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So werden Zuschauer manipuliert: Bösewichter bevorzugt: Das ist das Geheimnis der Netflix-Kacheln

Netflix ist bekannt dafür, nichts dem Zufall zu überlassen. Die Serien und Filme sind komplett auf den Geschmack der Zuschauer ausgerichtet. Jetzt gab der Konzern neue Einblicke in seine Daten - und sagt, warum sich die kleine Vorschaukachel ständig ändert.

Netflix bietet viele Filme und Serien

Netflix unterteilt seine Filme, Serien und Dokumentationen im Hintergrund in Tausende Kategorien

Netflix wächst und wächst: Innerhalb weniger Jahre wurde die Streamingplattform zu einem der größten Player im weltweiten Serien-Geschäft. Mittlerweile zahlen 81,5 Millionen Menschen für den Dienst. Um die Kunden langfristig bei der Stange zu halten, muss Netflix sein Angebot stetig optimieren. Dafür braucht der Konzern nicht nur ständig neue Filme und Serien (diese Serien starten demnächst auf Netflix), sondern muss auch das bereits vorhandene Angebot auf jeden Zuschauer individuell anpassen. Eine Mammutaufgabe für die Software-Ingenieure. Denn obwohl alle Nutzer auf den gleichen Filmkatalog zugreifen, bekommt jeder andere Empfehlungen angezeigt. Dahinter stecken jede Menge Mathematik und Algorithmen.

So optimiert Netflix die Film-Vorschau

90 Sekunden. So viel Zeit verbringt ein durchschnittlicher Netflix-Zuschauer beim Scrollen durch das Menü, bis er genervt aufgibt und sich einer anderen Tätigkeit widmet. Und genau das wollen die Netflix-Macher um jeden Preis verhindern. Denn wenn der Zuschauer drei-, viermal nicht fündig wird, kündigt er den Dienst möglicherweise.

Deshalb analysiert Netflix jeden Klick und sammelt Dutzende Daten. Es wird nicht nur aufgezeichnet, wann welche Serie auf welchem Gerät gestreamt wurde. Sondern auch, wann man pausiert oder gar die Wiedergabe abbricht. Anhand dieser Erkenntnisse wird der Dienst ständig umgebaut. In einem aktuellen Blogbeitrag hat Netflix nun erklärt, warum sich die Thumbnails, die kleinen Vorschaubildchen, ständig verändern.

Ein Film mit einem Bild erklärt

Weil Netflix nur 90 Sekunden zur Verfügung stehen, um den Kunden zu überzeugen, arbeitet der Dienst hauptsächlich mit Bildern. Scrollt man durch das Menü, sieht man jede Menge kleiner Vorschaubilder. Wählt man eines aus, wird es größer, dazu gibt es ein paar Zeilen Text mit einer groben Inhaltsangabe und der durchschnittlichen Bewertung. 82 Prozent aller Zuschauer legen dabei den größten Wert auf das Bild, mit dem Netflix eine Serie oder einen Film anteasert. Besonders bemerkenswert: Die durchschnittliche Verweildauer pro Vorschaubild lag bei gerade einmal 1,8 Sekunden.

Doch wie sieht das perfekte Vorschaubild aus? Das ist je nach Zielgruppe und Region unterschiedlich. Gut funktionieren laut Netflix Gesichter mit komplexen Emotionen, weil sie die Neugier der Zuschauer anregen und bereits etwas über die Stimmung der Serie oder des Films verraten. Ein freundliches Gesicht wirkt schnell langweilig.

Bösewichter bevorzugt

Wie unterschiedlich Länder auf verschiedene Bilder reagieren, zeigt Netflix anhand der Serie "Sense8". In Deutschland kam etwa das schlichte Bild mit dem Schriftzug und einer schwarzen Acht aus stilisierten Gesichtern im Hintergrund am besten an. In Brasilien war eine gesichtslose Frau mit dunkler Hautfarbe prominent zu sehen, in Amerika eine asiatische Kämpferin, in Großbritannien ein Mann mit weißem Hemd und gezückter Pistole.

Zudem zeigte sich, dass Bösewichter oder polarisierende Charaktere besser ankommen als die Helden - das war selbst bei Kinderfilmen der Fall. Außerdem bewahrheitete sich auch die Regel "Weniger ist Mehr": Mehr als drei Menschen auf einem Bild sind ein absolutes No-Go und überfordern die Zuschauer.

Wie sehr Netflix sein Angebot anhand dieser Daten ausrichtet, zeigt sich am Beispiel der Frauenknastserie "Orange Is The New Black": Auf dem Vorschaubild der ersten Staffel waren acht Figuren zu sehen, auf dem der zweiten nur noch die Hauptdarstellerin, allerdings mit eher emotionslosem Gesichtsausdruck. Bei der bisher letzten, dritten Staffel war ebenfalls die Hauptfigur zu sehen, allerdings mit deutlich emotionalerer Mimik. "Bilder sind mächtig. Sie haben die Fähigkeit, Menschen auf so viele unterschiedliche Arten und Weisen zu beeinflussen", schreibt Netflix-Manager Nick Nelson.

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