ansiedlung von Zulieferfirmen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.