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TV-Markt Manager von Billig-TV-Hersteller verrät: Darum schnüffeln unsere Fernseher uns aus

Wie viel weiß Ihr Fernseher über Sie?
Wie viel weiß Ihr Fernseher über Sie?
© eranicle / Getty Images
Smarte Fernseher sammeln seit Jahren Daten ihrer Nutzer. Der technische Leiter des US-Herstellers Vizio verriet nun, warum das kaum anders geht. Und wie viel Ihr Fernseher wirklich über Sie weiß.

Serien bei Netflix, lustige Clips bei Youtube und zwischendurch noch Musik bei Spotify: Moderne Fernseher können längst mehr, als schnöde das TV-Programm zu übertragen. Gegenüber ihren doofen Vorgänger haben Smart-TVs aber einen gewaltigen Nachteil: Viele schnüffeln uns regelrecht aus. In einem Interview hat nun einer Top-Manager des US-Herstellers Vizio, Bill Baxter, erzählt, warum das anders auch kaum möglich wäre. Zumindest nicht zu den aktuellen Preisen.

"Es geht uns nicht ums Datensammeln. Es geht darum, die Fernseher nach dem Verkauf profitabel zu machen. Das ist eine mörderische Industrie, man macht vielleicht 6 Prozent Gewinn", erklärte Baxter im Gespräch mit "The Verge". "Die größere Strategie dahinter ist einfach, dass man gar kein Geld mehr mit dem Verkauf des Fernsehers selbst verdient. Ich muss nur meine Kosten decken". Das Geld würde dann erst in den 6,9 Jahren verdient, die ein Vizio-Fernseher im Schnitt beim Kunden stände.

Geldverdienen nach dem Kauf

Und hier kommen die Daten ins Spiel. Baxter ist über die Schnüffelei erstaunlich offen. Schaltet der Nutzer bei der Einrichtung Vizios Inhalte-Erkennung ein, weiß der Hersteller genau, was auf dem TV abläuft. "Wir sehen, was der Fernseher sieht", gibt Baxter unverblümt zu. "Mit gewissen Ausnahmen allerdings. Es gibt da rechtliche Einschränkungen, zudem anonymisieren wir die Daten. Wir wollen ja nicht die Privatsphäre verletzen."

Trotzdem sieht er auch einen Vorteil für die Kunden: "Wenn die Inhalte-Erkennung eingeschaltet ist, ist das auch für die Kunden ein echter Vorteil. Das wird gerne vergessen. Wenn man dem zustimmt, können wir in vielerlei Hinsicht auch eine bessere Nutzungserfahrung anbieten." Wie das konkret aussehen soll, verrät er aber nicht.

Neben den Daten bleiben den Herstellern aber noch andere Einkünfte. "Man macht ein bisschen Geld hier, ein bisschen Geld da. Man verkauft ein paar Filme, ein paar TV-Sendungen. Und man verkauft ein bisschen Werbung."

Auch andere Schnüffeln

Auch andere Hersteller werten seit Jahren die Daten der Kunden aus. Geräte von Samsung und LG bitten dazu bei der Einrichtung um Zustimmung, Modelle von Sony und Philips teilen über das Android-Betriebssystem Daten mit Google. Sony setzt zudem auf den extrem datenhungrigen Dienst SambaTV, der pixelgenau analysiert, was gerade auf dem Fernseher läuft. Dass die Kunden dazu extra ein Konto anlegen müssen, scheint die Datensammler kaum aufzuhalten: Laut einem Bericht der "New York Times" richteten über 90 Prozent der Nutzer den Dienst bei der Einrichtung des Fernsehers gleich mit ein.

Kein Wunder, dass sich viele Kunden einen "dummen" Fernseher zurückwünschen, der einfach das Bild von Eingabegeräten wie einer Streaming-Box oder dem Kabelreceiver anzeigt. Laut Baxter wären solche Modelle durchaus denkbar - aber nicht zu den aktuellen Preisen. "Dann müssten wir uns wieder eine höhere Marge im Handel zurückholen." Ein Fernseher ohne Datensammelei müsste also teurer sein.

Quelle:The Verge


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