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VW Lupo II: Tupi, or not Tupi?

Wenn der Volkswagen Fox in Südamerika an den Start geht, wird er schnell Freunde finden. Viel umbauter Raum für wenig Geld - sowas hätte man auch in Europa gerne. Kein Problem. Spätestens Anfang 2005 kommt der Fox als Lupo auch zu uns.

Wenn Ende Oktober der neue Volkswagen mit dem possierlichen Namen Fox in Südamerika an den Start geht, dürfte der Kleinwagen schnell Freunde finden. Relativ viel umbauter Raum für ganz wenig Geld - sowas hätte man auch Europa gerne. Kein Problem. Spätestens Anfang 2005 kommt der Fox als Lupo auch zu uns.

Dabei sollte der Fox eigentlich Tupi heißen und den alternden Lupo ersetzen. So hatte es VW-Chef Pischetsrieder noch im August angekündigt.

Lange war man sich in der Volkswagen-Konzernzentrale unsicher, was aus dem Lupo werden soll. Der Wolfsburger Winzling basiert in seinen Grundzügen auf der in die Jahre gekommenen Plattform des alten Polo. Weiterentwicklung ausgeschlossen. Die Zeit, ein komplett neues Fahrzeug zu entwickeln, fehlt. Eine Anpassung der aktuellen Polo-Plattform wäre nur für den europäischen Markt nicht wirtschaftlich.

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Lösung aus Brasilien

Die Lösung bricht mit alten Traditionen. Bislang bekamen "abgelegte" VW-Modelle in Südamerika ihr Gnadenbrot. So laufen bei VW do Brasil noch heute fossile Auto-Raritäten wie Santana oder Bully von den Bändern. Die Produktion des Ur-Käfers wurde erst vor wenigen Wochen eingestellt. Bislang ein echtes Erfolgsmodell. Inzwischen finden allerdings immer weniger Kunden gefallen an Uralt-Technik und Steinzeit-Design. So entstand auf Basis des aktuellen Polo das VW-Weltauto Fox. Etwas kleiner als sein deutscher Bruder, und in Sachen Technik und Ausstattung auf ein Minimum reduziert.

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Vom Fuchs zum Wolf

Nun also umgekehrt. VW do Brasil entwickelt ein Auto und hilft damit der Wolfsburger Konzermutter aus der Patsche. 2005 soll der geschrumpfte Polo made in Brazil den Lupo ersetzen. Um vom Fuchs (Fox) zum Wölfchen (Lupo) zu mutieren, wird der Brasilianer aufgerüstet. Neben vernünftigen Kunststoffen im Innenraum sind vor allem europäische Sicherheits-Selbstverständlichkeiten wie Seiten-Airbags, ESP und ABS Pflicht.

Das Design bleibt unangetastet bieder. Der klassische Polo-Look, nur eben kleiner. Große Heckklappe, angedeutetes Kuppeldach und ovale Frontscheinwerfer. Im Innenraum schlägt der Kleine Brücken zum New Beetle: Ein großes Zentralinstrument mit diversen Zusatzanzeigen und reichlich Ablagemöglichkeiten und Staufächer.

Größenwachstum

Genetisch bedingt bringt die Nähe zum Polo ein gewisses Größenwachstum mit sich. Der neue Lupo wird fast dreißig Zentimeter an Länge zulegen. Das schafft Platz für einen vernünftigen Kofferraum (bis 240 Liter) und eine verschiebbare Rücksitzbank. Auf Wunsch wird der Lupo II sogar als Viertürer erhältlich sein.

Um die Verluste für den Polo so gering wie möglich zu halten, muss der Lupo II unter der Haube den Gürtel enger schnallen. Zum Start gibt es lediglich zwei Benziner (55 und 75 PS) und einen Diesel-Motor (70 PS). Geschaltet wird mit einem Fünfgang-Getriebe, eine Vierstufenautomatik soll nachgeschoben werden. Versöhnlich stimmt dagegen der Preis: Um die 8.500 Euro will Volkswagen für den Südamerika-Export verlangen.

In die Röhre werden Fans des Seat Arosa schauen. Mit dem Start des Lupo II kommt der kleine Spanier aufs Abstellgleis. Er passt als praktisches Allerweltsauto nicht mehr zum sportlichen Anspruch der Südeuropäer.

Jochen Knecht

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