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Urlaubs-Verkehr: Willkommen in der Stauhölle

Ab in den Urlaub und rein in den Stau. Wer an diesem Wochenende aufbricht, wird sich auf lange Schlangen und nerviges Warten einstellen müssen. Der Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und Belgien reicht für den Verkehrsinfarkt aus, hinzu kommen besonders viele Baustellen.

Eigentlich eine gute Nachricht: Durch Mauteinnahmen und Konjunkturprogramme fließt mehr Geld denn je in den Erhalt und Ausbau der Fernstraßen. Die schlechte Folge: Rund 250 Baustellen mit einer Gesamtlänge von knapp 1.000 Kilometer werden nach Ansicht des ADAC während der Hauptreisezeit in Deutschland zu Rekordstaus führen.

Baustellen sind nach Schätzungen des Verkehrsverbands für rund ein Drittel der Zeit verantwortlich, die wir im Stau verbringen. In den vergangenen Jahren gehören Dauerstaus auf den Fernstraßen mittlerweile zum Alltag, denn immer mehr Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Verschärft wird die Situation durch den schlechten Zustand und die unzureichende Kapazität vieler Strecken.

An diesem Wochenende warnt der ADAC vor allem vor der Autobahn 1: Mit dem Beginn der Ferien im bevölkerungsreichten Bundesland Nordrhein-Westfalen, in Teilen der Niederlande und Belgien ist auf der A1 fast überall mit langen Staus zu rechnen. Vor allem auf der Strecke zwischen Bremen und Hamburg mit ihren vielen Baustellen gibt es laut ADAC eine hohe Staugefahr. Besonders am Freitagnachmittag und am Samstag könne es zu Behinderung kommen. Der Verkehrsverband empfiehlt die Umleitung vom Bremer Kreuz auf die A27 Richtung Hannover und dann auf die A7 in Richtung Hamburg. Mit einer Entspannung rechnen die Verkehrsexperten am Sonntag.

Grundsätzlich ist an diesem Wochenende kaum eine Route sicher. Das hohe Verkehrsaufkommen wird unweigerlich zu Unfällen führen. Im Bereich der Baustellen kann schon ein einfacher Auffahrunfall zum absoluten Stillstand führen. Wer an diesem Wochenende in den Urlaub fährt, sollte mit einer Nachtfahrt den stärksten Verkehr umfahren. Vorausgesetzt, die Route ist kurz genug, um außerhalb der Stoßzeiten die schlimmsten Verkehrsknotenpunkte zu umfahren.

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Viel trinken und Klimaanlage einschalten

Wenn man reine Wartezeiten schon nicht vermeiden kann, kann man sich doch auf die zu erwartende Hitze einstellen. Als erstes sollte man genügend Flüssigkeit mit nehmen. Viele Wagen besitzen heute ein kühlbares Handschuhfach, das allerdings meist nicht genutzt wird. Obst ist gesund und erfrischt während der Fahrt, Schokoriegel schmelzen, wenn keine spezielle Kühlung genutzt wird.

Die meisten Wagen besitzen heutzutage eine Klimaanlage. Ein Auto mit Anlage ist in jedem Fall besser als ein Auto ohne Anlage, doch die Leistungsfährigkeit unterscheidet sich enorm. Ein günstiger Kleinwagen kann meist nicht mit der Kühlleistung der gehobenen Mittelklasse mithalten. Und auch die beste Klimaanlage lässt die Sonneneinstrahlung nicht verschwinden. Empfindliche Personen oder Kleinkinder sollten daher auf der Schattenseite des Wagens sitzen. Schattenspender an den Seitenscheiben sehen zwar peinlich aus, reduzieren die Wirkung der Sonnenstrahlen aber beachtlich.

Der Nachtstart

Nie nachts fahren, wenn man nicht wirklich ausgeschlafen ist. Nach einem Arbeitstag in eine längere Nachtfahrt zu starten, ist riskant und gefährlich. Dann sollte man lieber eine Fahrt in den Morgen hinein wagen. Für einen ganz frühen Start gilt: Auf keinen Fall sollte man sich zum raschen Einschlafen am frühen Abend einen Schlummertrunk genehmigen.

Nachtreisen sind aber nur dann eine Alternative, wenn man nachts gut fahren kann. Wer in der Dunkelheit Probleme mit den Augen oder der Konzentration hat, sollte lieber tags fahren.

Keine Wachmacher

Nichts spricht gegen frische Luft, Cola oder Kaffee - aber diese Hausmittel verwandeln keinen übermüdeten Fahrer in ein Energiebündel. Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit sinken auch dann rapide. Solche Tricks führen nur dazu, dass der Fahrer in den berüchtigten Sekundenschlaf versinkt. Bei den ersten Anzeichen von Sekundenschlaf - Verlassen der Fahrspur mit ruckartigen Gegenbewegungen, Einnicken des Kopfes, Zufallen der Augenlider - bei der nächsten Gelegenheit rausfahren und eine Pause einlegen. Unbedingt.

Essen und Trinken

Auch wenn es ein bisschen nach Großmutter aussieht: Eine gut gefüllte Kühltasche kann nicht schaden. Obst und leichte Getreideriegel sind zu empfehlen. Und wichtig ist viel, viel Flüssigkeit. In einem Wagen mit Klimaanlage setzt der Sonnenschein den Insassen nicht so wie in einem ungekühlten Auto. Dennoch benötigt der Körper in der Hitze viel Flüssigkeit. Rechnen Sie lieber in Litern als in Dosen.

Tipp: In vielen modernen Fahrzeugen kann man ein Staufach zum Kühlen benutzen. Die meisten Fahrer wissen von diesem Feature allerdings nichts. Es lohnt sich also, in der Bedienungsanleitung zu blättern.

Straßenkarte und Radio

Trotz Navigationsgerät sollte eine aktuelle Straßenkarte mitgeführt werden. Um eine Ausweichroute zu finden, ist sie viel besser geeignet als der kleine Bildschirm des Geräts.

Wer Radio hört, erfährt unter Umständen rechtzeitig von einem Stau und kann bei der nächsten Ausfahrt die Autobahn verlassen. Die Frequenzen der einzelnen Verkehrssender werden durch entsprechende Schilder entlang der Autobahnen genannt, sie stehen nach jeder Einfahrt.

Auf Warnzeichen achten

Während der Ferienzeit und im täglichen Berufsverkehr ist Stop-and-Go gerade auf vielbefahrenen Strecken angesagt. Aber auch Pannen, Unfälle und Baustellen sorgen oft für kilometerlange Staus. Am einfachsten ist es daher, entsprechende Streckenabschnitte und Hauptverkehrszeiten zu meiden. Da dies in der Realität leider kaum umsetzbar ist, sollte man stets Vorsicht walten lassen, wenn Verkehrszeichen wie beispielsweise Baustellenschilder auf ein Staurisiko hindeuten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist ferner vor Kurven und Hügelkuppen gefragt, da ein Stauende erst spät einsehbar ist. Ebenso reduziert eine regelmäßige Information über den Verkehrsfunk die Gefahr eines Auffahrunfalls.

Gefahren in der Hauptsaison

Vorsicht ist auf der Autobahn immer angebracht, aber in der Hochsaison muss man noch aufmerksamer sein als sonst. Wieso? Die Gefahr für Auffahrunfälle und fürs Touchieren beim Wechsel der Spur wächst enorm, wenn sehr viele Fahrzeuge unterwegs sind. Jeder Fahrer weiß aus Erfahrung, wie plötzlich sich schnelle Kolonnen bei zu enger Packung "hoch bremsen" können. Was eben noch eng, aber flott war, erfordert bei plötzlichen Verzögerungen die volle Konzentration am Steuer.

Angemessen abbremsen

Beim frühzeitigen Erkennen eines Stauendes soll die Geschwindigkeit rechtzeitig und gleichmäßig verringert werden. Bei unübersichtlichen Situationen ist es besser, einmal zuviel abzubremsen, als auf das Glück zu vertrauen und dann von der Vollbremsung des Vordermannes überrascht zu werden. Keinesfalls sollte man forsch an das Ende des Staus heranfahren. Sofortiges, rabiates Abbremsen bei ersten Anzeichen eines Staus kann den Hintermann allerdings übel überraschen. Das Einschalten der Warnblinkanlage informiert die folgenden Fahrzeuge über den stehenden Verkehr, denn am Stauende können leicht Auffahrunfälle passieren.

Abstand im Stau

Empfehlenswert ist laut der Zeitschrift "Auto Test" auch im Stand ein Abstand zum Vordermann von mindestens drei bis vier Wagenlängen. Im Notfall kann dann ausgewichen werden, wenn ein zu schnell fahrendes Fahrzeug von hinten heran rauscht. Schnelle Reaktionszeit und Beobachtung des ankommenden Verkehrs ist in den ersten Minuten enorm wichtig. Immer wieder fahren Fahrzeuge in ein Stauende. Besonders gefährlich sind Lkw und Busse. Sie können sogar mehrere Fahrzeuge ineinanderschieben. Abstand ist hier also wichtig.

Besondere Vorsicht ist auch angebracht, wenn man hinter einem Lkw zum Stehen kommt. Wer von hinten unter den Aufbau vorn gedrückt wird, hat kaum eine Überlebenschance. Hat sich erst ein hundert Meter langer Schwanz hinter dem eigenen Wagen aufgebaut, ist die größte Gefahr vorbei. Ist ein Crash unvermeidlich, sollte man den Körper fest in den Sitz sowie den Kopf gegen die Kopfstützen pressen und sich keinesfalls abschnallen.

Schock an der Raststätte

Vorausschauendes Fahren schützt auch bei den meist nächtlichen Staus an Rasthöfen. Bereits zu Beginn der Abbiegespur sollte man sich auf dem Verzögerungsstreifen einordnen, so dass man die Situation auf dem Rasthof richtig und rechtzeitig einschätzen kann. Wie bei einem Stau sollte man sich auch hier langsam, vorsichtig und bremsbereit dem Rasthof nähern und nicht mehr überraschend die Spur zurück auf die Autobahn wählen. Der Wagen sollte auf der Abbiegespur bereits abgebremst sein, denn es ist möglich, dass direkt im Einschwenkbereich der Spur schon unbeleuchtete Fahrzeuge stehen, die nur eine kleine Gasse frei lassen. Obendrein können sich auch noch Personen auf der Strecke befinden. Kurz und gut: Den Bereich einer Autobahntankstelle sollte man so befahren wie den einer städtischen Tankstelle.

Standstreifen und Rettungsgasse sind tabu

Die Sonne brennt, die Zeit verrinnt und im Stau geht nichts mehr. Immer wieder kommen dann Fahrer auf die Idee die Wartezeit abzukürzen, indem sie auf dem Standstreifen oder gar auf einer Rettungsgasse an den anderen vorbeifahren. Ganz Wilde kommen sogar auf die Idee sich hinter ein Einsatzfahrzeug zu hängen und den Blaulichteinsatz als "Eisbrecher" zu nutzen. Das ist nicht nur verboten sondern auch unverantwortlich gefährlich. Das "Eisbrechermodell" hat härteste Konsequenzen zur Folge.

Durch Stau-Gassen und auf dem Standstreifen zu fahren, ist gefährlich: Türen können sich öffnen, Wagen unvermittelt ausscheren, andere Fahrzeuge regulär abbiegen. Schuld ist bei Unfällen immer der, der durch die Gasse oder auf dem Standstreifen fährt. Man sollte sich auch von anderen Fahrern nicht provozieren lassen, es ihnen gleichzutun, auch wenn es schwer fällt. Insbesondere Motorradfahrer scheinen häufig an ein Zwei-Rad-Recht zu glauben, das ihnen das Warten im Stau erspart. Dieses Recht existiert natürlich nicht.

Weder Pinkeln noch Picknick

Auch wenn die Wartezeit lang ist - die Autobahn ist keine Loungezone. Bleiben Sie im Auto, auch wenn es schwerfällt. Wenn Sie den Wagen doch verlassen müssen, ist äußerste Vorsicht angebracht. Einsatzfahrzeuge dürfen am Stau vorbei fahren, andere Fahrer machen es trotz Verbot - mit spielenden Kindern rechnet dort niemand.

Entfernen Sie sich niemals weiter als nötig vom Fahrzeug. Ein Stau kann sich sehr schnell auflösen, und wenn dann ein Fahrzeug nicht losfahren kann, weil noch Menschen einsteigen müssen, liegen die Nerven aller anderen meist blank. Hupkonzerte und Beschimpfungen sind das Wenigste. Häufig wird versucht, irgendwie an dem Hindernis vorbeizukommen. Für zum Auto rennende Kinder kann das schnell zum tödlichen Ausflug werden.

Von Gernot Kramper

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