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Neue MacBooks, Mountain Lion und iOS 6: Ein neuer Stern am Apple-Himmel

Neue Betriebssysteme für iPhone und Mac, mehr Sprachen für Siri und eine Kooperation mit Facebook: Apple fährt auf der Entwicklermesse in San Francisco groß auf - und bietet eine echte Überraschung.

Von Christoph Fröhlich

Dass die heutige Apple-Präsentation etwas ganz Besonderes werden würde, war bereits in der ersten Minute abzusehen: Das Publikum wurde nicht von Apple-Chef Tim Cook, nicht von Designer Jonathan Ive oder Marketing-Mann Phil Schiller begrüßt, sondern von der Sprachassistentin Siri. Sie wurde gebeten, dass Publikum ein wenig zu unterhalten, erklärt die sympathische Stimme zu Beginn der Veranstaltung und reißt ein paar Witze auf Kosten der Konkurrenz. "Ich bin wirklich aufgeregt wegen des neuen Samsung-Geräts; nicht wegen des Handys, sondern des Kühlschranks", frotzelt die Roboterstimme. Auch Seitenhiebe gegen Googles Betriebssystem Android sorgten für Gelächter im Saal. Nach dem heiteren Auftakt betrat Tim Cook die Bühne, um wenige Minuten später das erste Highlight des Abends zu präsentieren: die neue Notebook-Generation.

Apple präsentiert Super-Laptop

Dass die MacBooks runderneuert werden, vermuteten viele Experten bereits im Vorfeld. Das Ergebnis überraschte dann aber doch: Neben neuen Modellen von MacBook Air und MacBook Pro, die hauptsächlich mit einem besseren Innenleben punkten, präsentierte Apple auch das erste MacBook einer neuen Generation. "Es ist der schönste Computer, den wir je gemacht haben", erklärte sagte Chefdesigner Jonathan Ive in einem eingespielten Video. Das Notebook bekamen die Zuschauer bis dahin nur unter einem Vorhang versteckt zu sehen. Wenige Augenblicke später enthüllte Apple die neueste Schöpfung.

Zum Vorschein kam ein 1,8 Zentimeter schlankes Notebook; das sind sechs Millimeter weniger als bisherige MacBooks. Das Gerät wiegt etwas mehr als zwei Kilogramm und überzeugt mit einem beeindruckenden Display: Wie auch beim iPhone 4S und dem neuen iPad darf sich der neue Bildschirm Retina-Display nennen, weil das Bild so hochauflösend ist, dass die menschliche Netzhaut (Retina) keine einzelnen Pixel mehr erkennen kann. Das 15,4-Zoll-Display schafft eine Auflösung von 2880 mal 1800 Bildpunkten, das sind zweieinhalb Mal so viele Bildpunkte, wie jeder Full-HD-Fernseher schafft.

Auch das Innenleben kann sich sehen lassen: Ein Vierkernprozessor, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und bis zu 768 Gigabyte Flashspeicher dürften das Notebook fit machen für jede Leistungsschau. Doch wie wirkt sich das auf die Akkuleistung aus? Ein Blick in das Innere des Notebooks gibt Entwarnung: Vollgestopft mit Batterien hält der Laptop bis zu sieben Stunden durch, ehe ihm der Saft ausgeht. Im Standby soll er laut Apple sogar bis zu 30 Tage aushalten. Doch genauso enorm wie die Leistung ist auch der Preis: 2.199 Dollar kostet das Gerät mit der kleinsten Ausstattung. Spontankäufer sollten also lieber noch einmal eine Nacht drüber schlafen.

Gut gebrüllt, Puma

Neue Geräte erfordern auch neue Software. Was das kommende Betriebssystem OS X Mountain Lion können wird, hat Apple bereits im Februar verraten. Eine der größten Neuerungen ist das Notification Center, das Besitzer von iPhone oder iPad schon kennen. Es ermöglicht einen einfachen Zugriff auf Hinweismeldungen aus E-Mail-Programm, Kalender, dem Textdienst Messages oder zu System-Updates sowie Apps von Drittherstellern.

Weitere neue Funktionen sind eine Diktierfunktion (Texteingabe per Sprache) und Dienste zum schnelleren Teilen von Informationen. So wird – wie auch auf den Mobilgeräten – der Kurznachrichtendienst Twitter stärker in das System integriert werden. Mit an Bord ist jetzt auch das soziale Netzwerk Facebook: Einmal in den System-Einstellungen eingeloggt, kann direkt aus dem System heraus ‚geshared‘ und ‚geliked‘ werden. Insgesamt wird es in Mac OS 10.8 Mountain Lion mehr als 200 neue Funktionen geben. Das Betriebssystem soll im Juli erhältlich sein und 19,99 Dollar kosten.

Mobil viel Neues

Apples sechste Version der mobilen Schaltzentrale iOS lockt ebenfalls mit rund 200 neuen Funktionen: Mehr oder weniger nützliche Apps wie eine "Bitte nicht stören"-Funktion, ein verbesserter Photo Stream oder eine tiefgreifende Facebook-Integration sollen das mobile Betriebssystem der mehr als 365 Millionen iOS-Nutzer noch bequemer machen. Die größte Neuerung ist der neue Kartendienst Maps. Google hat auf dem iPhone also endgültig ausgedient. Die Funktion "Flyover" bietet virtuelle Rundflüge über die Karten - mit 3D-Modellen der wichtigsten Gebäude. Wie sich Apple Maps in Deutschland und gegen Googles Kartendienst schlägt, muss ein Test zeigen. Das neue mobile Betriebssystem wird im Herbst ausgeliefert – vermutlich pünktlich zum Start des neuen iPhones.

Spanisch auf dem iPad

Neue Laptops, neue Software für Handy und Computer. War es das etwa? Nein, Apple hat auch die Sprachassistentin Siri runderneuert. So kann Siri jetzt nicht nur Termine planen oder den Wecker stellen, sondern auch Fragen über Sport beantworten oder dank des neuen Apple-Kartendiensts auch navigieren. Auf die Frage, welcher der beiden Basketballer - LeBron oder Kobe – größer sei, liefert der Dienst wenige Sekunden später die korrekte Antwort (LeBron). Siri kann jetzt auch prüfen, was im Kino um die Ecke läuft und bei Bedarf den passenden Trailer heraussuchen. Angeblich sollen die lokalen Dienste jetzt auch außerhalb der USA funktionieren. Deutschen Nutzern bleiben geobasierte Dienste bislang verwehrt.

Beinahe selbstverständlich ist, dass Siri ab sofort in das iPad integriert wird. Auch das Siri jetzt Apps starten kann, ist längst überfällig. Selbst der mittelmäßig funktionierende Sprachassistent von Samsung namens "S-Voice" kann Anwendungen via Sprachbefehl starten. Allerdings bietet Apples Sprachdienst wesentlich mehr Sprachen: Ab sofort versteht die Software auch spanische, koreanische, italienische und chinesische Sprecher.

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