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Actionspiel "Crysis 2": Alienjäger tragen Anzug

Großes Actionkino made in Germany: Der Shooter "Crysis 2" setzt erneut Grafikmaßstäbe und überzeugt auch spielerisch. Daran ändert auch nichts, dass der eigentliche Held des Games ein Anzug ist. Der hat es allerdings in sich.

"Crysis" machte das Frankfurter Programmiererstudio Crytek zum Shooting-Star im Action-Genre, das selbst entwickelte Grafikgerüst wurde zum Exportschlager. Jetzt legen die drei Yerli-Brüder und ihr mittlerweile auf 600 Mann gewachsenes Team nach und versprechen großes, virtuelles Action-Kino. Keine PR-Floskel: Die Inszenierung von "Crysis 2" ist filmreif, die Musik stammt von Hans Zimmer, der 3D-Modus bekam bereits im Vorfeld den Ritterschlag von James Cameron ("Avatar") und das von Aliens zerstörte New York lässt Erinnerungen an Roland Emmerichs "Independence Day" aufkommen ...

Keine Frage: "Crysis 2" ist als Blockbuster angelegt. In dem Actionspektakel für PC, Xbox 360 und PS3 stecken viel Geld, Arbeit und Herzblut. Man kann sich deshalb nur allzu gut vorstellen, dass ein Datenleck, das eine unfertige Version des Shooters bereits Mitte Februar ins Netz spülte, existenzbedrohlich sein kann. Doch nun steht "Crysis 2" im Laden - und legt die Messlatte für die versammelte Konkurrenz wieder ein Stückchen höher.

Vorweg: Man muss den PC-exklusiven Vorgänger nicht kennen, um den Geschehnissen im zweiten Teil folgen zu können. Im Gegenteil: Es ist vermutlich sogar besser, "Crysis" nicht gespielt zu haben. Denn die einstigen ätherischen Alien-Invasoren, die die Erde in einen Eiswürfel verwandeln wollten, wurden zu Tintenfischen in Hightech-Rüstungen umgestylt, die nun aus den Tiefen des Meeres zu kommen scheinen. Einfache Regel: Wenn's Tentakel und rot glühende Augen hat, sollte man drauf schießen.

Der Star ist ein Kampfanzug

Der neue Held von "Crysis 2" heißt Alcatraz und ist anfangs noch ein verkaterter Marine in einem U-Boot, das baden geht. Ein paar fulminante Intro-Minuten später ist er jedoch Besitzer eines heiß begehrten Nanosuits 2.0, dem eigentlichen Star des Spiels. Um diesen Super-Kampfanzug dreht sich nicht nur ein Großteil der Geschichte - er eröffnet "Al" auch ganz neue Möglichkeiten. Er verleiht ihm Bärenkräfte, schützt ihn im Panzerungsmodus vor starkem Feindbeschuss oder lässt ihn auf Knopfdruck unsichtbar werden. Auf diese Weise lassen sich einige Kämpfe umgehen oder auch kräftigere Widersacher mit einem Schlag ausknocken.

Gleichzeitig gibt das Nano-Wunderding dem Spieler die Freiheit, sich seinen Weg auf unterschiedlichste Art und Weise durch ein völlig verwüstetes New York zu bahnen. Schleichend, im Temporausch, als Rambo - oder von allem ein bisschen. Zwar sind die einzelnen Abschnitte im Vergleich zum Vorgänger, der auf einer nahezu frei begehbaren Tropeninsel angesiedelt war, deutlich linearer aufgebaut. Allerdings bieten sie immer noch genügend Platz, die Fähigkeiten des Anzugs auszutesten und im späteren Spielverlauf Stück für Stück auszubauen. Ein eingebauter taktischer Ratgeber weist zudem auf Besonderheiten hin, die in die Vorgehensweise mit einfließen sollten, eine Thermalsicht hebt Gegner auch im Dunkeln hervor.

Blockbuster im Wortsinn

Die eng abgesteckten Action-Parcours sind der Inszenierung geschuldet. Denn "Crysis 2" kleckert nicht, sondern klotzt, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Da donnern Alien-Flugmaschinen und Hubschrauber durch Wolkenkratzer, reißen riesige Alien-Bohrer die Wall Street in Stücke, stürzen Brücken und Hotels ein, bersten Glassfronten, erhebt sich aus dem Central Park ein ... nein, das sollte man doch selbst rausfinden.

"Crysis 2" gleicht einem zehnstündigen Effektfeuerwerk - ohne große Atempause, ohne Durchhänger - dafür mit vielen gewaltigen Explosionen, die in dieser Form wohl noch nie über den Bildschirm flackerten. Und jeder Menge Licht- und Schattenspielchen, die auf modernen PCs mit neuesten Grafikkarten spektakulär Eindruck schinden. Konsolenbesitzer müssen leichte Abstriche bei der Feinheit von Texturen hinnehmen, brauchen dafür aber auch kein sündhaft teures High-End-System, um das virtuelle und ziemlich in Mitleidenschaft gezogene New York bestaunen zu können. Bei vorhandenem Fernseher auch in stereoskopischem 3D.

Fazit: Mit "Crysis 2" veröffentlichte Crytek zwar nicht den erhofften Über-Shooter, dafür aber eine Ballerei, die wesentlich intelligenter und abwechslungsreicher aufgebaut ist als die Genre-Konkurrenten "Call of Duty" oder "Homefront" - zumal vereinzelt eingestreute Sequenzen, in denen man sich etwa hinters Steuer eines Schützenpanzers klemmt, den Actionalltag nachhaltig auflockern. Nörgler stören sich allenfalls an äußerst seltenen Grafikbugs und der mangelnden Gegnervielfalt. Alle anderen volljährigen Spieler dürfen sich bedenkenlos in Kampf um den Big Apple oder in den ebenso erstklassigen Multiplayer-Modus stürzen.

Crysis 2

Hersteller/Vertrieb

Crytek/Electronic Arts

Genre

Action

Plattform

PC, Playstation 3, Xbox 360

Preis

40 bis 55 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahre

Gerd Hilber, Teleschau / TELESCHAU