Kommentar Die Knochenbrecher von Electronic Arts


Mit einer neuen Spielreihe will Games-Riese Electronic Arts Sportspiele für jede Altersklasse anbieten. Das Motto lautet: Spaß für die ganze Familie. Doch der Titel des ersten Spiels klingt wie der Aufruf zur Körperverletzung. Anlass für eine neue Gewaltspieldiskussion?
Von Gerd Blank

Der Bundestag steht kurz davor, das Verbot "gewaltbeherrschter Spiele" zu beschließen. Also Spiele, die nur zum Selbstzweck und ohne inhaltlichen Kontext auf Gewalt setzen, mehr noch: deren einziger Inhalt Gewalt ist. Die Diskussion um Gewaltspiele zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Gewalt ist und gerne wird dabei Ursache mit Wirkung verwechselt.

Der gesellschaftliche Wandel spiegelt sich in allen Aspekten der Kultur wieder. Schlingensief provoziert mit blutigen Theateraufführungen und Tarantino zelebriert Brutalität so sehr, dass die Leinwand trieft. Dabei handelt es sich oft um Erwachsenenunterhaltung, von vornherein als für Kinder ungeeignet eingestuft. Bei Spielen ist die Differenzierung zwischen Kinderspielen und Games für Erwachsenen für die Öffentlichkeit nicht ganz klar. Gerne wird der Computerspieler an sich noch als Gewaltfreak abgestempelt.

Um mehr spielerische Vielfalt zu demonstrieren und damit die Unternehmen ihre Kids-Produkte an den Mann - oder besser - an die Jüngsten verkaufen können, müssen neue Label her. Begriffe, die sofort zu erkennen geben, für wen diese Spiele sind. Electronic Arts, einer der größten Anbieter von digitaler Unterhaltung, will nun Sportspiele für die wachsende Gruppe der Casual-Spieler anbieten. Die Marke "Freestyle" ist dann auch für Pixelsportler, die kaum einen Joystick richtig zu bedienen wissen. Auch die Wii-Generation soll mit viel Spaß mitspielen dürfen. Jeder kann und soll ran.

Doch aus welchem Grund nennt Electronic Arts das erste Spiel "Facebreaker"? Ein harmloses Boxspiel für alle Altersgruppen soll es sein. Der Name "Gesichtsbrecher" lässt aber schlimmeres vermuten. Warum heißt es nicht einfach "Box!" oder "Ring frei"? Worauf dürfen wir uns noch freuen? Auf die Fußballsimulation "Blutgrätsche"? Oder Ski-Springen á la "Runter kommen sie alle"? Auch ein Rennspiel mit dem Namen "Totalschaden" wäre doch sicher ein Verkaufsschlager.

Vielleicht zeigt Electronic Arts mit der Namensgebung auch nur, dass die Sprache des Schulhofs endlich auch in der Markenfindung Einzug hält. Eltern, so wohl die Annahme, verstehen ihre Kinder nicht mehr. Die sind eh brutal sozialisiert, geben wir ihnen also, was sie wollen - ein paar aufs Maul, wenn auch nur virtuell.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker