Pariser Autosalon 2008 Le Burger King


USA und Frankreich haben sich in schon besser verstanden. Obwohl beide Automobilmärkte kaum nennenswerte Überschneidungen haben, zeigen die US-Firmen auf dem Pariser Salon mehr als eine handvoll interessanter Modelle. Man will in Europa Fuß fassen.

Amerikanischen Autoherstellern war der Pariser Salon in der Vergangenheit meist allzu unwichtig. Man kam, sah und zeigte dann und wann ein Auto. Doch in der Bedeutung war der alle zwei Jahre im Herbst stattfindende Pariser Salon nach Frankfurt und Genf nur die drittwichtigste Messe. Zu wenig standen die Autofahrer im Land von Baguette, Käse und der französischen Lebensart auf mächtige V8-Power, Geländewagen und Pick Ups. Selbst die Motorshows in Italien hatten hinter vorgehaltener Hand daher noch mehr Aufmerksamkeit verdient als Paris. Doch die Zeiten haben sich geändert – wohl gemerkt die der US-Boys. Die Amerikaner haben längst verstanden, dass man in Europa präsenter sein muss als bisher. Nur ein paar halbherzig angepasste US-Limousinen und volltrunkene Geländewagen – das ist einfach zu wenig, um sein Produktionsrisiko sinnvoll auf die Weltmärkte zu verteilen.

So ist beim diesjährigen Pariser Automobilsalon deutlich mehr Musik drin. Besonders General Motors, in Europa und speziell in Frankreich ohnehin präsenter als seine ins Wanken gekommenen Brüder Ford und Chrysler, setzt hinter seinen Messeauftritt an der Seine ein großes Ausrufezeichen. So ist die Welt-Premiere der neuen Kompaktlimousine Chevrolet Cruze keine echte Überraschung. Im kommenden März soll der Golf-Kontrahent zu den europäischen Händlern kommen. Mit seinem dynamischen Auftritt im Stile eines viertürigen Coupé wollen die Amerikaner mehr Sportlichkeit in das bisher mit Lacetti und Co allzu langweilig bediente Segment bringen. Die Stilelemente des Cruze sollen sich zukünftig in allen neuen Modellen mit dem goldenen Bowtie-Emblem wiederfinden werden. Nicht mehr ganz neu – aber ebenfalls in Paris zu bestaunen: die Studie des Elektromobils Volt und der neue Cadillac CTS Sportwagon.

Ungewöhnlich sehenswert zeigt sich die realitätsnahe Studie des Chevrolet Orlando Concept. Das Modell soll zeigen, dass Vans trotz starker Segmentkonkurrenz längst noch nicht der Saft ausgeht. Der siebensitzige Minivan im betont muskulösen Stil steht für maximalen Nutzwert im Segment der MPVs (Multi Purpose Vehicle) mit sieben Sitzen. Der flexibel konzipierte Innenraum verfügt über drei Reihen an Kinosessel erinnernde Sitze sowie eines der geräumigsten Gepäckabteile bei den Kompaktvans. Wer es sportlicher mag: in Paris feiert auch die Neuauflage des legendären Chevrolet Camaro seine Europa-Premiere. 400 PS lassen auch die Musclecar-Fans träumen.

Der Chrysler-Konzern lässt es trotz der jüngsten Elektrifizierungsmeldungen in Paris etwas zurückhaltender angehen. Auf Basis des Jeep Patriot Limited entstand die Studie des Patriot Back Country mit einem neu gestalteten Innenraum, authentischem Jeep-Zubehör und einer Mischung einzigartiger Materialien. “Das Concept Car Jeep Patriot Back Country ist inspiriert vom Outdoor-Begeisterten, der Abenteuer, Spaß und Freiheit sucht,” sagte Ralph Gilles, Vice President – Design, Chrysler LLC. “Der ultimative Jeep Patriot zeigt seine Überlegenheit unter freiem Himmel mit einer eigenständigen Farbkombination und einer Vielzahl von Materialien, die typischerweise assoziiert sind mit aktiven Lifestyles.”

Der bisherige US-Hersteller Infiniti wartet in Paris mit einer doppelten Premiere auf. Im Rahmen der Messe eröffnet in der Avenue de Versailles im 16. Arrondissement das erste Infiniti-Autohaus auf europäischem Boden. Parallel dazu gibt unter dem Eiffelturm der X3-Konkurrent Infiniti FX 37 sein Messedebüt. Der als FX 37 GT und FX 37 S angebotene Mittelklasse-SUV wird von einem 320 PS starken Motor angetrieben, der eine Spitzengeschwindigkeit von 233 km/h erreicht. Die Serienausstattung des FX37 GT umfasst ebenso wie die des F 37 S eine Vollausstattung mit 20- bzw. 21-Zoll Leichtmetallrädern, Allradantrieb, 7-Gang-Automatik, vollelektrische Ledersitze und Xenonlicht.

Amerikanisch geht es auch bei Hyundai zu. Der Oberklasse-SUV Veracruz ist in Nordamerika bereits ein gutes Jahr auf dem Markt. In Paris feiert er unter der Bezeichnung ix55 seine Europapremiere. Überhaupt haben sich die Koreaner wohl dafür entschieden, neben den bekannt erfolgreichen Europa-Modellen der Kleinwagen- und Kompaktklasse wie i10, i30 oder dem neu vorgestellten Getz-Nachfolger i20 größere US-Modelle zu Weltautos zu machen. Die sehenswerte Luxuslimousine Hyundai Genesis macht nicht nur nach US-Maßstäben eine gute Figur, sondern muss sich mit kraftvollen Triebwerken und Heckantrieb auch gegenüber der starken europäischen Premiumkonkurrenz nicht verstecken.

Stefan Grundhoff/PressInform


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