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Suzuki: Nimm doch vier

Spaß, Sport, Allrad - mit dieser Zauberformel wächst die Marke Suzuki weit über dem Durchschnitt. Ein frisches Design und bodenständige Preisgestaltung werden dem Autozwerg auch weiter helfen, tüchtig zuzulegen.

Wozu eigentlich Allrad? Wozu Winterreifen? Im Flachland mag sich der eine oder andere Autofahrer diesen Sinnfragen stellen, in Kühtai, einem Ort auf 2000 Meter Höhe, würde man nur verständnislos angesehen. Vor Auf- und Abfahrt der Serpentinenstrecke zum Skiparadies mahnen Schilder eindeutig "Schneekette oder Allrad" oder als dritte Möglichkeit könnte man auch noch umkehren. Oben im Ort reicht das vielen nicht, hier werden die beinharten Geländemaschinen gern noch mit mächtigen Ketten ausgerüstet.

Genau der richtige Platz, am dem Suzuki Firmenerfolg und Geländekompetenz beweisen kann. Sicherheit und Verlässlichkeit bei jeder Witterung gehören zu den rationalen Kaufargumenten für einen Geländewagen bzw. SUV. Der wichtigste Vorteil der Allradtechnik unter schwierigen Bedingungen ist eine verbesserte Spurtreue und eine doppelt so hohe Traktion, da zwei Antriebsreifen hinzukommen.

Kleine Firma mit vielen Varianten

"Autozwerg" Suzuki bietet eine ganze Palette von technischen Möglichkeiten auf, um seine Fahrzeuge auf allen Reifen anzutreiben. Dem Suzuki-Swift sieht man seine Allradtechnik nicht unbedingt an. Der dynamische Flitzer ist auch erst seit Kurzem in der "4x4"-Ausführung zu bekommen. Bei ihm bringt eine Viso-Kupplung die Kraft permanent auf alle vier Reifen, greifen einzelne Reifen nicht, verteilt die Kupplung die Kraft automatisch entsprechend um. Beim Swift soll der Allrad allein mehr Traktion auf normaler Fahrbahn garantieren. Für einen Geländeeinsatz fehlen Bodenfreiheit und Geländeuntersetzung.

Kleine Bocksprünge

Beides findet man im Geländewinzling Jimny. Obwohl technisch in vieler Hinsicht nicht auf der Höhe der Zeit ist der Mini-Geländewagen gerade im Gebirge extrem beliebt. Die übersichtlichen Dimensionen und das geringe Gewicht machen den Jimny in der Wirklichkeit von Waldwegen mobiler, als die hochtechnischen Giganten seiner Zunft. Normalerweise wird beim Jimny allein die Hinterachse angetrieben. Manuell können die Vorderräder mit zugeschaltet werden - per Klauenkupplung. Dann werden Vorder- und Hinterachse starr miteinander verbunden. Konsequent wird auf ein Mittendifferenzial verzichtet. Bei geringem Tempo und losem Untergrund ist das kein Problem, die unausweichlichen Verspannungen im Antriebstrang werden durch "Durchwürgen" der Räder abgebaut. Auf asphaltierter Straße und bei normaler Geschwindigkeit kann der Wagen aber wie bei Pferd bocken. Eine zweischneidige Sache, wer man auf mehr Sicherheit im Alltag hofft, ist beim Jimny nicht an der richtigen Adresse.

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Mehr Komfort für Jedermann

Im größeren Grand Vitara sind diese Verspannungen kein Thema mehr. Er muss das Kunststück fertig bringen, Kunden auf der Straße komfortabel zu transportieren, soll bei Bedarf aber auch eine gute Figur im Gelände abgeben. Zusätzlich zum permanenten Allradantrieb lässt sich hier das Mittendifferenzial sperren, außerdem ist eine Geländeuntersetzung mit an Bord. Unverzichtbar, wenn etwa ein Anhänger aus einer schlammigen Wiese gezogen werden soll.

Die Zukunft mit Elektronik

Im Vergleich zu diesen bodenständigen Lösungen ist der SX4 mit Hightech ausgerüstet. Das IAWD (Intelligent All Wheel Drive) bietet drei verschiedene Varianten. Frontantrieb und starre Kraftverteilung können bei Bedarf vorgewählt werden, permanent sollte man mit der automatischen Antriebswahl fahren. Bis zum Verhältnis 50:50 kann die Antriebskraft dann verteilt werden. Dieses System kombiniert einen moderaten Verbrauch mit der gewünschten Sicherheit eines im Hintergrund schlummernden Allradantriebs.

Spaß auf dem Testparcour

Auf den verschiedenen Teststrecken schlugen sich die Suzukis erwatrungsgemäß prächtig, auch dort wo reine Front- oder Hecktriebler hätten passen müssen. Die unangenehmen Überraschungen der Praxis wurden allerdings ausgespart. Wegen der besseren Traktion beim Beschleunigen und dem mühelosen Bezwingen von Steigungen glauben Allradfahrer gern, dass sie bergab ihr Fahrzeug ebenso leicht zum Stehen bringen werden. Ein Irrtum, im Punkt Verzögerung ist der Unterschied zum Zweiradantrieb minimal. Wer dann für seinen Gelädnewagen auf passende Winterreifen verzichten, weil er ja Allrad hat, verliert mehr als das, was technischen Vorteil einbringt.

Allrad ist sexy

Die Allradpräsenz hilft der Marke, die Eckpunkte der Imagewerbung (Jung, dynamisch, freizeitorientiert) glaubhaft zu verkörpern. Hinzu kommt, dass den neuen Suzukis seit dem Swift auch ein modernes Design spendiert wurde, und der alte Bastel-Schrauber-Look der vergangenheit angehört. Eine eigene Cup-Serie und umfangreiches Sponsoring von Trendsportarten tut das Übrige. Zum Erfolg trägt aber auch entscheidend bei, dass hier "bezahlbarer Lifestyle" geboten wird. Allrad-Urgestein Jimny gibt es für unter 14.000 Euro, den dreitürigen Grandvitara ab 20.500 Euro und den jugendlichen Swift auch im Jahr 2007 ab 9.900 Euro. Bereits 2005 war ein gutes Jahr für Suzuki, von dieser Basis gelang 2006 eine Steigerung der Verkaufszahlen um 13 Prozent auf 30.000 Fahrzeuge. Bis 2010 sollen es 50.000 Einheiten werden, helfen sollen da ein neuer Kleinwagen und der Nachfolger des Altos. Nur das altmodische Arbeitstier Jimny - zur Zeit ist fast jeder fünfte verkaufte Suzuki ein Jimny - wird auch dann noch mit von der Partie sein.

Von Gernot Kramper

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