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Mercedes E-Klasse 4Matic: Allrad packt es besser

Wozu Allrad fragt im Moment niemand. Mit den Allradversionen trotzt die neuen E-Klasse Schnee und Wetter. Das 4Matic-System bringt den Antrieb auf den Boden.

Von Gernot Kramper

"Vollgas, Vollgas! Gib' endlich Vollgas", schreit die Instrukteurin entseelt durchs Walky Talkie. Dabei klebt das Gaspedal schon auf dem Boden. Mehr geht nicht und doch schiebt sich der große Mercedes E-Klasse-Kombi trotz 350er-Motoriserung nur mit Mofa-Beschleunigung vorwärts.

Kein Wunder, denn unter fünf Zentimeter Schnee liegt eine durchgehende Eisschicht auf dem Übungsgelände. Zu Fuß ginge es nur tastend weiter oder auf allen vieren. So gesehen, hält sich der Benz nicht schlecht. Der Sternen-Kreuzer fräst sich dank Allradantrieb "4Matic" durch den Schnee und gräbt sich an den roten Pylonen vorbei. Das zwar relativ langsam, aber dafür sehr präzise. Trotz der rutschigen Unterlage bleibt das Heck in der Spur und die Vorderräder auf Kurs. Der Wagen folgt kreuzbrav dem Lenkeinschlag, niemand muss sensibel gegenlenken. Die roten Zipfel simulieren einen stehenden Skibus. Aufgabe erfüllt, der Aufprall ist vermieden, die Snowboarder gerettet.

Allrad erhöht die Traktion. Große Motoren bekommen ihre Kraft souverän auf die Fahrbahn, bei glatter Oberfläche geht immer noch etwas, wenn andere passen müssen. Allrad für Limousinen und Kombis anzubieten, gehört in der Premiumliga zum Pflichtprogramm. Schließlich bietet die Volkswagen AG nicht nur für edle Audis sondern auch für VWs und Skodas ein opulentes Allradprogramm. Rechtzeitig zum Winter hat auch die neue E-Klasse die Kraft der vier Reifen spendiert bekommen.

"Allrad" ist allerdings nicht "Allrad". Für normale Pkw spielt der althergebrachte Allradantrieb, der die Kraft des Motor brachial durch eine Klauenkupplung auf vier Räder verteilt, bei keinem Hersteller eine Rolle – heutzutage ist das Allradsystem in die Steuerung des ESP und anderer Regelsysteme integriert. Das "4Matic"-System von Mercedes weist allerdings einige Besonderheiten auf. Mercedes macht keine halben Sachen –"4Matic" treibt permanent alle vier Räder an. Das ist ungewöhnlich, viele Hersteller ziehen ein anderes Konzept vor. Um Sprit einzusparen, wirkt lediglich eine Achse und nur bei Bedarf wird Kraft auf die zweite Achse übertragen.

Das funktioniert "blitzschnell" – dauert Mercedes allerdings zu lang. Die E-Klasse verteilt die Kraft permanent im Verhältnis von 45:55 Prozent. Der Vortrieb auf verschneiter Strecke ist daher enorm, auf der Teststrecke zum Timmelsjoch bringt der schwere Wagen seine Power trotz Steigung souverän auf den Schnee. Hier dreht kein Reifen durch und beim Beschleunigen rutscht nichts. In der Kraftverteilung zwischen den Rädern geht Mercedes auch einen eigenen Weg. Während die Konkurrenten bei durchdrehenden Reifen mit einer speziellen Kupplung die Kraft variabel auf die Reifen verteilen, verzichtet der Mercedes auf dieses zusätzliche Bauteil und nutzt die vorhandenen Bremsen. Gezielte Eingriffe bremsen das durchdrehende Rad so weit herunter, bis die verbliebene Antriebskraft wieder Grip findet. Auf der Passstraße bewährt sich diese Variante ausgezeichnet, der Wagen bleibt sicher und erstaunlich leichtgängig auf der abgesperrten Strecke. Der Antrieb reicht aus, um den 1,8-Tonner auf Stuntgeschwindigkeit zu bringen und erst um 100 km/h herum beginnt die E-Klasse in den Spurrillen zu tanzen und es wird Zeit, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Im Alltag zeigt sich die Grenze der Schnee- und Alltagstauglichkeit allerdings nicht beim Vorwärtsstürmen sondern an anderen Stellen. Zum Beispiel bei der Höhe des Schnees.

Überall kursieren Bildern auf denen Allradfahrzeuge munter die Skipisten hinaufkrabbeln. Weniger bekannt ist es, dass für derartige Eskapaden der Schnee penibel präpariert werden muss. In der unfrisierten Wirklichkeit kann das niemand nachmachen, im normalen Tiefschnee versinkt jeder Wagen und schwimmt in der weißen Pracht auf. Eine optionale Luftfederung verschafft der E-Klasse 35 mm mehr Bodenfreiheit. Für Kunden in schneereichen Gebieten in denen nicht jede Flocke sofort geräumt wird, eine sinnvolle Ergänzung zur "4Matic", auch wenn die die E-klasse damit nicht die Bodenfreiheit eines echten Offroaders bekommt.

Ein Nachteil des permanenten Allradantriebs ist der leicht erhöhte Verbrauch. Die 4Matic-Modelle konsumieren zwischen 0,2 und 0,5 Liter mehr Sprit pro 100 Kilometer als die normale Ausführung. Überdies ist die 4Matic nicht mit jeder 4-Klasse zu bekommen. Das Verteilergetriebe ist an die Siebengang-Automatik angebunden, mit Handschalter gibt es daher keine Allradfreuden. Zu den Kosten für die "4Matic" von 1.800 Euro muss man zumindest im Hinterkopf die Mehrausgaben für die Automatik hinzu addieren. Der Einstiegspreis liegt dann auch bei satten 53.729 Euro für den E 350 und den E 350 CDI.

Bei aller Freude über ungestümen Vorwärtsdrang im Schneegestöber darf man eines nicht vergessen. Allrad verteilt lediglich die Antriebskraft, das Bremsverhalten eines Allradlers ist nicht besser als das eines Wagens, der mit dem Antrieb einer Achse auskommen muss. Einfach gesagt: Vier Bremsen hat jeder Wagen. Wenn die Haftung der vier Reifen in der Kurve nicht mehr reicht, kann Allradantrieb helfen, schneller wieder Kontrolle über das Fahrzeug zu gewinnen, die Haftung zum Beispiel auf Eis kann er nicht erhöhen. Dazu müsste man der "4Matic" E-Klasse Schneeketten oder Pneus mit Spikes aufziehen. Das weiß auch die Mercedes-Instrukteurin: "Viele Fahrer wiegen sich in Sicherheit. Sie fahren locker an der Kreuzung los, während alle anderen auf dem Eis herumschlittern. Und dann geben sie Gas, als wenn nichts wäre und an der nächsten Abzweigung rutschen sie dann hoffnungslos weg."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.