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Vorabversion als Gratis-Download: Microsoft stellt Windows 8 vor

Windows 8 soll die Kehrtwende bringen: Mit seinem neuen Betriebssystem will Microsoft endlich den Sprung auf die populären Tablets schaffen. Eine Vorabversion können interessierte Nutzer bereits jetzt aus dem Netz laden.

Es ist die große Bewährungsprobe für Steven Sinofsky: Der Chef der Microsoft-Sparte Windows präsentierte am Mittwoch in Barcelona die ersten Testversionen der neuen Betriebssystem-Generation 8. Kann er an die Erfolge der Vorgänger anschließen, ist er wohl auf dem Weg auf den Microsoft-Thron nicht mehr aufzuhalten. Doch die Risiken sind hoch: Nachdem die Amerikaner im Ringen mit Rivalen wie Apple und Google ihre Vormachtstellung bei zahlreichen Mobilgeräten verloren haben, droht ihnen künftig auch die Verzwergung im Kerngeschäft.

"Das neue Windows ist noch besser als Windows 7", pries Sinofsky sein Produkt in Katalonien. Mit Nummer 8 habe Microsoft sein Betriebssystem neu erfunden. So wurde die Benutzeroberfläche komplett umgekrempelt: Mit neuem Kacheldesign, das auch das mobile Betriebssystem Windows Phone auszeichnet, soll sich Windows 8 auch für Tablets eignen, die über den berührungsempfindlichen Bildschirm mit dem Finger bedient werden. Eine Beta-Version der Software steht bereits jetzt für private Nutzer gratis im Netz zur Verfügung.

Windows 7 hat sich in knapp drei Jahren weltweit 525 Millionen Mal verkauft. Mit neuen zusätzlichen Eigenschaften wie einem integrierten Shop für kostenlose Apps und dem Verschieben von Dateien auf unterschiedliche Microsoft-Rechner via Cloud Computing will Sinofsky an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Unterstützer trauen ihm das zu. Er habe in seiner Zeit als Chef der Office-Bürosoftwaresparte Ordnung in die mitunter chaotische Software-Entwicklung gebracht und neue Programmversionen zügig auf den Weltmarkt geworfen. So erwarb er sich den Ruf eines "Frachters" im Konzern. Kritiker bemängeln, dem 46-Jährigen fehle das Charisma für den Job an der Spitze. Er habe weder die technische Brillanz von Bill Gates noch die analytischen Fähigkeiten und das energische Auftreten des amtierenden Vorstandschef Steve Ballmer.

Windows wird ARM-fit

Das neue Windows 8 soll einen zentralen Mangel seiner Vorgänger beheben: Es soll auch auf den stromsparenden Chips der britischen ARM laufen, deren Markterfolg erst leistungsfähige Smartphones und Tablet-PCs ermöglicht hat. Bislang lief Windows lediglich auf den herkömmlichen Prozessoren von Intel oder AMD. Will Microsoft im zukunftsträchtigen Mobilgeschäft langfristig mitspielen, muss es Windows für neue Formfaktoren und Chipformate öffnen. Googles Android hat bewiesen, dass die Karten in der neuen IT-Welt neu gemischt werden können. Bislang lief auf 90 Prozent aller PCs weltweit Windows. Doch die mobile Revolution bedroht die Monopolstellung der PC-Veteranen.

Die Bedieneroberfläche des neuen Windows orientiert sich ausgerechnet an der "Metro"-Oberfläche des Smartphone-Systems Windows Phone. Das Handy-Programm gilt trotz Lob von Experten am Weltmarkt weitgehend als gescheitert, der Marktanteil liegt im einstelligen Bereich während Apple und Android das Geschäft dominieren. Die Allianz mit dem schwankenden finnischen Mobilfunkriesen Nokia hat Microsoft dort bislang noch kein Glück gebracht. Die für Microsoft entwickelten "Apps" bleiben zahlenmäßig weit hinter der Konkurrenz zurück.

Das neue Windows wird sich vornehmlich an Privatkunden richten, die meisten Unternehmen haben noch nicht auf Windows 7 umgestellt. Daher ist offen, wie stark Microsoft in der ersten Zeit auf dem Markt von der ertragsstarken Kombination mit dem Bürosoftware-Paket Office profitieren kann. Analysten erwarten zwar durch die neue Version einen Umsatzschub für den Konzern, allerdings werden auch die Margen unter Druck kommen. Kunden sind demnach nicht bereit für einen 400 Dollar teuren Tablet-Rechner genauso viel für das Betriebssystem auszugeben wie einst für einen 1500 Dollar teuren PC. Rund 80 Dollar kassiert Microsoft bisher im Schnitt für eine Windows-Lizenz. Der Preis für die Tablet-Version dürfte etwa bei der Hälfte liegen, schätzen die Analysten von Sanford C. Bernstein.

"Jetzt wo der Tablet-Markt durch Apple und Amazon bestimmt wird, kann sich Microsoft keine Fehler leisten. Wenn sie die erste Version verpatzen, bekommen sie keine zweite Chance", sagte der ehemalige Microsoft-Entwickler und jetzige Marktforscher Michael Cherry. "Sie können es sich nicht leisten, den Kunden zu enttäuschen."

jwi/Reuters/DPA / DPA / Reuters