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Scheibes Kolumne: Worauf wir 2008 verzichten können

Am Ende eines Jahres zieht jeder gern Bilanz und überlegt sich, was im neuen Jahr anders werden soll. stern.de-Mitarbeiter Scheibe schaut zurück im Zorn und wünscht sich, dass einige lästige Dinge lieber im alten Jahr bleiben und uns fortan nicht mehr belästigen.

Was hat uns das Jahr 2007 gebracht? Keine Frage: Monströse Flachbildfernseher sind endlich erschwinglich geworden, das Notebook hat den Desktop-PC verdrängt, das iPhone gilt als der Kultgegenstand per se, und mit der Nintendo Wii können wir direkt im Wohnzimmer eine Menge Bauchspeck abbauen. Zugleich geht ohne das Internet gar nichts mehr, Spiele für den PC boomen wieder, und die Wirtschaft schafft endlich mal wieder neue Arbeitsplätze, sodass die Leute mehr Geld für allen nur erdenklichen Schnickschnack ausgeben können.

Doch bei all den tollen Erfindungen und Neuerungen des Jahres 2007 gibt es auch so einiges, auf das wir gern verzichtet hätten:

Die Popup-Werbung mit dem X

Es ist schön, dass die Online-Werbung boomt. Ich habe nix gegen Banner, Google-Werbung oder Werbeblöcke, die sich wie eine Krake um ein redaktionelles Angebot herumschlängeln. Was mich nervt, sind diese Flash-Popups, die sich urplötzlich genau über den Text legen, den ich gerade lesen möchte. Manchmal blenden sich diese Werbeeinblender ganz von allein wieder aus, sodass ich nur ein paar Sekunden lang Däumchen drehen muss. Manchmal muss ich aber auch einen X-Button anklicken, der entweder nicht zu finden ist oder so unter dem Browser-Seitenrand verschwindet, dass ich ihn partout nicht erreichen kann. So oder so nervt diese Werbeform extrem und sollte schleunigst abgeschafft werden.

Viagra-Mails für die Libido

Spam-Werbung kann manchmal recht unterhaltsam sein. Meine 200 Spam-Botschaften pro Tag werden inzwischen sehr zuverlässig von meinem Mail-Programm ausgefiltert, sodass ich sie in einem Rutsch löschen kann. Manchmal lese ich sie auch, um zu sehen, was momentan so Trend ist. Leider ist es immer wieder dasselbe. Immer geht es nur um Viagra, als sei das die Wunderdroge des neuen Jahrtausends. Hätte ich nur jedes hundertste Mal zugeschlagen, wenn ich so eine Mail erhalten habe, dann könnte ich meine ganze Stadt zu einer Orgie griechischen Ausmaßes einladen. Also: weg damit.

Abmahnungen, bis der Arzt kommt

Für mich die Farce des Jahres: Ebay-Verkäufer werden teuer abgemahnt, weil ihre Widerspruchsbelehrungen nicht ganz wasserdicht sind. Inzwischen sind die geflickten Belehrungen mehrere Seiten lang - und halten doch keiner juristischen Analyse stand. Wie kann das sein, dass Abmahnorganisationen das ganze Web terrorisieren können? Hier muss dringend ein Riegel vorgelegt werden, der Massenabmahnungen verhindert, teure Abmahngebühren auf ein vernünftiges Geldmaß senkt und Abmahngewinnler in ihre Schranken weist. Was ich mich auch frage: Warum gibt Ebay nicht einen Standardtext vor und haftet dann für diesen? Das wäre doch einmal Dienst am Kunden. Bis es so weit ist, wünsche ich mir, dass es Pflicht wird, dass vor der teuren Abmahnung erst einmal ein ganz normaler Brief verschickt wird, der dem Konkurrenten die Möglichkeit einräumt, seinen Fehler zu beseitigen.

Unnütze Raubkopierer-Abwehr-Methoden

Ich schaue mir eine gekaufte Video-DVD an und werde gezwungen, mir eine Warnung anzutun, die mir mit fünf Jahren Knast droht, sollte ich die DVD heimlich kopieren. Ich kaufe eine Musik-CD, die in meinem Computer nicht abspielbar ist. Ich kaufe Musik im Internet und kann sie nicht in beliebiger Stückzahl brennen oder auf meine MP3-Player übernehmen. Ich habe die Nase voll. Mein Kumpel, der nur noch Raubkopien sammelt und auf der falschen Seite der Macht steht, hat all diese Probleme nicht. Er lacht mich mit seinem unheimlichen Bru-ha-ha-ha-Lachen aus. Das kann doch nicht sein, dass der Ehrliche der Dumme ist. Ich wünsche mir sehr, dass all diese schwachsinnigen Kopierschutzsysteme abgeschafft werden. Ansonsten bin ich nicht mehr bereit, dafür weiterhin Geld auszugeben.

Der Angriff der Pferdespiele

Es wiehert im ganzen Büro. Die Pferdespiele galoppieren Pixel aufwirbelnd durch unsere Räume und betteln nicht um Futter, sondern um Installation - auf dem PC, auf dem Nintendo DS oder auf der Wii. Die Kinder, die Pferdespiele mögen, können einen Reitstall betreiben, beim Springturnier mitmachen, den Gaul wienern und putzen oder ihm in der virtuellen Tierarztpraxis ins Gebiss schauen. Inzwischen haben wir so viele Pferdespiele zugeschickt bekommen, dass wir damit eine Mauer quer durch unseren ganzen Wohnort errichten könnten. Ich fordere ein letztes Spiel aus diesem Genre und zwar: "Mein Pferdchen beim Abdecker". Gefolgt vom potenziellen Bestseller: "Kochen mit Pferdesalami".

Das Durcheinander der DVD-Formate

Erst musste ich mich beim Brennen von DVDs zwischen DVD+R, DVD-R und DVD-RAM entscheiden, nun bekomme ich neue Video-DVDs nicht nur im klassischen Format, sondern zusätzlich auch noch als HD DVD und als Blu-ray-Disc zugeschickt. Mensch, entscheidet euch doch mal. Ich bin ja bereit, auf High Definition umzusteigen. Aber ich möchte schon gerne ein verlässliches Format vorgesetzt bekommen. Das wäre ein echter Wunsch für das kommende Jahr.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania