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Scheibes Kolumne: Ich werde Golf-Profi!

Es ist so weit, der vierzigste Geburtstag ist überstanden, jetzt beginnt der Rest vom Leben. stern.de-Kolumnist Scheibe beschließt, diesen neuen Lebensabschnitt mit Golfen zu würzen. Das Internet hilft dabei, die Profikarriere vorzubereiten.

Am Anfang war ein Geburtstag von Freunden. Die feierten mitten auf dem Golfplatz und schenkten allen Gästen erst eine gemeinsame Golfstunde und dann ein kleines Turnier auf dem 6-Loch-Übungsplatz. Immer schon fand ich Golf doof wie nur irgendwas. Als dann aber der Schläger auf der Driving Range perfekt geschwungen gegen den kleinen Ball krachte und der daraufhin mit einem hellen "Tock" weit über hundert Meter über den Rasen schoss, war es um mich geschehen. Mensch, das macht aber Laune.

Zum Geburtstag habe ich dann einen Gutschein für zehn Trainerstunden bekommen. Seitdem finde ich mich immer mittwochs auf dem nahe gelegenen "Potsdamer Golfclub" in Tremmen ein, um mich hier von Lehrer Sven Busch zum Experten ausbilden zu lassen. Bei strahlendem Sonnenschein den halben Tag im Grünen zu sein, wo es keine stressigen Anrufe, keine sekündlich eingehenden E-Mails und keine klingelnden Paketboten gibt, das hat schon etwas für sich. Auch wenn ich eine doch so simpel aussehende Sache wie den perfekten Golfschlag immer nur aus Zufall hinbekomme - und ansonsten die Bälle so "gekonnt" abschlage, dass sie sofort so weit nach rechts oder links verziehen, dass sie im Buschwerk landen.

Wie bekommt man Platzreife?

Auf dem Weg zum zweiten Tiger Woods ist sicherlich noch ein weiter Streifen übers Grün zu laufen. Bei meinen Vorbereitungen kann mir aber ganz bestimmt mein Computer helfen. Also schaue ich zunächst bei der Wikipedia nach, wie ich eigentlich die "Platzreife" bekomme, die ich brauche, um den "richtigen" Golfplatz mit seinen 18 Löchern betreten zu dürfen. Ich lerne, dass ich mit einem PGA-Golflehrer eine Runde über den Golfplatz gehen muss, um ihm gegenüber zu beweisen, dass ich einen solchen Platz auch beherrschen kann, ohne ihn zu zerlegen und alle anderen Golfer zu behindern (oder zu erschlagen). Dabei darf ich auf den Bahnen nur eine bestimmte Anzahl Schläge benötigen, die dem Anfänger-Handicap 54 entsprechen. Übersetzt heißt dies, dass ich 54 Schläge mehr zum Einlochen auf 18 Bahnen einsetzen darf, als das jeweilige Par der Bahnen vorgibt. Ich habe aber schon gehört, dass es auf meinem Platz nur 9 Bahnen sind, die ich meistern muss.

Zum Golfspielen gehören Schläger. Ich habe mir erst welche geborgt, aber die sind für mich zu kurz. Ich höre von Eltern und Freunden, wo es überall in der Stadt günstige Komplettsets geben soll. Als alter Onliner bin ich aber mehr auf meine eigenen Recherchen im Internet fixiert. Und so suche ich ein paar Stunden, bis ich dann doch ein superbes Angebot bekomme. Ein komplettes Schlägerset einer Markenfirma wurde inklusive Bag von tausend Euro auf zweihundert und ein paar Zerquetschte reduziert. Das sind Schnäppchen, wie ich sie liebe. Ich schlage bei "Golf und günstig" zu und erhalte das Paket bereits zwei Tage später mit der Post zugestellt - noch bevor das Geld abgebucht ist. Super: Ich habe sogar noch die Variante mit biegsamen Graphitschäften ergattern können. Die verzeiht Fehler beim Abschlagen und prellt einem nicht gleich den Schläger aus der Hand, wenn man mal wieder kräftig in den Boden pflügt.

Schieben statt tragen

Da es viel zu anstrengend ist, die schwere Golftasche mit allen Schlägern über den Platz zu wuchten, kauf ich mir im "Golf Outlet" einen Trolley, auf dem man die Golftasche montierten und dann auf Rädern übers Grün schieben kann. Das Modell, das ich dort finde, hat immerhin drei Räder und kostet trotzdem unter 100 Euro.

Jetzt heißt es üben für die Platzreife. Aber wie kann ich das, wenn ich die 18 Bahnen noch gar nicht betreten und spielen darf? Kein Problem. Am Sonntag fahren wir zu siebt nach Flesensee in Meck-Pomm, um hier den "Golf & Country Club Flesensee" zu besuchen. Der betreibt u.a. den Coca-Cola Course mit neun Löchern, den jeder betreten darf, der möchte. Hier sind die Bahnen kürzer und die Löcher größer - der perfekte Platz zum Üben, wie man auch im Internet sehen kann.

Nun ja, dann kann es ja langsam losgehen. Wenn Sie an dieser Stelle in den kommenden Wochen keine Glossen, Kolumnen und andere Späße mehr vorfinden, dann hat es geklappt mit dem Wunschtraum Naturtalent und Profigolfer. Schalten Sie dann das Fernsehen ein. Der, der Tiger Woods dazu bringt, seine Schläger zu verspeisen - das bin ich!

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania