VG-Wort Pixel

Smartphones auf der CES Tausendsassa mit neuen Tricks


Smartphones sind längst keine Mobiltelefone mit Zusatzfunktionen mehr, sondern kleine Computer für die Tasche. Und der Trend zu mehr Leistung und noch mehr Funktionen hält ungebrochen an.
Von Karsten Lemm, Las Vegas

Strich für Strich entsteht das Porträt - eine Karikatur in bunten Farben, wie man sie kennt von Straßenkünstlern aus Paris, London oder San Francisco. Nur, dass dieser Stift aus Plastik ist und seine Striche digital aufs Handy pinselt. Das Galaxy Note von Samsung, das auf der CES-Elektronikschau in Las Vegas sein US-Debüt gibt, sticht nicht nur aus der Masse, weil es künstlerisch begabt ist: Zeichnungen, Grafiken und Fotos lassen sich - mit Anmerkungen versehen - per E-Mail verschicken oder ins Netz stellen. Das Gerät trumpft auch mit einem ungewöhnlich großen 5,3-Zoll-Display, HDTV-Auflösung, zwei Kameras und Videofunktionen auf. Wer sich nicht daran stört, ein fast 180 Gramm schweres, 15 Zentimeter langes Handy in der Tasche zu haben, bekommt mit dem Galaxy Note einen Tausendsassa, der fotografieren, Filme aufnehmen, Filme vorführen, e-mailen, im Internet surfen und vieles mehr kann.

Mit seinem reichen Schatz an Begabungen liegt das Samsung-Smartphone voll im Trend: Aus Geräten, die zum Telefonieren da waren und nebenher ein paar andere Kunststücke beherrschten, sind Allround-Talente geworden, die vieles gut genug können, um andere Geräte zu ersetzen. Wer bürdet sich noch einen Camcorder auf, wenn das Handy, das immer dabei ist, ebenfalls HD-Filme aufnimmt, mit denen man sich bei Youtube oder Facebook nicht verstecken muss? Wozu noch eine Schnappschuss-Kamera mitnehmen, wenn schon das Telefon die Welt in 16 Megapixeln festhält, so wie das neue HTC Titan II?

"Der Siegeszug der Smartphones setzt viele andere Kategorien unter Druck", sagt Steve Bambridge, Research Director beim Marktforscher GfK. Vor allem Einsteigermodelle, ob Fotoapparate, Musikspieler oder Videokameras, würden zunehmend durch eingebaute Funktionen von schlauen Handys ersetzt. "Für viele Alltagsanwendungen sind Smartphones zum Gerät der Wahl geworden", sagt Bambridge. Wer als Hersteller anderer Geräte überleben wolle, müsse "so gute Leistung bieten, dass das Smartphone realistischerweise nie mithalten kann".

Kinosound im Handy

Durch weiterentwickelte Hard- und Software erlernen die Westentaschen-Helden derweil immer neue Tricks. So arbeitet etwa der kalifornische Klangkünstler Dolby eng mit Herstellern zusammen, um selbst in Kopfhörern Tonwelten zu erschaffen, die ähnlich räumlich wirken wie im Kino. Normalerweise erfordert Surround-Sound mindestens fünf Lautsprecher, die aus allen Richtungen präzise kontrolliert die Ohren beschallen. Nur so fliegt der Hubschrauber hörbar von vorn links nach hinten rechts.

Nun allerdings, dank spezieller Schaltkreise und trickreicher Abspielsoftware, gelingt es Handys mit Dolby Digital Plus, den Ohren auch mit Kopfhörern - also nur zwei Lautsprechern - Raumklang vorzugaukeln. Angeschlossen an eine Stereoanlage mit Surround-Sound, sollen solche Modelle, wie etwa das neue LG Spectrum, dann sogar ausgewachsenen Klang für Heimkinos mit bis zu sieben Tonkanälen liefern, ungeachtet ihrer winzigen Größe. "Früher haben wir uns auf das Wohnzimmer konzentriert", sagt Kevin Brennan, Dolby-Marketingchef für E-Media. "Doch Mobiltelefone sind dabei, zur zentralen Drehscheibe für Entertainment zu werden, und das Klangerlebnis lässt bisher noch zu wünschen übrig. Das wollen wir ändern."

Wer dann in der Stube vor einem Smart-Viera-Fernseher von Panasonic sitzt, kann zum Handy oder Tablet-Rechner greifen und die Geräte auf ganz neue Weise miteinander spielen lassen: Ein Fingerschnippen genügt, um Fotos, Filme oder Webseiten vom Mobilgerät an den Großbildschirm zu schicken. Über eine drahtlose Internetverbindung senden Telefon und Tablet ihre Informationen an den vernetzten Fernseher. Dort lassen sich Fotos und Filme in voller Größe bestaunen, obwohl sie weiterhin auf dem Mobilgerät zu Hause sind. Wer auf dem Fernseher im Netz surft und anschließend Webseiten mitnehmen möchte, kann sie vom TV-Gerät zurück ans Tablet oder Smartphone schicken. Möglich macht all das eine App, die Panasonic für Apples iOS und Googles Android-Betriebssystem entwickelt hat.

Die neue Einfachheit

So helfen schlaue Telefone, die ursprünglich zum Telefonieren erfunden wurden, nun auch dabei, den digitalen Alltag leichter zu bewältigen. "2012 wird das Jahr der Bedienoberfläche", sagt Shawn Dubravac, Marktforscher bei der Elektronikhersteller-Vereinigung CEA. Wie Funktionen sich präsentieren, wie einfach ein Gerät zu bedienen sei, werde "zu einem entscheidenden Faktor" für Erfolg oder Misserfolg. Im Weniger sieht der Marktforscher dabei das Mehr: Wer mag schon Fernbedienungen, die ihre Nutzer mit zu vielen Knöpfen überwältigen?

"Seit ihrer Erfindung ist die Fernbedienung immer komplexer geworden", sagt Dubravac. "Nun fangen wir an, uns wieder auf das Einfache zu konzentrieren." Auch da greifen viele Hersteller zu einem alten Bekannten: Das Smartphone braucht lediglich eine spezielle App, um sich in eine Fernbedienung zu verwandeln. Es versteht Sprachkommandos, kennt das TV-Programm, kann sich an Wünsche und Vorlieben seiner Nutzer anpassen - und wenn alles zuviel wird, bleibt immer noch der Ausschaltknopf. Oft ist er der einzige, der fest ins Gehäuse eingebaut ist und nicht aus Software besteht.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker