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Vision Elektroauto Der teure Traum vom Stromfahrzeug


Alle reden vom Elektroauto. Doch bisher gibt es nur wenige kaufbare Modelle. Welche Stromflitzer in den nächsten Jahren kommen und wie (sündhaft) teuer sie sein werden, zeigt unser Überblick.

Hersteller, Politiker, Medien - beinahe jeder, der sich dazu irgendwie berufen fühlt, spricht und schreibt in diesen Tagen vom Elektroauto. Die Kanzlerin, offensiv wie selten, träumt sogar schon von einer Million Stromfahrzeugen auf deutschen Straßen. Doch die Vision ist mehr als ambitioniert, denn kaufen kann bislang kaum jemand die neuen Wundergefährte.

Was gibt es und wann kommt es?

Wie realitisch die Träume von der massenhaften Verbreitung der Stromflitzer sind, hat jetzt der ADAC zusammengefasst, auf Basis der Hersteller-Ankündigungen für die neuen Modelle. Bereits auf dem Markt ist der Elektro-Sportwagen Tesla Roadster. Wer ihn gefahren hat, ist begeistert. Bis er den Preis sieht: 100.000 Euro. Der Tesla wirkt aber fast günstig neben dem ebenfalls bereits heute angebotenen Kleinstwagen Karabag 500 E. Das auf einem Fiat 500 basierenden Modell kostetl zwar "nur" 42.000 Euro - doch im Vergleich zum Benzinmodell betragen die Mehrkosten für den Stromantrieb satte 30.000 Euro.

Im Herbst sollen der Kleintransporter Mercedes-Benz Vito und der Kleinstwagen Mitsubishi iMiEV hinzukommen. Wenig später bekommt letzterer Gesellschaft von seinen baugleichen Brüdern Peugeot Ion und Citroen C-Zero. Die Preise für diese Strom-Minis sind noch nicht bekannt, sie dürften aber ebenfalls bei rund 40.000 Euro liegen. Mit normalem Triebwerk könnte man für diese Fahrzeuge höchstens 15.000 Euro verlangen, auch hier ist der Aufpreis für das saubere Gewissen also atemberaubend.

Im Jahr 2011 folgt die nächste Welle. Dann sollen unter anderem die Elektroversionen des Hochdach-Kombi Renault Kangoo und die Kompaktlimousine Renault Fluence zu haben sein. Für Ende 2011 ist auch der Opel Ampera angekündigt, der dank eines bordeigenen Stromgenerators deutlich höhere Reichweiten als normale Elektroautos erreichen soll. Auch hier sind offizielle Preise noch Geheimsache. Aus Andeutungen des Managements wurde ein Preis von 30.000 bis 35.000 Euro für den Ampera geschätzt. Hier läge der geschätzte Stromaufpreis bei nur etwa 10.000 bis 15.000 Euro.

Anfang 2012 sollen dann der kompakte Ford Focus EV, die Kleinstwagen Smart Fortwo ED, der Hyundai i10 EV und der Toyota FT EVII sowie die sportliche Limousine Tesla S zu haben sein. Auch für diese neuen Modelle gilt: Preis unbekannt. Es gilt aber als extrem unwahrscheinlich, dass ein strombetriebenes Fahrzeug, das einem herkömmlichen Fahrzeug entspricht, für unter 20.000 Euro angeboten wird. Nur sehr spezielle Kleinstfahrzeuge könnten es zu diesem Preis geben. In den Preiskategorien von Kompakten und des kleineren B-Segments wird es zunächst kein Angebot geben.

Der Kunde träumt

Ob die neuen Modelle angesichts von Mehrkosten von 10.000 bis 20.000 Euro tatsächlich ein größeres Publikum anlocken werden? Immerhin hat die aktuelle Trendstudie der Marktforschung Puls bei Autokäufern ein grundsätzliches Interesse beim Endkunden für Elektrofahrzeuge festgestellt. So sehen 37 Prozent der Befragten beim Stromantrieb die Zukunft der Mobilität.

Doch die Studie zeigt auch, mit welch unrealistischen Erwartungen die potentiell Interessierten an die Stromwagen herangehen. "Die Kunden unterschätzen den Preis für den Einstieg in die emissionsfreie Autozukunft offensichtlich deutlich", sagt Puls Geschäftsführer Konrad Weßner. Die meisten wären gerade mal bereit, einen Aufpreis von 2.200 Euro für den Elektroantrieb zu bezahlen. Dieser Aufpreis entspricht in etwa den Mehrkosten für einen Dieselmotor oder eine Gasumrüstung des Fahrzeugs - selbst im Falle von größeren Serien bei Elektoautos ein nahezu unmöglicher Preis.

Hier zeichnet sich ein großes Problem ab. Die markigen Ankündigungen und die breite Medienberichterstattung haben das Elektroauto beim privaten Verbraucher in eine Erwartungsfalle bugsiert. Die Vorstellung, ein Elektroauto würde alle Leistungsdaten bieten wie ein Benziner, und das zu einem Aufpreis wie für Xenon-Leuchten oder Allradantrieb auch, werden die Stromer nur enttäuschen können. So lautet das Fazit der Puls-Studie: Der normale Privatkunde wird sich mit einem Elektroauto schwer tun, wenn es nicht massiv subventioniert wird - wie jetzt schon in einigen Staaten, die den Umstieg auf Stromfahrzeuge mit üppigen Zuschüssen fördern.

Firmenflotten gefragt

So müssen die ersten Schritte in die Automobilzukunft vielleicht nicht von Privatkäufern sondern anderen gemacht werden: Elektroautos mit einem engen Aktionsradius und relativ hohen Kosten eignen sich nach Sicht von Experten zunächst vor allem als Fahrzeuge für Flotten von Unternehmen und Behörden. Damit neue Technologien auf die Straße kommen, ist auch das so genannte Flottengeschäft wichtig. Bei Fahrzeugflotten und Dienstwagen werden die Fahrzeuge nur drei bis vier Jahre lang gefahren. Danach werden sie gebraucht weiterverkauft. Durch diese hohe Taktung bestimmen Flottenmanager im hohen Maße darüber, was als Gebrauchter privat gefahren wird.

"Flottenfahrzeuge haben einen großen Hebel. Ein Außendienstler fährt im Jahr 40.000 bis 50.000 Kilometer. Wenn man hier etwas für die Umwelt tun kann, hat das auch entsprechende Auswirkungen," sagt Ralf Woik von der Firma Arval Deutschland, die Full-Service-Leasing für Geschäftskunden anbietet. "Wir wollen mit jetzt Pilotprojekten Erfahrungen bei der Elektromobilität sammeln und von Anfang an mit dabei sein", so Flottenmanager Woik. Doch eine Leasingfirma wie Arval geht bei Fahrzeugen ins Risiko, insbesondere was die Restwerte der Fahrzeuge angeht. "Nehmen wir einmal an, es käme zu einem technischen Durchbruch bei der Batterietechnik, dann müssten man den Wert der Fahrzeuge im Bestand drastisch nach unten setzen."

Und auch die Akzeptanz bei Firmenkunden stößt im Prinzip auf die gleichen Hindernisse wie bei Privatpersonen. "Wir glauben nicht, dass jemand, der 16.000 Euro für ein Fahrzeug ausgeben will, plötzlich das Doppelte bezahlt", sagt Woik. "Auch bei unseren Firmenkunden muss die Rechnung stimmen."

Gernot Kramper

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