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Verkehrstote: So wenig wurde noch nie gestorben

Historischer Tiefstand bei den Verkehrstoten: Auf deutschen Straßen sind 2007 so wenig Menschen ums Leben gekommen wie noch nie seit Einführung der Statistik vor 55 Jahren. Insgesamt wurden 4.970 Unfalltote gezählt. Allerdings stieg die Zahl der Unfälle und der Verletzten.

Das waren 121 oder 2,4 Prozent weniger als 2006, die berichtete das Statistische Bundesamt berichtete. Noch nie zuvor war die 5.000er-Marke unterschritten worden. Allerdings stieg die Zahl der Unfälle und der Verletzten. Unterm Strich musste die Polizei 2007 rund 2,3 Millionen Unfälle aufnehmen, 2,7 Prozent mehr als 2006. Die Zahl der Verletzten nahm um 2,2 Prozent auf 431.500 zu. Verglichen mit 1970 sank die Zahl der Todesfälle nunmehr auf weniger als ein Viertel. Angesichts der Zahlen für die ersten sechs Monate 2007 war noch eine Zunahme befürchtet worden. Pro Tag kamen statistisch etwa 14 Menschen auf deutschen Straßen um.

Für die einzelnen Unfallarten lagen den Statistikern noch keine Zahlen für das Gesamtjahr vor, nur für die ersten zehn Monate: So nahm allein von Januar bis Oktober die Zahl der getöteten Motorradfahrer um 3,9 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres zu. Zugleich ging aber die Zahl der getöteten Kinder und Jugendlichen (unter 15 Jahre) um 9,1 Prozent zurück. Bei Unfällen mit Pkw starben in diesem Zeitraum 2.191 Menschen, 0,1 Prozent mehr als von Januar bis Oktober 2006. In insgesamt sechs Bundesländern gab es mehr Verkehrstote als im Vorjahr: So nahm die Zahl in Bremen um 19 Prozent zu, im Saarland um 11 Prozent, in Bayern um 8,9 Prozent, in Hamburg um 7,1 Prozent, in Niedersachsen um 4,5 Prozent und in Brandenburg um 0,4 Prozent. Prozentual am stärksten zurück ging die Zahl der Verkehrstoten in Berlin (minus 24 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 22 Prozent) und in Rheinland-Pfalz (minus 18 Prozent). Durchschnittlich starben im vergangenen Jahr je eine Million Einwohner 60 Personen bei Verkehrsunfällen. Unter dem Bundesdurchschnitt lagen die drei Stadtstaaten Berlin (16), Hamburg (17) und Bremen (29) sowie Nordrhein-Westfalen (40). Deutlich darüber rangierten die ostdeutschen Länder Brandenburg (103), Sachsen-Anhalt (87) und Mecklenburg-Vorpommern (86).

Tiefensee kündigt Verkehrssicherheitskampagne an

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärte das Rekordtief mit einem umsichtigeren Verhalten der Verkehrsteilnehmer und sprach von einem Erfolg. "Allerdings ist jedes Opfer im Verkehr eines zu viel", sagte der SPD-Politiker in Berlin. "Deswegen dürfen wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen." Vor allem gegen die hohe Zahl an Motorradunfällen will er nach eigenen Worten mit Aufklärungsmaßnahmen vorgehen. Verkehrsverbände sprachen angesichts der Zahlen aus Wiesbaden zwar auch von einer erfreulichen Entwicklung, forderten die Bundesregierung aber auf, ihr Engagement bei der Verkehrssicherheit noch stärker auszubauen.

Nach Einschätzung des ADAC müssen weiter Unfallschwerpunkte entschärft und die Sicherheit auf Landstraßen verbessert werden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) wies darauf hin, dass die Todeszahlen in den vergangenen Jahren immer langsamer gesunken seien. Außerdem steige die Zahl der Verletzten immer weiter an. "Da sollten eigentlich die Alarmglocken schrillen", sagte der stellvertretende VCD-Vorsitzende Hermann-Josef Vogt. "Radfahrer und Fußgänger haben keinen Airbag", sagte der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen. Deswegen müsse es Tempolimits von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen und von 90 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen geben.

AP

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