"Shaun White Snowboarding" Frost und Frust


Eine Steuerung mit miesem Tricktiming, ein Schwierigkeitsgrad über der Baumgrenze und fehlende Dynamik machen aus dem Funsporttitel "Shaun White Snowboarding" ein Frusterlebnis in frostigen Höhen.

Vier riesengroße Skigebiete in Japan, Europa und den USA, die sich völlig frei erkunden lassen. Das ist doch mal eine Ansage! Doch jeder, der bereits eine Snowboard-Simulation gespielt hat, wird nach wenigen Minuten merken, dass hier etwas nicht stimmt. Ist es die Tatsache, dass die Dynamik des Snowboardings nicht gut rüberkommt? Oder die für Funsport-Games untypische Steuerung - gesprungen wird mit der rechten Schultertaste! - inklusive des ungenauen Trick-Timings? Simple Antwort: Es ist die Kombination dieser beiden Seltsamkeiten, die aus dem Spiel mit dem Olympia-Sieger Shaun White einen amateurhaften Titel macht.

Zu keinem Zeitpunkt stellt sich auch nur ansatzweise ein Geschwindigkeitsgefühl ein. Die meisten Tricks ordentlich zu landen, dürfte nicht einmal Shaun White persönlich hinbekommen, weil das Spiel mit nötigem Feedback geizt und das Ganze an Willkür grenzt. Und auch der rote Faden, der Gamer durch den sehr flachen Story-Modus führen könnte, fehlt völlig.

Somit boarden PS3-, Xbox-360 und Wii-Besitzer etwas orientierungslos durch die riesengroßen Skigebiete, nutzen jede Gelegenheit für Jumps, Rails und andere halsbrecherische Tricks und versuchen sich an verschiedenen Herausforderungen, die jedoch schnell zu Frustanfällen in frostigen Höhen führen. Denn neben der ungenauen Steuerung führt ein über der Baumgrenze angesiedelter Schwierigkeitsgrad dazu, dass bei Rennen bereits kleinste Fehler mit dem letzten Platz bestraft werden und Punktevorgaben bei Trick-Events in unerreichbaren Regionen angesiedelt sind.

Wer dennoch nicht zurücksteckt, darf nach und nach die Fertigkeiten seines Bildschirm-Boarders verbessern und die eingefahrenen Preisgelder in neue Bretter, Bindungen und Klamotten investieren. Den richtigen Kick vermisst man aber auch hier.

"Shaun White Snoboarding" hat jedoch auch seine witzigen Momente. Der Spieler kann beispielsweise Schneebälle auf andere Boarder werfen, um sie aus der Balance zu bringen. Besonders spaßig ist dies im Multiplayer-Modus, an dem bis zu 16 Wintersportverrückte teilnehmen und dabei ihre Solo-Karriere vorantreiben können. Zudem darf man jederzeit sein Brett abschnallen und die Gegend zu Fuß erkunden. Schneller geht's jedoch mit dem Sessellift oder dem Helikopter. Wer sich für das zweite Fortbewegungsmittel entscheidet, landet auf dem Gipfel. Fährt er dann die unpräparierten Hänge herunter, muss er auf Lawinen achten. Die Wii-Version punktet zudem durch die Unterstützung des Balance-Boards.

Shaun White Snowboarding

Hersteller/Vertrieb

Ubisoft/Ubisoft

Genre

Sport

Plattform

PlayStation2, PC, Nintendo DS, PSP, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

30 bis 55 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Optik und Sound sind - abgesehen von einigen unrunden Animationen, der teils avantgardistischen Kollisionsabfrage und den seltsamen Carving-Spuren - ordentlich gelungen. Die Fernsicht ist enorm, der Soundtrack mit zahlreichen Tracks von Pop bis Metal abwechslungsreich. Unterm Strich ist das jedoch zu wenig, um "Shaun White Snowboarding" als gutes Game durchzugehen zu lassen.

Artur Hoffmann/Teleschau TELESCHAU

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