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Sonderschutz-Fahrzeuge: Harte Schale, luxuriöser Kern

Wenn es um Fahrzeuge von besonders wichtigen Menschen geht, ist das Mitteilungsbedürfnis der großen Autobauer minimal. Die Damen und Herren Persönlichkeiten lassen das gemeine Volk nur ungern auf die Rücksitze ihrer Edel-Schlitten schauen.

Wenn es um Fahrzeuge von besonders wichtigen Menschen geht, ist das Mitteilungsbedürfnis der großen Autobauer minimal. Die Damen und Herren Persönlichkeiten lassen das gemeine Volk nur ungern auf die Rücksitze ihrer Edel-Schlitten schauen. Man muss potentiellen Attentätern und Terroristen ja nicht gleich auf die Nase binden, wie sich der Bundeskanzler in seiner Dienst-Limousine schützt.

Geschäft mit der Verschwiegenheit

Das Geschäft unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit brummt. Das haben auch die deutschen Autobauer erkannt und bieten Fahrzeuge an, die bereits ab Werk besonderen Schutz bieten. Früher wurden die starken Limousinen von Spezialfirmen zu so genannten Sicherheits- oder Sonderschutz-Fahrzeugen umgebaut. Wer sich heute vor Beschuss aus Revolvern, Gewehren oder vielleicht sogar vor Sprengstoff-Anschlägen schützen will, kann seinen Hochsicherheits-BMW, -Mercedes, -Audi oder -VW direkt im Werk bestellen.

Das heißt, die Fahrzeuge werden nicht umgerüstet, sondern parallel zur Serienfertigung mit den nötigen Modifikationen versehen. Nur so können die Schutzelemente perfekt in die Karosserie integriert werden. Nachträgliche Umbauten gehen häufig zu Lasten der Fahrzeugstruktur.

Material-Mix

Die zusätzlich verbauten Teile bringen in der höchsten Schutzklasse ein Mehrgewicht von gut einer Tonne. Alleine die Türen sind bis zu 100 Kilo schwer. Das klingt nach viel, ist es aber nicht. Immerhin bietet so eine speziell umgebaute Limousine sogar Schutz vor einer Handgranate. Schwere Stahlplatten alleine sind dazu nicht geeignet. Vielmehr ist es die Kombination aus Glas-, Kunststoff- und Stahlbauteilen, die den Schutz gewährleistet. Stahl nimmt Geschossen die Wirkung, Kunstofffasern bieten Schutz vor Splittern

Lange Mercedes-Tradition

Den Löwenanteil bei den gepanzerten Limousinen machen die Fahrzeuge von Mercedes-Benz aus. Traditionell dienen die edlen Schlitten mit dem Stern auf der Haube Top-Managern und Staatsoberhäuptern als repräsentatives Fortbewegungsmittel. Seit 1928 baut Mercedes Autos mit Sonderschutz; Guard genannt. Aktuell rüsten die Stuttgarter drei Baureihen mit Panzerung aus.

Aushängeschild ist dabei das Top-Modell S-Guard S 600. 500 PS stark kann die Limousine mit Zwölfzylinder-Triebwerk in zwei Schutzklassen bestellt werden. Als Hochschutz-Fahrzeug entspricht die S-Klasse der europäischen Widerstandsklasse B4 und widersteht großkalibriger Revolvermunition. Schutz gegen Gewehrprojektile aus militärischen Waffen, Handgranaten-Splitter und kleinere Sprengsätze bietet ein S-Guard der Widerstandsklasse B6/B7.

Zusätzlich lassen sich auch Fahrzeuge der E- und G-Klasse als Guard-Fahrzeuge ordern.

BMWs für die Bundesregierung

Ähnlich sieht es bei BMW aus. Die Bayern haben mit dem 760Li High Security ebenfalls eine äußerst widerstandsfähige Zwölfzylinder-Limousine am Start. Auch der schwere 7er entspricht der Widerstandklasse B6/B7 und erfüllt damit die Vorgaben des Bundeskriminalamts für Sicherheitsfahrzeuge der Bundesregierung. Will heißen: der BMW ist kanzlertauglich. Außerdem haben die Bayern mit dem 330 High Security eine kompakte Limousine am Start, die die Schutzklasse B4 erfüllt.

Nachholbedarf bei Audi und VW

Audi und Volkswagen haben aktuell keine gepanzerten Staatskarossen im Programm. Nach dem A8-Modellwechsel arbeitet man bei Audi allerdings daran, ein entsprechendes Fahrzeug nachzuschieben. Vom VW Phaeton gibt es derzeit nur zwei Einzelstücke, die ähnlichen Schutz wie der Fahrzeuge der Konkurrenz. Beide stehen im Dienst des Bundeskanzleramtes. Für das alltägliche Schutzbedürfnis gibt es bei Volkswagen allerdings den Passat Protect, der wie der kleine BMW die Widerstandsklasse B4 erfüllt. Preis: über 33.000 Euro.

Jochen Knecht
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