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Drahtlose Datenübertragung: Völlig losgelöst

Die Abschaffung der Kabel ist der wichtigste Trend auf der CeBIT. stern-Redakteur Thomas Borchert versuchte jetzt schon mal, seine Welt zu entdrahten.

Es gibt Technologien, die klingen gar nicht so aufregend, wie sie sind. Was kann schon so toll daran sein, beim Internet-Surfen auf das Anschlusskabel zu verzichten? Was habe ich davon, auch im Bett online zu sein? Und warum muss ich im Café E-Mails lesen?

Nur für Technik-Freaks interessant? Dachte ich...

"Wireless" - schnurlos, also der Ersatz aller möglichen Kabel durch Funkübertragung - das klingt irgendwie nur für Technik-Freaks interessant. Dachte ich. Bis ich's ausprobiert habe. Mit Freunden plante ich im Wohnzimmer vorm Kamin einen Kurzurlaub - und dabei drängten sich alle um den Notebook-PC, der ganz ohne Kabel zum Telefonanschluss im ersten Stock funkte und so im Internet hing. Ein Hotel war mit ein paar Mausklicks online gebucht, die Online-Fotos vom Strand wurden samt Notebook herumgereicht.

Nach diesem Schlüsselerlebnis beschloss ich, meine Welt zu entkabeln und möglichst viele "Wireless"-Geräte auf einmal auszuprobieren. Das Resultat: "Wireless" ist toll - aber manchmal erst nach erheblichem Gefummel. Dem ersten Teil dieses Satzes werden die Aussteller auf der diesjährigen Computer-Messe CeBIT in Hannover begeistert zustimmen - in der Branche herrscht große Einigkeit darüber, dass "Wireless" das nächste große Ding ist. Den zweiten Teil des Satzes hören die Herrschaften in Hannover nicht so gern.

Zwei neue Begriffe gilt es zu lernen

Wer den glückseligen Zustand des "Wireless" erreichen will, muss mindestens zwei neue Begriffe kennen lernen: WLAN und Bluetooth. Beides sind Funktechniken für die Datenübertragung - WLAN ("Wireless Local Area Network") vernetzt vor allem Computer, Bluetooth ersetzt Anschlusskabel auf kurze Distanzen.

Sofa statt Arbeitszimmer

Zuerst WLAN: Der PC meiner Frau steht samt ISDN-Anschluss und Drucker im Arbeitszimmer im ersten Stock. Wenn ich mit dem Firmen-Notebook zu Hause ins Netz wollte, ging das früher nur oben, nicht etwa auf dem Sofa im Wohnzimmer. Dafür ein Kabel quer durch das Haus zu verlegen, lohnt nicht. Aber ein WLAN schon: Die Funknetzwerkkarte für das Notebook gibt es für unter 100 Euro, neuere Modelle haben WLAN sogar von Haus aus eingebaut. Und eine WLAN-Schaltstelle, im Fachdeutsch "Access Point" oder "Router" genannt, ist für etwa 200 Euro aufwärts zu haben. Meine, für 375 Euro, kann auch mit ISDN-Anschluss und PC oben verbunden werden.

Überraschung: Es funktioniert!

Alles einschalten - und es ereignet sich einer der wirklich seltenen Momente im Leben eines Computerbenutzers: Es funktioniert! Sofort! Mein Laptop kann ins Internet, er "sieht" Daten auf dem PC und vermag sogar dessen Drucker zu benutzen. Endlich kann sich mein Rechner voll entfalten: Einen Stromanschluss braucht er dank Batterie ohnehin nicht, jetzt geht er auch kabellos ins Netz. Surfen vom Sofa ist so bequem und praktisch, dass mich schon das zum WLAN-Fan macht. Freunde lösen so ihr Kinderzimmerproblem: Die Teenies wollen mit ihrem PC ins Netz, der aber fernab aller Anschlüsse steht. Statt Kabelgewirr und Wanddurchbrüchen sorgt ein Funknetz für Anschluss.

Etwa 100 Meter Funkreichweite im Freien, zirka 30 Meter in Gebäuden versprechen die WLAN-Hersteller. Das, merke ich schnell, ist optimistisch. In meiner Doppelhaushälfte reicht der Datenfunk vom ersten Stock durch die Betondecke ins Erdgeschoss - aber nicht bis in den Keller. Doch auf der Terrasse werde ich im Sommer online sein.

Sushi und Surfen

Die unscheinbare WLAN-Karte bringt mein Notebook nicht nur zu Hause an die vorderste Front der High-Tech-Bewegung: Mit stetem Erstaunen entdecke ich, wo es überall öffentliche WLAN-Zugangspunkte ins Internet gibt, so genannte Hotspots. Das Marriott in München ist eines von vielen Hotels, in dem ich mit meinem PC kabellosen Anschluss finde - egal, ob in der Lobby oder auf dem Zimmer. Der Spaß kostet allerdings fast 20 Euro pro Tag. Im Restaurant Sushi Factory in Hamburg geht's billiger. Hinter dem Tresen schlitzen japanische Köche tote Fische, auf dem Laufband passieren Maki und Sashimi. Davor ich und mein Notebook. Der meldet sofort das vorhandene Netz. Kurze Anmeldung genügt, und ich bin drin - kostenlos. Mehr als 30 Restaurants und Bars in Hamburg bieten diesen Service (mehr dazu im stern.de-Extra "Drahtlos surfen". Die anderen Gäste gucken etwas irritiert, während ich meine Mail checke, aber ich finde es überraschend praktisch.

In "Sachsen-Anhalt" über den Atlantik

Im Internet entdecke ich Verzeichnisse von Hotspots in aller Welt - kostenlose wie gebührenpflichtige. Es gibt Tausende, in Hotels, Museen, auf öffentlichen Plätzen. Der mit Abstand coolste Hotspot allerdings heißt "Sachsen-Anhalt". Die Lufthansa-Boeing dieses Namens fliegt auf der Strecke Frankfurt-Washington mit einem High-Speed-Internetzugang - und einem WLAN, das sich durch das ganze Flugzeug erstreckt. So plaudere ich per Instant Message mit Kollegen und schicke sogar einen Gruß auf den Bürodrucker. Bis April geht der kostenlose Test noch - 2004 soll die gesamte LH-Langstreckenflotte mit einem kostenpflichtigen Zugang ausgestattet werden. Stecker für Netzwerkkabel gibt's natürlich auch.

Risiken gibt's auch

So problemlos der Anschluss funktioniert - WLAN ist nicht ohne Risiken: Das Abhören der Funkverbindung ist recht einfach; Hacker können so fremde Internetverbindungen nutzen. Um mein WLAN sicherer zu machen, ist Handbuchstudium und Gefummel mit den Computereinstellungen nötig.

Der größte Einwand von Freunden und Verwandten - selbst derer, mit denen ich den Urlaub gebucht habe - ist allerdings ein ganz anderer. Er gilt der Gesundheit: "Aber die Strahlung!" ist der immer gleiche Kommentar all derer, die nicht "Wie cool!" sagen. Mir fehlt das Verständnis: Nicht einmal für Handys gibt es einen konkreten Nachweis einer Schädlichkeit. WLAN- und erst recht Bluetooth-Sender sind aber noch um ein Vielfaches schwächer. Die Anbieter allerdings haben da wohl ein kleines Marketingproblem.

Bluetooth mit Zahnschmerzen

Das ist, wenn es um Bluetooth geht, nicht das einzige. Denn Bluetooth macht technische Probleme. Dabei verspricht es so viel: Alle Geräte sollten sich im Prinzip mit allen anderen verstehen. Auf bis zu zehn Meter Entfernung müssten entsprechend ausgestattete PC, Drucker, Stiftcomputer, Kameras, Tastaturen, Mäuse, Handys oder Headsets problemlos kommunizieren können. Schön wär's. Manche finden gar keinen Kontakt, andere melden zwar die Verbindung, übertragen dann aber keine Daten.

Dreamteam: Handy und Headset

Die gute Nachricht: Handy und Headset geht immer. Für wenig mehr als 100 Euro gibt es zum Bluetooth-fähigen Handy zauberhafte Ohrbehänge, die freies Sprechen in jeder Lebenslage erlauben. Ich gewöhne mich sogar an die komischen Blicke derer, die mich damit für einen Außerirdischen halten: Mein alter Knopf fürs Ohr mit herunterbaumelnder Strippe war eindeutig hässlicher. Auch das Komplett-Paket von Microsoft mit Bluetooth-Adapter für den PC, drahtloser Tastatur und Maus funktioniert erst mal hervorragend. Wenn der eigentlich universelle Adapter jedoch mit Handy, Drucker oder gar Stiftcomputer Kontakt aufnehmen soll, funktioniert das nicht. Ursache sind Software-Probleme - "Treiber-Updates" sollen so etwas zukünftig verhindern. Wer mag darauf schon warten? Auch Nokia baut Bluetooth-Handys, die nicht wirklich universell sind. Zwar können sie sich zur Datenübertragung mit vielen Adaptern verbinden, doch die Konfigurationssoftware von Nokia funktioniert per Bluetooth nur mit dem Nokia-Adapter.

Immerhin: Mein Handy liegt irgendwo in der Aktentasche, das Notebook erkennt per Funk dessen Anwesenheit und wählt sich per Handy ins Internet ein - das ist schon praktisch. Und mit meinem Pocket-PC-Stiftcomputer kann ich im Büro vom Schreibtisch aus auf den Bluetooth-fähigen Drucker senden und so Termine zu Papier bringen - auch gut.

Fazit

Wer einmal drahtlos auf dem Sofa surfte, wird die wunderbare Welt des "Wireless" nicht mehr missen wollen. Schon zeichnet sich ein heimischer Zentral-PC ab, der per Funk im ganzen Haus Internet, Video und Digitalmusik auf Displays aller Art verteilt - noch allerdings reicht das Tempo dafür nicht. Mit Bluetooth lässt sich der Kabelsalat vor allem unterwegs mindern, wenn Computer, Handys und Freisprechanlagen verbunden werden wollen. Der Ausblick in die etwas fernere Zukunft geht noch weiter. Dank Funkverbindungen wird, so einer der Lieblingsausblicke der Visionäre, die Welt eine elektronische Haut überziehen, in der alles drahtlos kommuniziert: Stromzähler, Parkuhren, Türschlösser, U-Bahn-Fahrkarten.

Ganz klar, welches Kabel dann immer noch da sein wird - störender denn je: das Batterie-Ladekabel.

Thomas Borchert / print
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.