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Verkehrsindex von TomTom: Stuttgarter schmoren zehn Tage im Stau

Stuttgart ist die deutsche Stauhauptstadt, nirgendwo sonst leidet man so unter Verkehrsbehinderungen wie hier. Insgesamt lässt die Verkehrsbelastung in Deutschland aber nach.

Von Gernot Kramper

Die vierte Auflage des TomTom Verkehrs-Index zeigt ein erfreuliches Ergebnis: Die Staus gehen in Deutschland zurück und dies trotz fortgesetztem Wirtschaftswachstums. Grundlage des Verkehrsindexes sind die gesammelten Daten von Navigationsgeräten. Aus diesem Fundus kann TomTom für jede Route eine schnellstmögliche Geschwindigkeit bei freier Fahrt errechnen und diese mit den tatsächlichen Fahrzeiten vergleichen.

Trotz des Rückgangs gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Stauhauptstadt Deutschlands ist Stuttgart. Ein durchschnittlicher Pendler mit 30 minütigem Fahrweg verliert dort nach den Berechnungen des Indexes 80 Stunden im Jahr durch Verkehrsbehinderungen - das sind immerhin zehn volle Arbeitstage. Die drei Städte mit der höchsten Verkehrsbelastung in Deutschland sind nach wie vor Stuttgart, Hamburg und Berlin, auch wenn die Belastung in allen drei Städten im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat. In Stuttgart beträgt die durchschnittliche Verzögerung 29 Prozent, in Hamburg 28 und in Berlin 27. Danach folgen München (Platz 4 mit 26 Prozent), Köln (Platz 5 mit 25 Prozent), Frankfurt am Main (Platz 6 mit 24 Prozent), Düsseldorf (Platz 7 mit 19 Prozent), das westliche Ruhrgebiet (Platz 8 mit 19 Prozent), Bremen (Platz 9 mit 17 Prozent) und schließlich das östliche Ruhrgebiet mit ebenfalls 17 Prozent Verzögerung.

Weltweit behauptet Moskau seinen unrühmlichen Spitzenplatz. Im Durchschnitt ist die Fahrtzeit hier verkehrsbedingt um 74 Prozent länger, als wenn der Verkehr ungehindert fließen kann. Dass Deutschland im Stau erstickt, kann man also nicht behaupten, alle weiteren Regionen liegen bei einer Verzögerung von unter 15 Prozent.

TomTom propagiert schlaue Navigationsgeräte als Lösung des Stauproblems. "Echtzeit-Verkehrsinformationen helfen Autofahrern die schnellste Abkürzung auf ihrer Route zu finden und unterstützen Regierungen dabei klügere Entscheidungen zu treffen, um den Verkehrsfluss in ihren Städten zu verbessern", sagt Harold Goddijn, CEO von TomTom. Wunder solte man nicht erwarten. Auch eine intelligente Lenkung kann den Verkehr nur geschickt auf die bestehenden Straßen verteilen.

Können also alle zufrieden mit der Verkehrssituation sein? Nein, letzten Endes kommt es darauf an, wo und wann man unterwegs ist. Denn der TomTom-Index berechnet durchschnittliche Verzögerungen für Großräume und keine individuellen Routen. In Stuttgart beträgt die durchschnittliche Verzögerung zum Beispiel 29 Prozent. Man benötigt also nicht 30 Minuten, sondern etwa 40 Minuten im Vergleich dazu, wenn man ganz allein unterwegs wäre und die freie Fahrt genießen könnte. Das hört sich noch überschaubar an. Doch im Abendpeak steigt die Verzögerung auf 60 Prozent. Anstatt einer halben Stunde, ist der Pendler dann schon fast 50 Minuten unterwegs. Hinzu kommt, dass es sich hierbei um den Mittelwert der ganzen Stadt handelt. Es werden also auch Zeitgenossen erfasst, die entgegen der Pendlerwelle fast ohne Verzögerung unterwegs sind. Wer Pech mit seiner Route hat, braucht also deutlich länger als der Durchschnittswert suggeriert.

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