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Bundestag setzt weiter auf Windows XP: Uralt-Technik kostet die Steuerzahler 120.000 Euro

Sieben Jahre hat der Bundestag verschlafen, von Windows XP auf ein anderes System zu wechseln. Um die Politiker vor Hacker-Angriffen zu schützen, zahlt der Steuerzahler nun 120.000 Euro.

Von Malte Mansholt

Den Umstieg verschlafen: Trotz der häufigen Tablet-Nutzung im Bundestag setzen die Abgeordneten am Rechner noch häfig auf das veraltete Windows XP.

Den Umstieg verschlafen: Trotz der häufigen Tablet-Nutzung im Bundestag setzen die Abgeordneten am Rechner noch häfig auf das veraltete Windows XP.

Viele Politiker geben sich gerne modern, während Bundestagsdebatten sieht man sie ständig mit Smartphones oder Tablets daddeln. Geht es um das Betriebssystem, zeigt der deutsche Bundestag aber eine erschreckende Rückständigkeit: Viele der 7300 Rechner laufen noch mit dem veralteten Windows XP - und kosten die Steuerzahler dadurch knapp 120.000 Euro, die Kosten des Umstiegs nicht mitgerechnet.

Diese Summe verlangt Microsoft für einen erweiterten Support-Vertrag, den der Bundestag mit dem Konzern abgeschlossen hat. Das hat das "Handelsblatt" auf Anfrage an die Bundestagsverwaltung erfahren. Wie viele Rechner genau betroffen sind, gab die Behörde aber nicht bekannt. Der zusätzliche Vertrag ist nötig, weil Microsoft Windows XP offiziell gar nicht mehr unterstützt: Seit dem 8. April diesen Jahres gibt es weder Funktions-, noch Sicherheitsupdates. Trotzdem ist das System weiter im Einsatz. Erst im Januar 2015 soll XP ganz aus dem Bundestag verschwinden.

Beliebtes Angriffsziel

Bei Hackern und Cyberkriminellen ist Windows XP sehr beliebt, denn einmal entdeckte Sicherheitslücken werden nicht wieder geschlossen - sie lassen sich also effektiver nutzen als bei Systemen mit Sicherheitsupdates. Aus diesem Grund bietet Microsoft auch den erweiterten Support an. Große Firmen und Behörden zahlen gerne für die fortgesetzte Sicherheit, die dieser ihnen bieten. Dabei wären die zusätzlichen Kosten vermeidbar: Bereits 2007 kündigte Microsoft an, den Support dieses Jahr einzustellen. Eigentlich genügend Zeit, auch eine größere Zahl von Rechnern mit einem neuen Betriebssystem auszustatten.

Der Grund für einen verzögerten Wechsel liegt meistens in seinen Kosten. Neben der Anschaffung des Systems selbst verursachen natürlich auch die eventuell benötigte neue Hardware und aktualisierte Programme zusätzliche Ausgaben. Auch bei Privatpersonen spielen solche Abwägungen eine Rolle. In Politik und Wirtschaft ist allerdings der zu erwartende Schaden durch einen Angriff ungleich höher.

Riskantes Abwarten

Trotzdem ist der Bundestag mit dem Phänomen nicht alleine, laut "Handelsblatt" ist Windows XP auch bei der Bundeswehr und einer ganzen Reihe von Behörden weiterhin im Einsatz. Auch viele kleine Betriebe und Privatnutzer setzen noch auf das neue System - mit unabwägbarem Risiko. Denn mittlerweile sind eine ganze Reihe von kritischen Fehlern bekannt, die sich für bösartige Zwecke missbrauchen lassen. Windows XP sollte daher allerhöchstens auf Rechnern ohne Internetzugang benutzt werden, selbst einen USB-Stick einzustecken ist eigentlich bereits zu gefährlich. Langfristig ist ohnehin nur der Wechsel auf ein aktuelles Betriebssystem empfehlenswert.