"Wii Music" Werk vom Meister, aber kein Hit


"Wii Music" will die Welt der Musik für Laien erlebbar machen - Misstöne gibt es nicht, dennoch findet das Game keinen rechten Anklang.

Schon die 50 Tracks umfassende Playlist macht deutlich, dass sich "Wii Music" an eine andere Ziel- und Altersgruppe wendet als die Rockstar-Simulatoren der Konkurrenz: Stücke wie "Morgen kommt der Weihnachtsmann", "Bruder Jakob", "Hänschen Klein" oder der Flohwalzer sind darauf zuhauf zu finden. Klassik von Tschaikowski und Beethoven sowie vereinzelte Cover-Versionen von Madonna, Kylie Minoque und The Police runden das dürftige Angebot ab. Spielerisch sollen Laien bei diesem Experimentierkasten zu ersten musikalischen Gehversuchen angeregt werden. Das klingt wenig aufregend - und ist es leider auch.

Was der virtuelle Personal Trainer für Fitness-Spiele ist, ist Sebastian Tutori, ein schnauzbärtiges Kerlchen mit Mozartperücke und Piepsstimme bei "Wii Music". Der persönliche Musiklehrer weist in die Grundlagen der insgesamt 60 simulierten Instrumente ein, deren Bandbreite von Steeldrums und Bassgitarre über Piano, Xylophon und Harfe bis hin zu bellenden Hunden und miauenden Katzen reicht. Später werden Grundkenntnisse über das Arrangieren gepaukt (und trompetet).

Beifall verdient "Wii Music" für die innovative Nutzung der beiden Controller Wiimote und Nunchuk: Diese halten lernwillige Musiker-Azubis im Idealfall auf eine Art, die der echten Spielweise der jeweiligen Instrumente nahe kommt. Für Tasteninstrumente wie Klavier beispielsweise werden die beiden Controller im gewünschten Rhythmus abwechselnd auf und ab bewegt. Verspielen kann man sich dabei nicht - spielt man zu schnell, werden einfach improvisierte Noten hinzugefügt, die erfreulicherweise selbst dann harmonisch bleiben, wenn sich ein völlig talentfreier Dilettant an den virtuellen Instrumenten vergeht. Dann wiederum hält man das Nunchuk, als wäre ein Gitarrenhals, und streicht mit der Wiimote über imaginäre Saiten. Wo bei Trompete, Flöte und Co Luftlöcher zugedrückt werden, drückt der Wii-Musiker stattdessen die Tasten 1 oder 2.

Man kann wahlweise allein musizieren, mit einer Wii-Band oder mit bis zu vier realen Kollegen. Multitalente können auch alle Instrumente selbst spielen, indem wie im Tonstudio eine Spur nach der anderen aufgezeichnet wird. Die eigene Performance lässt sich in sogenannten "Clips" sichern. Je mehr Clips gespeichert werden, desto mehr Lieder, Instrumente und Bühnen werden freigespielt.

Drei Minispiele gehören ebenfalls zum Nintendo-Musiklehrgang. Beim Glockenspiel müssen Töne im richtigen Moment getroffen werden. Bei der "Menschlichen Stimmgabel" gilt es, Töne zu erraten. Dabei stellt sich heraus, ob man nah am absoluten Gehör ist oder eher zu Beethoven im Endstadium tendiert. Spaß macht "Mii Dirigent", wo sich ein ganzes Orchester von Mii-Figuren dirigieren lässt. Witzig: Pausiert der Dirigentenstab zu lang, erntet man irritierte Blicke des kompletten Orchesters. Besitzer eines Balance Boards kommen zudem in den Genuss eines 15-teiligen Schlagzeugunterrichts, bei dem die Bass Drum und andere Fußpedale von der Hightech-Waage gesteuert werden.

Wii Music

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Abgesehen von diesen Highlights aber ist "Wii Music" ähnlich spannend wie Malen nach Zahlen oder ein ARTE-Themenabend mit allen Folgen von "Joy Of Painting" mit Bob Ross. Weil man keinerlei Rückmeldung über die eigene Leistung erhält, was für kritikempfindliche Anfänger pädagogisch vielleicht hilfreich sein mag, schlägt die Motivation und Stimmung bereits nach wenigen Akkorden von Dur in Moll um. Wie zugkräftig jedoch der Name Shigeru Miyamoto ist, erkennt man am japanischen Markt: Ohne qualitativ ein echter Hit zu sein, dominiert "Wii Music" die Verkaufscharts.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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