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US-Sparauto: 10 Millionen Bucks für 2 Liter Verbrauch

Seit die Amis die Umwelt entdeckt haben, tut sich was im Land der Mega-SUVs. Nun gibt's gar 10 Millionen Dollar für das erste produktionstaugliche Auto, das weniger als zweieinhalb Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Viel Moos für wenig Sprit, fand Helmut Werb.

George Bush mag’s ärgern, aber die Amerikaner entdecken ihr Umweltbewusstsein. Am vergangenen Montag schrieb die X-Prize Organisation in Santa Monica, Kalifornien, ihren "Automotive X-Prize" aus für den erfolgreichsten Spritsparer. Zehn Millionen bare Dollar soll’s geben für den, der das sparsamste – und produktionsnahe – Auto baut, das einen realitätsnahen Parcour mit einem Verbrauch von mehr als 100 Meilen pro Gallone Normalsprit (2,3 Liter/100km) schafft und dabei nicht mehr als 125 Gramm Carbon pro Kilometer ausstösst.

Auch SpaceShipOne war möglich

Die Organisation ist durchaus ernst zu nehmen. Gegründet vom amerikanischen Arzt Peter Diamandis im Jahr 1996 schrieben die Kalifornier den "Ansari X-Prize" für den ersten privaten Raumflug aus, der 2004 vom Raumfahrtpionier Burt Rutan und Microsoft-Mitbegründer und Multi-Milliardär Paul Allen mit ihrem SpaceShipOne gewonnen wurde. Zeit wär’s für einen ähnlich revolutionären Schritt, meint Mark Goodstein, Direktor des "Automotive X-Prize", denn offensichtlich schaffe es die Automobilindustrie nicht von alleine: seit Jahrzehnten bewegt sich der durchschnittliche Verbrauch amerikanischer Autos um die elf Liter auf hundert Kilometer, und das auch nur, weil die Verbrauchswerte bei einer konstanten Geschwindigkeit von 55 Meilen pro Stunde (89km/h) ohne Gegenwind auf ebener Fahrbahn ermittelt werden.

Der Industrie Beine machen

"Die Industrie tritt da auf der Stelle", sagte Goodstein bei der Verkündung der Wettbewerbsbedingungen, "und wir glauben, dass der Preis einen Ansporn für einen deutlichen Fortschritt darstellen könnte." Um den Teilnehmern realistische Vorgaben zu bieten, sollen zum Wettbewerb nur Prototypen zugelassen werden, die so produktionsnah sind, dass sie realistischerweise in Serien hergestellt werden könnten. Einen Prototypen, der 100 Meilen pro Gallone schafft, könnten die Automobilhersteller heute schon ohne allzu grosse Schwierigkeiten auf die Räder stellen, sagte James A. Croce, Chef von NextEnergy, einer Umwelt- Organisation in Detroit zur New York Times. "Schwierig ist da nur die Umsetzung in eine für alle erschwingliche Massenproduktion." Rob Thring vom Ingenieur-Lehrstuhl an der Loughborough University in England gibt ihm recht. "Das kann mit herkömmlicher Technologie erreicht werden. Allerdings muss man sich radikalen Designs bedienen."

Über 60 Interessenten

Ganz so radikal sind die Wettbewerbsbedingungen erstaunlicherweise nicht. Für den Wettbewerb wurden zwei Klassen geschaffen: in der ersten Gruppe nehmen Fahrzeuge teil, die mit vier Rädern ausgestattet sind, eine Transportkapazität von vier Passagieren haben, mit einer minimalen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, einer Beschleunigung von 0-95km/h in zwölf Sekunden und einer Mindestreichweite von 320 Kilometern. Ausserdem sollen sie mit einer Klimaanlage und einem handelsüblichen Stereoradio ausgestattet sein. In der zweiten, der sogenannten "alternativen" Gruppe sollen Fahrzeuge zugelassen werden, die ohne jeglichen Komfort auskommen (aber immerhin über Scheibenwischer, Beleuchtung und Sicherheitsgurte verfügen), zwei Passagiere befördern können, eine Reichweite von mindestens 160 Kilometern und eine minimale Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h haben. Über eintausend Interessenten meldeten sich schon bei der X-Prize Organisation, sagt John Shore, Senior Director bei X-Prize, und nach einer öffentlichen Anhörungsperiode von 60 Tagen werden die endgültigen Regeln ausgeschrieben werden. Dann sollen die Teilnehmer bis zum Jahr 2009 in einer Serie von Wettbewerben unter normalen Strassenbedingungen wie Langstrecken-, Stadtfahrten und unter unterschiedlichen Wetterbedingungen ermittelt werden. "Wir erwarten dabei nicht nur, dass moderne Techologien verwendet werden", sagt Mark Goodstein. "Im besten Fall könnten die Sieger von der Industrie in die Serie übernommen werden." Und dann fügte er hoffnungsvoll hinzu: "Es ist ja nicht so, als müssten wir den Krebs bekämpfen. Die Technologie steht uns ja heute schon zur Verfügung. Wir müssen nur noch die Hersteller überzeugen."

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