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Videogames Streit um Lizenzen: Nach "Fifa 23" ist bei der erfolgreichen Games-Reihe Schluss

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Die Fifa-Reihe von EA ist enorm beliebt
© EA Sports Twitter/FIFA 18
Seit Jahren gehört die "Fifa"-Reihe des Entwicklers EA zu den meistverkauften Spielen. Nun wurde ihr Ende angekündigt. Komplett ohne Fußball müssen die Fans aber nicht auskommen.

Es war so sicher wie das Amen in der Kirche: Jedes Jahr im Herbst erschien von Entwickler Electronic Arts, kurz EA, ein neuer Teil der "Fifa"-Serie. Und verkaufte sich zuverlässig wie geschnitten Brot. Doch nun wird die ikonische Serie zu Ende gehen: EA wird ab nächstes Jahr keine weiteren Titel der Reihe veröffentlichen.

Das meldeten der Entwickler und der namensgebende Fußball-Verband Fifa gestern Abend unabhängig voneinander. Das Ende der 30-jährigen Kooperation kommt wegen eines Lizenz-Konflikts zustande: Der Fußball-Verband will künftig eigene Spiele unter seiner Marke herausbringen. Das für den Herbst diesen Jahres erwartete "Fifa 23" wird der letzte Titel der bisherigen Reihe sein.

Es geht weiter - aber anders

Das heißt natürlich nicht, dass EA es aufgeben wird, weiter Fußball-Spiele zu entwickeln. Die bekannte Reihe wird nach Angaben des Unternehmens allerdings umbenannt, sie soll nun "EA Sports FC" heißen. Wie bei den Vorgängern werde man weiter die bekannten Spielmodi, Ligen, Clubs und Turniere sehen, verspricht der Entwickler.

Gerade bei letzteren könnte das aber schwierig werden. Die Weltmeisterschaft – ohne Zweifel das wichtigste Fußball-Turnier der Welt – wird nämlich von der Fifa veranstaltet. EA müsste also die Genehmigung bekommen, das Turnier auch ins eigene Spiel einzubauen. Bei den einzelnen Ligen und den Clubs sieht die Situation etwas anders aus, hier hat der Konzern auch Lizenzen mit den Verbänden oder Vereinen ausgehandelt.

Eine Frage des Geldes

Tatsächlich dürfte das schnöde Geld eine wichtige Rolle bei der Trennung gespielt haben. Pro Jahr soll EA bislang etwa 150 Millionen Dollar für die Lizenz gezahlt haben, die Fifa soll für die nächsten zehn Jahre aber 2,5 Milliarden Dollar gefordert haben, was nahezu einer Verdoppelung entspricht, berichtete die "New York Times". Zudem hatte der Verband begonnen, mit dem EA-Konkurrenten Epic Games eigene Kooperationen aufzubauen, um Spieler in dessen Spiel "Fortnite" unterzubringen. Auch Werbepartnerschaften mit einzelnen Unternehmen seien unterbunden worden, weil der Fußball-Verband Exklusivpartner hatte, berichtete "Videogames Chronicle" unter Berufung auf ein internes Meeting. Als Beispiel soll Nikes Wunsch nach mehr Werbung genannt worden sein, der aber wegen einer Partnerschaft mit Konkurrent Adidas abgelehnt werden musste.

Laut EA könnte der Lizenz-Verlust neue Möglichkeiten bieten, sich kreativ auszutoben. So gab es etwa im Frühjahr Gerüchte, dass bei internen Meetings auch die Option diskutiert worden sei, andere Spielmodi als das klassische Spiel mit Mannschaften aus 11 Spielern zu entwickeln. Das sei von der Fifa aber blockiert worden, so "Videogames Chronicle".

Diese Situation soll letztlich für die Entscheidung gesorgt haben, auch ohne Lizenz weiterzumachen. "Was wir von der Fifa letztlich außerhalb eines Weltmeisterschaftsjahres bekommen, sind vier Buchstaben auf der Schachtel", erklärte EA-Chef Andrew Wilson dem Bericht zufolge. "Und das in einem Geschäft, bei dem die Kunden das Spiel immer öfter herunterladen - und die Schachtel gar nicht zu Gesicht bekommen."

Quelle: Pressemitteilungen, New York TimesVideogames Chronicle


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