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Trendwende in Redmond: Windows 10 läuft nun auf einer Milliarde Geräten - dabei geht es Microsoft längst um etwas anderes

Mit zwei Jahren Verspätung hat Microsoft einen Meilenstein geknackt: Weltweit sind eine Milliarde Geräte mit Windows 10 im Einsatz. Doch nun, wo es soweit ist, ist das gar nicht mehr so wichtig. Längst gibt es andere Prioritäten.

Microsoft-Chef Satya Nadella wartet bei der Microsoft Build auf das Ende eine Videoclips

Bei den Präsentationen von Microsoft-Chef Satya Nadella geht es längst nicht mehr um Windows

Picture Alliance

Es hat länger gedauert als geplant, doch nun hat Microsoft einen wichtigen Meilenstein erreicht: Windows 10 läuft weltweit auf einer Milliarde Geräte. Geräte, wohlgemerkt, nicht PCs. Neben Desktop-Rechnern und Laptops zählen dazu auch alle anderen Systeme, die sich mit Windows-10-Betriebssystem betreiben lassen - darunter auch die Spielekonsole Xbox und die Augmented-Reality-Brille Hololens.

Eine Milliarde Geräte innerhalb von drei Jahren - so lautete das selbstgesteckte Ziel von Microsoft-Chef Satya Nadella, als er am 29. Juli 2015 Windows 10 vorstellte. Doch schnell wurde klar, dass der ehrgeizige Plan nicht zu halten war. Selbst das hoffnungslos veraltete Windows 7 hatte lange Zeit einen größeren Marktanteil als Windows 10, obwohl Microsoft es an seine Nutzer verschenkt. Am Ende sollte Nadella fast zwei Jahre länger brauchen, um die Milliarden-Marke zu knacken.

Und nun, als ihm das gelungen ist, ist es im Grunde fast egal. Denn Microsofts Zukunft ist nicht mehr Windows. Der Konzern rüstet sich längst für die Welt nach den Kacheln.

Nadella krempelte Microsoft um

Satya Nadella, seit 4. Februar 2014 Microsoft-Chef, hat einen enormen Kulturwandel innerhalb des Konzerns vollzogen. "Das Betriebssystem ist nicht mehr die wichtigste Ebene für uns", sagte Nadella im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem US-Technologiemagazin "Wired".

Kurz zuvor hatte er das Surface Duo vorgestellt - ein aufklappbares Smartphone mit zwei Bildschirmen, das auf dem Android-Betriebssystem basiert. Ein Microsoft-Gerät mit Google-Software - das war bis ein Paukenschlag. Doch die Vorstellung, das Gerät an sich sei 2019 immer noch der Mittelpunkt der Nutzererfahrung, sei "absoluter Nonsens", so Nadella. Die Zukunft sei cloud-basiert, entscheidend sei allein die Qualität von Apps.

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Keine Frage, das Windows-Betriebssystem ist immer noch eine der wichtigsten Erlössäulen für den Konzern. im vergangenen Quartal spülte der Bereich "More Personal Computing" 13,2 Milliarden US-Dollar - ein Plus von zwei Prozent - in die Kassen. Wachstumstreiber waren das Supportende von Windows 7 und der dadurch angekurbelte PC-Absatz.

Die Cloud wächst und wächst

Besonders stark legte jedoch das Geschäft mit der Cloud auf 11,9 Milliarden Dollar Umsatz (+27 Prozent) zu. Getrieben wurde das Wachstum einmal mehr durch Azure, hier konnte der Umsatz um 62 Prozent gesteigert werden. Zahlen, die man sich 2015 noch nicht vorzustellen vermochte. Auch die Umsätze mit der Büro-Software Office wachsen und wachsen. Die Cloud- und Software-Dienste mögen für Endkonsumenten nicht sexy sein, doch sie sind längst Wachstumsmotor und Hoffnungsträger in Redmond.

Das Surface Duo verkörpert nun den nächsten, logischen Schritt. Das Gerät hat demonstriert, dass Microsoft nicht mehr mit großem Aufwand eigene Systeme entwickeln will, sondern sich zunehmend darauf konzentriert, seine Dienste auf allen Plattformen so gut wie möglich aussehen zu lassen.

Deshalb dürfte es für Nadella gar nicht mehr so wichtig gewesen sein, ob er die Milliarde Geräte nun geknackt hätte oder nicht. Dass es seiner Firma gelungen ist wird ihn natürlich freuen. Doch er dürfte schon längst das nächste Ziel im Auge haben: Mehrere Milliarden Geräte mit Microsoft-Software - egal ob auf der Rückseite ein Samsung-Logo, ein angebissene Apfel oder eine vierteilige Kachel prangt.

cf