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Meinung

Bis zu 16 Euro pro Monat: Mehr zahlen, weniger bekommen: Die Preiserhöhung von Netflix ist frech

Netflix erhöht in Deutschland die Preise - wieder einmal. Doch das ewige Drehen an der Preisschraube wird die Probleme des Konzerns nicht lösen. Der Streaming-Riese muss umdenken, meint unser Autor.

Netflix

Netflix-Nutzer müssen tiefer ins Portemonnaie greifen

AP / DPA

Das ging schneller als erwartet: Am Mittwoch zeigten Wissenschaftler das erste Bild eines Schwarzen Lochs, am Donnerstag fand es sich schon in den Geldbörsen hiesiger Netflix-Kunden. Denn der Streamingdienst hat in Deutschland erneut seine Preise erhöht, obwohl das alles andere als gerechtfertigt ist.

Kurz zu den Fakten: Die mittlere der drei Abonnementstufen verteuert sich von 10,99 auf 11,99 Euro pro Monat, für die Premiumvariante werden statt 13,99 nun sogar 15,99 Euro fällig. Nur das günstigste Abo bekommt man weiter für 7,99 Euro je Monat – das ist in puncto Funktionsumfang aber so unzeitgemäß, dass man es ohnehin kaum empfehlen kann.

Zwei Euro mehr im Monat, dafür bekomme ich nicht einmal einem Coffee to Go. Solch einen Betrag kann ich im Grunde verschmerzen, zumal der Netflix-Account mit Familienmitgliedern geteilt wird. Doch während ich die vergangenen Erhöhungen eher schulterzuckend zur Kenntnis nahm, stößt mir die jüngste Preissteigerung sauer auf.

Einige Hits, viel Belangloses

Als Netflix im Herbst 2014 in Deutschland startete, kostete der Premium-Tarif 11,99 Euro pro Monat. Mit der Erhöhung auf 15,99 Euro verlangt der Konzern nun ein Drittel mehr als damals. Klar, der Konzern produziert auch viel mehr eigene Filme, Serien und Dokumentationen als in den Anfangstagen - das tun alle anderen Dienste aber auch.

Und nur ein Bruchteil der Eigenproduktionen wird ein Hit, der Großteil dümpelt in einem Meer aus Belanglosigkeiten. Wer etwa hat mehr als ein paar Folgen "The Rain", "Easy", "Flaked" oder "Haters Back Off" gesehen? Selbst die lang erwartete Serie "Disenchantment" von Simpsons-Genie Matt Groening war nach nur einem Wochenende vergessen. Und über 200-Millionen-Dollar-Flops wie "Marco Polo" spricht man besser gar nicht erst. Die Zeit, als der Konzern Maßstäbe wie am Fließband setzte, ist vorbei.

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Der klare Sieger sind die wandelnden Toten. Mittlerweile in der neunten Staffel angekommen, krochen sich die Zombies langsam aber sicher an die Spitze. Ein wichtiger Grund: Die Serie gibt es gleich bei mehreren Anbietern.

Mehr Geld für weniger

Abseits der sogenannten "Netflix Originals" verkleinert sich das Leistungsangebot sogar kontinuierlich. Zum einen werden Funktionen gestrichen. iPhone-Nutzer können seit vergangener Woche etwa keine Filme und Serien via Airplay mehr auf ihren Fernseher übertragen. Zum anderen werden immer mehr Klassiker aus dem Programm genommen. Bei teuren Serien wie "Friends" dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie aussortiert werden. Auf Disney-Filme, dazu gehören die Zeichentrick-Klassiker sowie Filme aus dem "Star Wars"- und Marvel-Universum, muss man in naher Zukunft sogar ganz verzichten.

Ein Blick in die Geschäftszahlen zeigt: Die einstige Stärke wird zum Problem. Die Produktion der Eigeninhalte wird immer teurer, das inzwischen völlig aufgeblähte Angebot verschlingt mehrere Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der Konzern verbrennt Geld, obwohl er weltweit 139 Millionen zahlende Kunden hat. Ewig kann das so nicht weitergehen.

Im Laufe des Jahres werden sowohl Disney als auch Apple ihre eigenen Streaming-Angebote starten. Spätestens wenn diese Schwergewichte mitmischen, sollte Netflix seine Produktions-Politik überdenken, anstatt immer weiter an der Preisschraube zu drehen. Mehr Klasse und weniger Masse – das hat doch am Anfang auch ganz gut funktioniert.