Scheibes Kolumne Träume von der Wii Fit


stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe hatte in Berlin die Gelegenheit, sich die neue Wii Fit anzusehen. Das Gerät ist eine Wucht und weist nur einen "Nachteil" auf: Es ist sehr intelligent und sogar dazu in der Lage, das eigene Gewicht zu messen. Das sorgt für erste Alpträume in der Nacht.

Unsere Familie liebt die Wii. Meine Frau spielt Tennis, ich schlage mit Tiger Woods Golfbälle ab, mein Sohn zaubert sich durch das Harry Potter Spiel und meine Tochter spielt am liebsten Happy Feets oder wie das Game mit den tanzenden Pinguinen wohl heißen mag. Wir alle schätzen an der Wii den Zwang zur eigenen Bewegung. Man hängt eben nicht wie ein nasser Schluck Wasser auf der Coach, sondern ist gezwungen, sich hinzustellen und ordentlich zu ackern.

Nun kommt mit der Wii Fit die erste offizielle Erweiterung für die Wii daher. Wir hatten Gelegenheit, uns das Gerät einmal in Berlin im Rahmen einer Presseveranstaltung anzusehen. Nun, die Wii Fit ist eine breite flache weiße Plattform, die so aussieht, als hätte man zwei Waagen nebeneinander gelegt. Ohne Schuhe stellt man sich auf dieses Gerät, das sofort den Körperschwerpunkt misst und jede noch so kleine Gewichtsverlagerung mitbekommt. So ist es kein Problem, mit der Wii Fit zum Skispringer zu werden, über ein freischwebendes Seil zu balancieren oder Joga-Übungen zu machen. Das Gerät misst den aktuellen Stand des Anwenders so genau, dass es wirklich möglich ist, Aerobic-Übungen vor dem Fernseher zu machen oder dem Kraftsport zu huldigen - etwa mit Liegestütze direkt auf dem Gerät.

So weit so gut. Bei der Präsentation konnten wir uns das bei vegetarischen Häppchen und Red Bull aus der Büchse sehr gut ansehen und die Wii Fit, die Ende April kommen soll, auch selbst ausprobieren. Klarer Tenor unter den anwesenden Journalisten: Muss man haben. Macht Sinn. Und macht auch Spaß.

Nun kann die Wii Fit aber etwas, das ist recht unheimlich für alle Mitglieder der Familie, die ein wenig mehr Gewicht auf der Hüfte mit sich herumtragen. Richtig, das Gerät funktioniert auch als Waage. Nun ist unsere Waage schon aus gutem Grund seit dem letzten Amerika-Urlaub spurlos verschollen. Man möchte ja nicht auch noch schwarz auf weiß mit der unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden. Und jetzt kommt die Wii Fit und berechnet nach der Eingabe der eigenen grundlegenden Daten wie Geschlecht, Geburtstag und Größe automatisch bei jedem Einsatz auch noch das Gewicht, um den BMI und die eigene Befindlichkeit auszuposaunen. Da kriegt man ja Alpträume. Fitness-Alpträume.

Mich erwischt es gleich in der Nacht der Präsentation. Trotz zwei Cola und zwei Red Bull schlafe ich dank völliger Überarbeitung sofort ein wie ein Baby. Aber das Unterbewusstsein ist noch wach. Und so träume ich, wie wir eine große Party mit vielen Gästen feiern und ich aus Versehen auf die Wii Fit trete. Sofort schaltet sich der Fernseher ein und eine laute Stimme sagt vor allen Gästen: "Du hast zwei Kilo zugenommen. Warte - ich analysiere. Schuld daran sind viel zu viel Cola, viel Süßigkeiten und zu wenig Bewegung. Bitte mache sofort 20 Yoga-Übungen." Au weia, wie demütigend wäre das denn? Zum Glück träume ich ja nur.

Und ich träume weiter. Meine Frau liebt Aerobic und würde die Wii Fit mit dem entsprechenden Fitness-Programm sofort mit Beschlag belegen. Nun stelle ich mir vor, sie verlässt mal kurz das Wohnzimmer und der Hund nutzt die Gelegenheit, um sich auf die wame Wii zu legen. Dann müsste gleich die Stimme des Gewissens aus dem Fernseher erklingen: "Sie haben soeben 50 Kilo abgenommen, sollten sich aber dringendst einmal wieder die Beine rasieren."

Nachts, so erfahre ich im Schlaf, ist die Wii Fit auch noch als Einbrecherfalle zu verwenden - und besser als jede Alarmanlage. Steigt der Einbrecher aus Versehen auf die Wii, ertönt schon wieder die Stimme aus dem Fernseher: "Vielen Dank, lieber Einbrecher. Sie wiegen 88 Kilogramm. Aufgrund ihres Standes und der Entfernung der Füße voneinander schätzen wir Ihre Größe auf einen Meter 78. Ihr Stand legt nahe, dass Sie fünf Jahre lang Fußball auf Ascheplätzen gespielt haben und ein künstliches Hüftgelenk besitzen. Sie spielen inzwischen statt Fußball Golf und zwar mit Handicap 15. Auch das lässt sich aus dem Stand ermitteln. Ihre Daten wurden soeben der Polizei übermittelt. Und jetzt bitte recht freundlich für ein Wii Fit Foto mit der Digicam vor Ihnen auf dem Fernseher. Bitte warten Sie, bis die Polizei eintrifft. Wenn Sie vorher die Wii Fit verlassen, sind wir genötigt, Sie mit einem kurzen und leider schmerzhaften Starkstromschlag schachmatt zu setzen. Einen schönen Tag noch."

Zugegeben, da geht die Fantasie mit mir durch. Aber das Jahr ist ja noch jung. Und wer weiß, mit welchen Applikationen für die Wii Fit Nintendo uns noch überraschen wird.

Carsten Scheibe, Typemania


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