HOME

IFA-Vorstellung Move: Sonos war der langsame Gigant - jetzt kommt Bewegung in das Angebot

Mit seinem Multiboom-System war Sonos lange Vorreiter bei der Vernetzung des Heimaudios. Unterwegs musste man auf das System verzichten - bis jetzt. Der neue Sonos Move bricht mit einem der wichtigsten Prinzipien des Konzerns. Der Produktchef erklärte uns warum.

Der Sonos Move lässt sich dank Akku und Tragegriff auch im Garten oder dem Strand benutzen

Der Sonos Move lässt sich dank Akku und Tragegriff auch im Garten oder dem Strand benutzen

stern.de

Sonos, das steht für einfach zu verbindende Lautsprecher, die im ganzen Haus für einen satten Klang sorgen. Jetzt bietet der Konzern erstmals eine Bluetooth-Box für unterwegs an - obwohl man das früher ausgeschlossen hatte. Wir haben mit dem Produktchef Allen Mask darüber gesprochen.

Der neue Sonos Move ist gleich in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil er sich als erster Lautsprecher sowohl per Wlan in ein Multiroom-System integrieren als auch unterwegs als Bluetooth-Box nutzen lässt. Zum anderen, weil Sonos noch vor gar nicht langer Zeit genau so ein Gerät noch ausschloss. "Wir wollen unsern Nutzern die Wahl geben, wie und wo sie ihre Musik hören wollen", erklärt Mask das Umdenken.

Spät am Markt

Der Schritt kommt spät: Der Markt für Bluetooth-Boxen explodiert seit Jahren. Selbst Angesichts seiner ohnehin langen Produktzyklus ist Sonos spät dran. Mask sieht das nicht als Problem. "Uns geht es nicht darum, schnell in einen Markt zu kommen. Wir haben lange experimentiert und herumprobiert, wie man einen echten Sonos-Lautsprecher bauen kann, der sich auch unterwegs nutzen lässt. Mit dem Move sagen wir nun: So können wir das anbieten."

Tatsächlich musste Sonos vieles anders machen. Die Lautsprecher-Systeme des Unternehmens verbinden sich normalerweise per Wlan, der Move dagegen kann erstmals auch per Bluetooth angesteuert werden. Weil der Lautsprecher mit seinem Akku und dem Tragegriff im Rücken immer wieder umgestellt werden kann, musste Sonos zudem die Klanganpassung an den Raum überarbeiten.

Vorbild Apple

Statt einmal den Raumklang per Smartphone manuell zu messen, übernimmt der Move das mit jedem Umsetzen neu. So bemerkt er, wenn er angehoben wird und misst jedes Mal nach dem Abstellen neu den Raum aus. Dazu misst er wie etwa auch Apples HomePod (hier bei uns im Test) mit Mikrofonen die feinen Klangreflektionen des Raumes. So soll stets der beste Klang garantiert werden.

In einem ersten Hörtest konnte der Move dennoch nicht voll überzeugen. In dem recht großen Vorführsaal klang der Move zwar ordentlich, aber dünner, als man das etwa vom Sonos One gewohnt ist. Und das trotz größerem Gehäuse. Ob der Klang in einer normalen Wohnung besser ausfällt, kann erst ein Test zeigen. Sie finden ihn in einigen Wochen bei stern.de.

Teurer Spaß

Der angepeilte Preis ist recht hoch: Gut 400 Euro soll der Sonos Move kosten. Bedenkt man, dass die bei Amazon beliebtesten Bluetooth-Boxen im Bereich zwischen 50 und 130 Euro liegen, ist das eine Menge Geld. Mask sieht das nicht als Problem. "Wir haben mit dem Move eigentlich zwei Produkte vorgestellt. Einen mobilen Wlan-Speaker für Zuhause und einen Bluetooth-Lautsprecher, der die Sonos-Erfahrung nach draußen bringt. Und das ist dann auch den Preis wert, den wir dafür verlangen", gibt er sich selbstbewusst.

Dass Sonos sich so spät in den mobilen Lautsprecher-Markt traut, liegt sicher auch an der allgemein deutlich langsameren Erweiterung des Angebots. Während die Konkurrenten teils mehrere neue Modelle pro Jahr vorstellen, hält sich Sonos mit Neuankündigungen zurück. Manche Produkte, wie etwa die für den TV konzipierte Playbar, werden seit Jahren völlig unverändert angeboten.

"Wir sehen das (die langsamen Produktzyklen) als Vorteil", so Mask. "Unsere Kunden wissen: Wenn ich ein Sonos-Produkt kaufe, wird das noch jahrelang unterstützt und im Laufe der Zeit immer besser. Wir wollen ihnen nicht ständig neue Geräte verkaufen. Das gibt den Geräten mehr Wert." Man konzentriere sich lieber auf ein kompaktes Portfolio, statt immer neue Modelle anzubieten. Ein Nachteil dieser Strategie: Produkte wie die Playbar wirken trotz weiter höherer Preise im Vergleich zu neueren doch klar veraltet.

Es geht um Auswahl

Langsam lernt der Konzern aber doch, auf Kundenwünsche einzugehen. Mit dem Sonos One führte der Konzern seinen ersten Lautsprecher ein, der die Steuerung mit Amazons Assistentin Alexa unterstützte. Zusammen mit dem Move stellte man mit dem One SL nun ein Modell ohne diese Mikrofone vor. "Uns geht es meist nicht darum, ein Gerät zu ersetzen. Der Sonos One SL ersetzt den bisherigen One nicht. Er ist eine Wahlmöglichkeit für Kunden, die keine Mikrofone im Lautsprecher brauchen - oder wollen", sagt Mask. Genauso sei die letztes Jahr vorgestellte Beam kein Ersatz der Playbar, sondern eine weitere Option.

In einem wichtigen Bereich bietet Sonos allerdings bisher gar keine Option: Einen Kopfhörer hat das Unternehmen - trotz zahlreicher Nachfragen von Kunden - bisher nicht im Angebot. "Wir probieren ständig neue Dinge aus und testen, wie sie sich integrieren lassen", antwortet Mask darauf angesprochen. "Und wenn sie dann fertig sind - wie der Move - dann stellen wir sie vor. Wir beobachten den Markt sehr genau. Da müssen Sie wohl noch etwas abwarten."

Themen in diesem Artikel