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Disney+: Sieben Dollar, riesiges Angebot: Disneys Streaming-Dienst lässt Netflix jetzt schon alt aussehen

Steigende Preise, weniger Inhalte: Immer mehr Nutzer ärgern sich über Netflix. Jetzt hat Disney endlich Details zu seinem eigenen Streaming-Dienst vorgestellt - und die dürften Netflix unter Druck setzen.

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Netflix hätte sich wohl kaum einen schlechteren Zeitpunkt für seine Preiserhöhungen aussuchen können: Gerade als sich die Kunden über höhere Preise bei immer weniger Inhalten ärgern, kommt Disney mit Details zu seinem eigenen Streaming-Dienst daher. Und dürfte damit eine Menge Herzen für sich gewinnen.

Denn wenn der Disney+ getaufte Dienst im November in den USA startet (Europa soll bis spätestens 2021 folgen), wird Netflix sich mächtig warm anziehen müssen. Gerade mal 6,99 Dollar - also 6,20 Euro - verlangt Disney monatlich, ein Jahres-Abo gibt es ab 60 Dollar. Dafür gibt es dann jede Menge hochkarätige Inhalte. Gleich zum Start sind etwa sämtliche Disney-Klassiker verfügbar, die kompletten Pixar-, Star-Wars- und Marvel-Kataloge sollen im Jahr darauf Stück für Stück eintrudeln. Hinzu kommen alle Simpsons-Folgen, exklusive Marvel- und Star-Wars-Serien, eigens produzierte Filme sowie weitere Einkäufe. 500 Filme und 7000 Serienfolgen sollen es zum Start sein, in Zukunft sollen viele Eigenproduktionen und ein besonders schneller Zugang zu aktuellen Disney-Blockbustern die Zuschauer bei Stange halten. Ein ziemlich dickes Brett, an dem vor allem Familien kaum vorbeikommen werden.

Technisch ist der Dienst vergleichbar mit Netflix. Er läuft auf Smart-TVs, Smartphones, im Browser und auf Spielekonsolen, erlaubt den Download von Filmen und Serien und das Einrichten von Kinder-Profilen. Eine große Ausnahme gibt es aber: Während ultrahochauflösende 4K-Inhalte bei Netflix nur im größten Abo für 16 Euro enthalten sind, sind sie bei Disney immer dabei.

Netflix sieht mächtig alt aus

Hochkarätige Namen für wenig Geld - größer könnte der Kontrast zu Netflix' aktueller Situation kaum sein. Der Streaming-Dienst kämpft aktuell damit, immer weniger bekannte Filme und Serien anbieten zu können - während gleichzeitig die Preise steigen.

Das Problem ist teilweise hausgemacht. Um sich weniger abhängig von den großen Studios zu machen, setzte Netflix in den letzten Jahren verstärkt auf eigene Serien und Filme. Das Kalkül: Starke Serien, die es nur dort gibt, binden die Kunden auch auf lange Sicht. Zudem können sie nicht einfach aus dem Katalog genommen werden.

An sich ist das nachvollziehbar. So wie Disney denken aktuell viele Studios über eigene Streaming-Angebote nach und lassen daher die Lizenzen bei anderen Diensten auslaufen. Für einen reinen Drittverwerter, wie Netflix es früher war, wäre das eine Katastrophe. Hinzu kommen die steigenden Preise für gute Lizenzinhalte. Die Studios wissen längst, wie wichtig manche Serien und Filme für die Streaming-Dienste sind, verlangen immer höhere Gebühren. Zuletzt musste Netflix etwa zwischen 70 und 100 Millionen Dollar zahlen, um weiter "Friends" zeigen zu dürfen - für ein einziges Jahr.

Nische statt Mass-Appeal

Leider hat die Netflix-Strategie aber auch klare Nachteile. Ganze 15 Milliarden Dollar steckt Netflix dieses Jahr in Eigenproduktionen, verdient deshalb trotz der steigenden Preise weiterhin kein Geld. Ohne die gerade erfolgten Preiserhöhungen lässt sich das kaum durchhalten. Trotzdem gelang es dem Konzern immer noch zu selten, echte Weltmarken aufzubauen. Disney-, Star-Wars- oder Marvel-Filme sind quasi garantierte Hits, bei Netflix gibt es mit wenigen Ausnahmen wie "House of Cards" oder "Stranger Things" allerdings kaum Marken, die wirklich jeder kennt. Da hilft es nicht, dass jeden Monat Dutzende neue, kaum bekannte Serien hinterher geschoben werden. So sind zwar für jede Nische tolle Produktionen dabei, Mass-Appeal erreicht man aber nicht.

Auf Dauer könnte diese Situation für Netflix zu einem echten Problem werden. Laut einer Studie vom letzten Jahr wollen US-Amerikaner nicht mehr als 20 Dollar im Monat für Streaming-Dienste ausgeben. Mit einem Amazon-Prime-Abo, das ja noch weitere Vorteile hat, sowie einem Musik-Dienst á la Spotify bleibt da eigentlich kein Raum für zwei reine Videodienste. Die Entscheidung vieler Kunden, ob sie lieber Unmengen an Disney-Blockbustern oder Nischenserien abonnieren wollen, dürfte Netflix vermutlich nicht gefallen.

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