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Videothek ist längst geschlossen 21 Jahre Verzug: Frau drohte wegen nicht zurückgebrachter Videotheken-Kassette Gefängnis

Die Zeit der VHS-Kassette ist längst vorbei
Die Zeit der VHS-Kassette ist längst vorbei
© KLH49 / Getty Images
Videotheken wirken heute wie Relikte aus einer anderen Zeit. Für eine Frau aus Texas wurde diese Vergangenheit nun eine ganz konkrete Gefahr: Sie wurde wegen einer nicht zurückgebrachten VHS-Kassette von der Polizei gesucht.

Es sind Erinnerungen aus einer Zeit vor Netflix und Co.: Wenn man früher einen Film sehen wollte, blieb wenig Wahl, als durch die Regale einer Videothek zu streifen und in den VHS-Kassetten, DVDs oder später Blu-rays zu stöbern. Wenn ein anderen den Film anschaute, musste man eben abwarten. Und das Zurückspulen zu vergessen, war eine teurer Fauxpas. Was für viele Menschen in erster Linie Nostalgie auslöst, wurde für Caron D. aus Texas gerade zum Albtraum: Ihr drohte wegen einer längst geschlossenen Videothek Gefängnis.

"Ich dachte, ich bekomme einen Herzanfall" berichtet D. gegenüber der "New York Times". Die 52-Jährige wollte nach ihrer Hochzeit eigentlich nur ihren Namen ändern. Und erfuhr so, dass sie seit 21 Jahren von der Polizei gesucht wird. Der Vorwurf: Unterschlagung. "Sie sagte es geht um eine VHS-Kassette und ich ließ sie das noch einmal wiederholen. Ich dachte: Das kann doch nicht sein", erzählt D.. "Dieses Mädchen muss mich doch auf den Arm nehmen. Aber das tat sie nicht."

"Verbrecherische Unterschlagung"

Tatsächlich lag gegen D. eine Anklage vor. Sie habe "bewusst, unrechtmäßig und verbrecherisch eine (1) Videokassette von 'Sabrina - Total Verhext' im Wert von 50,59 Dollar unterschlagen", heißt es in dem im März 2000 ausgestellten Anklagedokument. Die Formulierung hatte vermutlich schwere Folgen für D. - ohne das ihr das bewusst war. Die Bewertung als Verbrechen sorgt für eine höhere Strafeandrohung. Und taucht auch in Führungszeugnissen auf. "Ich wurde mehrfach ohne Begründung schnell wieder aus Jobs entlassen. Und wusste nie warum", erklärte D. "Fox25". "Es ergibt nun alles Sinn: Sie machten eine Prüfung des Führungszeugnisses - und sahen nur diese beiden Worte: Verbrecherische Unterschlagung".

Dass der Laden, die Videothek Movioe Place in Norman, Oklahoma, bereits 2008 geschlossen wurde, hat keine Auswirkung auf die Gültigkeit des Haftbefehls, erklärte der Anwalt Ed Blau gegenüber dem TV-Sender. Gebe es eine bereits erhobene Anklage, sei nicht mehr von Belang, dass das Verbrecher keinem Opfer mehr zuzuordnen sei, so seine Einschätzung. Tatsächlich hatte D. aber Glück: Die Klage wurde letzte Woche nach einer Anfrage des TV-Senders vom verantwortlichen Staatsanwalt fallen gelassen, berichtet die "New York Times".

Videothek ist längst geschlossen: 21 Jahre Verzug: Frau drohte wegen nicht zurückgebrachter Videotheken-Kassette Gefängnis

Ganz ohne Folgen kommt sie aber nicht aus der Sache heraus: Um keine weiteren Probleme mit Arbeitgebern zu haben, muss sie sich nun darum kümmern, die fallengelassene Anklage aus ihrem Führungszeugnis tilgen zu lassen. Trotzdem ist sie erleichtert. Vor allem, weil sie sich nicht einmal erinnern kann, den Film je gesehen zu haben. "Ich lebte damals mit einem Mann, der zwei Töchter im Alter von 8 und 10 oder 11 Jahren hatte", erinnert sie sich gegenüber "Fox25". "Ich vermute, er hat ihnen das damals geliehen und nicht zurückgebracht. Ich habe die Show nie gesehen, sie ist nicht mein Fall."

Quellen: New York Times, Fox25


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