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Videospiel "Mafia 3" im Test: So gut ist der neue Action-Kracher

Mafia, das stand immer für spannende Storys, tolle Grafik und ganz viel Action. Jetzt ist Teil 3 erschienen. Kann er mit den tollen Vorgängern mithalten? Wir haben ihn schon gespielt.

Mafia 3 Test

Mafia 3 sieht schick aus, manchmal zumindest

Mafia, das sind die italienische Edelmänner mit schicken Anzügen, klarem Ehrenkodex und kompliziertem Verhältnis zum Gesetz. So zumindest das Klischee. Und auch in den ersten Teilen der gleichnamigen Spieleserie übernahm man stets die Rolle junger, cooler und sehr brutaler Italo-Amerikaner. Die spielen in Mafia 3 nur noch Nebenrollen. Und trotzdem ist Mafia 3 ein waschechter Mafia-Titel. Wir haben die ersten Stunden angespielt.

Nachdem die Vorgänger die Mafia-Hochburgen New York und Chicago in den 30er (Mafia) und den späten 40er Jahren (Mafia 2) erforschte, ist bei Mafia 3 mal ein ganz unverbrauchtes Setting dran: Den Spieler verschlägt es ins fiktive New Bordeaux, das aber ganz klar an das New Orleans der späten 60er angelehnt ist. Im durch Rassismus, Armut und den Vietnam-Krieg geprägten Alltag der schwarzen Gemeinde kämpft sich der junge Farbige Lincoln Clay seinen Weg nach oben. Und wir spielen ihn.

Mafia 3 in Bildern
Mafia 3 Test

Die Wirkung der Stadt ist nachts völlig anders...

Ballern, schleichen, cruisen

Gerade aus Vietnam zurück, muss der Kleinkriminelle Clay auch schon gegen die nervigen Haitianer vorgehen, die seinem Ziehvater zusetzen. Dann kommt da noch der Supercoup, bei dem die (italienische) Mafia den Tresor der Zentralbank ausräumen will - und Clay soll mit. Schon ist man mitten drin im blutigen Geschehen.

Denn natürlich müssen Gangster auch jede Menge Gangster-Sachen tun. Sich nach dem Bruch den Weg zum Ausgang frei zu schießen, um dann mit Auto oder auch mal per Boot vor den Cops zu fliehen, ist in Mafia 3 Spielalltag. Wer schon mal GTA oder die Vorgänger gespielt hat, fühlt sich schnell zu Hause. Die Schleich-, Baller- und Fahrpassagen machen Spaß, wirken aber mittlerweile etwas zu altbekannt.

Mafia 3 Test

Das Nachtleben trägt zur Atmosphäre bei

Hendrix, Sumpf und Voodoo

Die Atmosphäre stimmt aber. Die große Spielwelt mit ihren abwechslungsreichen Stadtteilen und dem umgebenden Sumpfland ist zwischen und teilweise auch während der Missionen frei erkundbar. Mit einem Muscle Car und Jimmy Hendrix im Radio durch das emsige Nachtleben von New Bordeaux mit seinen Bars und Jazzkneipen zu brettern, macht dann auch richtig Laune. Wenn da nur nicht die verwaschende Optik wäre.

Während der erste Mafia-Teil bei Erscheinen schlicht atemberaubend aussah, kann man das über Mafia 3 zumindest auf der Playstation 4 leider beim besten Willen nicht sagen. Selbst die Zwischensequenzen sind zwar schick, aber nichts Besonderes. Bei der Spielegrafik hat das mittlerweile zwei Jahre alte PS4-Remake von GTA V längst ganz andere Maßstäbe gesetzt. Verwaschene Texturen, merkwürdig einpoppende Schatten und zumindest beim Fahren sichtbarer Detailmangel dämpfen die Freude am eigentlich stimmig inszenierten New Orleans.

Mafia 3 Test

Der Karneval namens Mardi Gras darf in einem Spiel in New Orleans nicht fehlen

Der Star ist das Setting

Denn das ist neben der gut erzählten Geschichte die wirkliche Stärke des Spiels. Das Setting ist anders als New York, Los Angeles und Co. nicht so abgenutzt, der Zeitpunkt in den 60er Jahren bietet jede Menge Raum für Gesellschaftskritik, von der wieder akuten Rassenproblematik in den USA bis zum Trauma des Vietnamkriegs und den Drogenproblemen der vernachlässigten Veteranen. Voodoo, Jazz und Mardi Gras kommen natürlich auch vor. Und Musik und Autos aus der Zeit machen richtig Laune.

Anders als bei den zumindest in Bezug auf die Story sehr linearen Vorgängern setzt Mafia 3 auf eine offenere Spielwelt. Die ist diesmal nicht nur frei befahrbar, sondern bietet auch allerlei Nebenbeschäftigungen. So können Viertel erobert und dann dort Geschäfte gemacht werden. Oder man verfüttert Konkurrenten an die Alligatoren. Das dürfte bei einigen Spielern für eine deutlich längere Spielzeit sorgen, wer will, kann aber wohl auch einfach nur die Handlung durchziehen.

Fazit: Solide Gangster-Fortsetzung mit frischem Setting

Mafia 3 ist eine durchaus gelungene Neuinterpretation des Gangster-Epos. Ein schwarzer Protagonist ist zwar keine Neuheit, durch das frische Setting entstehen aber neue Blickwinkel auf die Lebensumstände und Konflikte heranwachsender Farbiger in den USA. Für den Spieler ist das meist aber gleich: Clay steuert sich wie jeder andere Gangster von GTA, bis zu den Vorgängern.

Die Story ist zumindest in den ersten Stunden spannend inszeniert und abwechslungsreich erzählt, der Star des Spiels sind aber New Orleans und die bisher wenig genutzte Zeitepoche. Beide sind sehr stimmungsvoll und authentisch umgesetzt. Wenn dann noch die Macken bei der Grafik ausgebügelt würden, könnte man sie noch mehr genießen.

Wer auf Gangster oder die 60er Jahre steht, darf zugreifen. Auch Action-Fans können ein Blick riskieren, könnten aber wegen des altbekannten Spielprinzips etwas enttäuscht werden. Denn ein genialer Meilenstein wie GTA V oder der erste Teil der Mafia-Serie ist Mafia 3 wohl leider nicht geworden.

Mafia 3 erscheint am 7. Oktober 2016 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 und kostet je nach Plattform zwischen 45 und 69 Euro.